Baumstämme werden mit GPS-Peilsendern ausgestattet

Holzdieben auf der Spur

In Hessen sind 42 Prozent der Landesfläche bewaldet. Dort gibt es jede Menge Holz – wertvolles noch dazu. Wie wertvoll mehrere Festmeter tatsächlich sind, wissen auch Holzdiebe. Allein im Hessischen Staatsforst verursachen diese jährlich einen Schaden im hohen sechsstelligen Bereich. Die Ortungsbox „Forst-Tracker“ soll dies künftig ändern.

Der Schreibtisch von Andreas Schmitt ist von Zeitungsausschnitten be­deckt. „Bislang unbekannte Täter haben am vergangenen Wochenende rund 50 Meter Holz von einem Lagerplatz im Wald gestohlen“ oder „Unbekannte entwenden 54 Baumstämme“ ist dort zu lesen. „Holzdiebstahl aus Wäldern hat in den vergangenen Jahren rapide zugenommen“, erklärt Schmitt, Forstamtsleiter beim Landesbetrieb Hessen-Forst. Ein Großteil geht auf das Konto von Holzdieben, die oftmals Industrieholz im Visier haben: also Holz, das eigentlich für die Papier-, Möbel- oder Brennholzindustrie gedacht ist. Und die Täter sind gut ausgerüstet. Oft rücken sie gleich mit Sattelzug und Ladekran an. Diebstahl im großen Stil sozusagen. Da Waldbesitzer gefällte Baumstämme, sogenannte Polter, oft über mehrere Wochen im Wald lagern, fällt der Verlust meist erst Tage später auf –
die Diebe sind dann längst über alle Berge. Seit Anfang des Jahres setzt der Landesbetrieb Hessen-Forst von daher auf einen GPS-Peilsender, mit dem gestohlenes Holz europaweit wieder aufgefunden werden kann. Entwickelt wurde der vernetzte GPS-Peilsender „Forst-Tracker“ von dem Telekom-IT-Partner Akquinet in Kooperation mit dem Landesbetrieb Hessen-Forst.

Alarm per SMS

Um die Aufklärungsquote zu erhöhen, verstecken die Förster die kleinen Peilsender stichprobenartig in den Baumstämmen. Damit der Forst-Tracker überhaupt im geschlagenen Holz installiert werden kann, muss zunächst ein Stück Rinde an einer beliebigen Stelle hochgehebelt werden. Dann sägen die Förster einen Hohlraum in das Holz, platzieren den Tracker darin und versiegeln das Loch wieder mit der Rinde. Der Vorteil: Selbst bei näherem Hinsehen ist das Gerät nicht zu erkennen. Potentielle Diebe wissen also nicht, ob und wenn ja, in welche Baumstämme ein Ortungsgerät integriert wurde.

Doch wie schlägt der Peilsender im Ernstfall Alarm? Hier kommt die M2M-Technologie zum Einsatz. Darunter versteht man den automatisierten Austausch von Daten zwischen Endgeräten wie Maschinen oder Fahrzeugen untereinander oder mit einer zentralen Leitstelle. Das Ortungsgerät besteht u.a. aus einem Funkmodul mit einer speziellen M2M-SIM-Karte, einem GPS-Sender sowie einem Bewegungssensor. Zudem sorgt ein leistungsfähiger Lithium-Polymer-Akku für die zuverlässige Stromversorgung des Moduls. Nachdem der Peilsender eingesetzt wurde, fällt er in einen stromsparenden Standby-Modus, in dem er beispielsweise nur alle 14 Tage seine GPS-Koordinaten weiterleitet. Sobald sich allerdings jemand illegal an dem Holz zu schaffen macht, wechselt das Ortungsgerät in den Bewegungsmodus und der Tracker sendet fortlaufend seine GPS-Koordinaten über das Mobilfunknetz der Telekom an die Akquinet-Server.

Auf frischer Tat ertappt

Ein Webportal wertet die Daten aus und visualisiert die Transportroute auf einer Karte. Die Förster greifen entweder per Webbrowser oder mit einer Smartphone-App auf die Daten zu. Zusammen mit den örtlichen Polizeibehörden kann Hessen-Forst das gestohlene Holz auf diese Weise schnell wiederfinden und die Diebe überführen. Die flächendeckende Abdeckung, die hohe Netzqualität sowie weltweite Roaming-Partnerschaften der Telekom machen es möglich. So kann die Ortungslösung auch in abgelegenen oder grenznahen Gebieten eingesetzt werden. „Dabei wurden die Peilsender langen Testreihen unterzogen, um das Produkt bestmöglich auf unsere Anforderungen hin zu optimieren“, erklärt Schmitt.

Dass der vernetzte Peilsender tatsächlich eine große Hilfe sein kann, um gestohlenes Holz schnell wieder aufzufinden, zeigt folgender Fall aus dem hessischen Forstamt Schotten, der Anfang Juni 2013 aktenkundig wurde. „Als ein Fuhrparkunternehmer Buchenbrennholz-Polter illegal abtransportierte, schlug der Tracker Alarm und informierte umgehend den Revierförster per SMS“, sagt Schmitt. Nur wenige Stunden später konnte die Polizei mithilfe der exakten GPS-Positionsdaten das Diebesgut sicherstellen und kurz darauf auch den Täter überführen.

Die Lösung  ist bereits deutschlandweit im Einsatz sein. Ein einzelner Forst-Tracker kostet ab 495 Euro inklusive Portalkosten und M2M-Sim-Karte zuzüglich Mehrwertsteuer im ersten Jahr. Die Folgejahre sind ab 36,00 Euro für zwölf Monate dann deutlich günstiger, da dann die Anschaffung der Hardware entfällt.

 

Der Landesbetrieb Hessen-Forst

Der Landesbetrieb untersteht dem Hessischen Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Er bewirtschaftet den hessischen Staatswald und betreut darüber hinaus einen Großteil des hessischen Kommunal- und Privatwaldes. Das sind rund 84 Prozent der gesamten Waldfläche in Hessen. Zu den Aufgaben von Hessen-Forst gehören neben der Waldpflege vor allem die Nutzung des Holzes, der Naturschutz sowie die Umweltbildung. Aktuell sind mehr als 2.300 Mitarbeiter hessenweit für den Wald im Einsatz. Zum Landesbetrieb zählen insgesamt 41 Forstämter, die wiederum in 400 Forstreviere unterteilt sind.

Bildquelle: Thinkstock/ iStockphoto

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok