Die Sägen liegen bereit
Der Posten eines Konzern-CEOs gilt nicht umsonst als Schleudersitz. Manch einer hält nur ein paar Monate durch, wie zum Beispiel Leo Apotheker bei SAP (10 Monate) und jetzt wieder bei HP (11 Monate). Damit ist er Rekordhalter, wie Business Insider feststellt. Ein freiwilliger Abgang war es allerdings nicht, ziemlich viele Leute haben lautstark an seinem Stuhl gesägt.
Am 21. September um kurz nach acht Uhr morgens pazifischer Zeit ging es los: Kara Swisher von All Things Digital veröffentlichte Spekulationen über die Ablösung von Leo Apotheker als HP-CEO und präsentierte auch gleich Meg Whitman als Nachfolgerin.
Die Reaktion der Märkte: Der Aktienkurs von HP schoss nach oben. Zwei Tage später legte Kara Swisher nach und Donnerstags bei Börsenschluss an der Wallstreet war Leo Apotheker seinen Job auch offiziell los, aber mit ausreichend Barschaft im Gepäck.
HP-Chairman Ray Lane rief ihm auf CNET in wenig schmeichelhaften Worten nach, er sei als Konzernchef ungeeignet. Erik Schonfeld von TechCrunch und Lance Ulanoff von Mashable kennen einen besseren Kandidaten: Apotheker-Vorgänger Mark Hurd. "He knows what he is doing", meint Schonfeld und Ulanoff ergänzt: "Hurd was an insider and a visionary leader." Was beides nach Meinung der beiden Techblogger wohl nicht für Meg Whitman gilt.
Die neue HP-CEO konnte ihren Job ungefähr eine Nanosekunde lang ungestört machen, da sortierten Journalisten und Experten schon die Sägeblätter nach Zahnung und Größe.
All Things Digital sammelte eher skeptische Meinungen von Analysten ein. Ein weiterer Branchenaugur, Frank Gillet von Forrester Research, ist ebenfalls nicht wirklich begeistert, wie in einem TechCrunch-Videointerview zu merken ist. Fondsmanager Eric Jackson spricht auf Business Insider die Zweifel an Whitmans Eignung am deutlichsten aus. ReadWriteWeb.com zeigt in einer deutlichen Grafik, welche Aufgabe die neue CEO vor sich hat. Und auf InformationWeek findet sich eine genaue Analyse dieser Aufgaben.
Bleibt zum Schluss nur noch die Frage: Wie konnte das geschehen? Die New York Times kennt die Antwort (via Business Insider): Nach kräftezehrenden internen Rangeleien um die Kandidatenliste hatte niemand im HP-Verwaltungsrat noch Lust, sich näher mit Apotheker und den anderen Kandidaten zu beschäftigen. Er wurde ohne weiteres "Assessment" nach Aktenlage angeheuert. Na, dann ....
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