Nachgefragt bei Thomas Gronbach, Keynote

„HTML5 wird dominieren“

Interview mit Thomas Gronbach, Director Marketing Europe bei Keynote

Thomas Gronbach, Keynote

„Wir gehen davon aus, dass in den nächsten zwei bis drei Jahren der Großteil der Apps auf HTML5 basieren wird“, so Thomas Gronbach, Director Marketing Europe bei Keynote.

Herr Gronbach, wie gestaltet sich das derzeitige Interesse der Unternehmen an der App-Entwicklung auf Basis von HTML5?
Thomas Gronbach:
Es ist ein stetig wachsendes Interesse an der Entwicklung von HTML5-Applikationen festzustellen – sowohl auf dem Desktop als auch noch stärker im mobilen Bereich. Vor allem die unabhängige Distribution, die Profitsteuerung durch Werbung und die Multiplattformunterstützung stärken das Interesse.

Inwieweit unterstützen Sie als Anbieter bereits diese Entwicklung? Und welche Umstellungen waren hierfür in Ihrer Entwicklungsabteilung vonnöten?
Gronbach:
Unsere automatisierte Testing-Umgebung arbeitet mit echten mobilen Endgeräten. So lange diese Devices eine Browserimplementation mit HTML5-Support mitbringen, unterstützt sie auch unsere Testing Engine. In der kommenden Version (Deviceanywhere 6.0) wird der direkte Zugriff auf das Document-Object-Modell (DOM) der HTML-Seiten möglich sein. Damit ist ein einmal erstelltes Test-Skript auf allen unterstützten Endgeräten einsetzbar. Keynote gehört zu den Vorreitern und Innovatoren im Mobile-Testing-Bereich, weshalb wir jegliche Entwicklung in diesem Umfeld aufmerksam verfolgen, relevante Trends frühzeitig adaptieren und an deren Marktreife interessiert sind. Für unseren generischen Produkte zum Testen von Mobile-Projekten in der Cloud ist diese Voraussicht essentiell.

Offiziell soll HTML5 erst 2014 verabschiedet werden, obgleich schon jetzt fleißig damit programmiert wird. Wie schätzen Sie die Möglichkeit eines „Fallbacks“ für die Entwickler nach offiziellem Release ein?
Gronbach:
Bereits jetzt wird HTML5 von vielen Entwicklern und Firmen akzeptiert und eingesetzt. Obwohl noch nicht alle Spezifikationen endgültig definiert sind, wurde auch bereits vom W3C empfohlen, HTML5 einzusetzen. Über kurz oder lang wird kein Weg an HTML5 vorbeiführen, weshalb die „Gefahr“ eines Rückfalls eher als gering einzuschätzen ist. Vielmehr wird es zwei Entwicklungsstränge geben: zum einen HTML5 und zum anderen weiterhin native und sogenannte „Hybrid“-Apps, die zum Einsatz kommen, wenn der Funktionsumfang von HTML5 für spezielle Anforderungen nicht ausreicht. Keynote verfolgt die Entwicklung von HTML5 sehr aufmerksam und bietet mit seinen Mobile-Cloud-Testing-Produkten Unterstützung für die jeweils aktuelle Version – aber auch für deren Vorgänger.

Welche Grenzen setzt HTML5 bei der App-Erstellung? Und welche Risiken birgt der Standard?
Gronbach:
Neben der Sicherheit steht außerdem die komplette Unterstützung aller Handy-Features, wie z.B. Vibration oder 3D, im Vordergrund. Diese Funktionalitäten werden noch nicht durch HTML5 abgedeckt. Für derartige Funktionen müssen Entwickler wieder auf native Apps zurückgreifen, solange diese noch nicht im HTML5-Standard verankert sind.

Die große Herausfoderung für die App-Entwicklung wird der Kompromiss zwischen Performance und Funktionalität sein. Die Vielzahl der Möglichkeiten, die HTML5 ermöglicht, lässt die Menge des Codes anwachsen, was wiederum einen signifikanten Einfluss auf die Performance haben wird – sowohl im Netzwerk als auch beim Abspielen auf den verschiedenen Endgeräten. Neben der Performance wird die Entwicklung von Offline-Applikationen ein wichtiges Thema sein. Zukünftig wird eine erfolgreiche Mobile-Entwicklung verstärkt von der richtigen Abstimmung und Ausprägung zwischen User Interface/Usability, Performance sowie App/Seitengröße abhängen.

Worin sehen Sie die Stärken von HTML5?
Gronbach:
HTML5-Apps können plattformunabhängig entwickelt werden, da sie auf jedem HTML5-fähigen Browser laufen. Dadurch sinken Entwicklungszeiten und -kosten drastisch. Neue Funktionen und das Erscheinigungsbild einer App sind losgelöst von den Release-Zyklen der OS-Hersteller wie Apple oder Google. Sie können, aber müssen nicht länger über den jeweiligen Store verteilt werden, sondern lassen sich bequem im Browser starten. Dies kommt modernen Paradigmen wie der agilen Entwicklung sehr entgegen und macht den gesamten Prozess flexibler. Deep-Links, E-Mail und Suchmaschinensichtbarkeit sind problematisch bei nativen Apps, bei HTML5 sind sie implizit gegeben.

Inwiefern ist auch die Entwicklung nativer Apps auf Basis von HTML5 möglich?
Gronbach:
Die Unterstützung aller HTML5-Features ist noch nicht auf allen Browsern angekommen, dies wird ein fortlaufender Prozess sein. Mit steigender Unterstützung von HTML5 werden immer mehr Apps sich auch als HTML5-App implementieren lassen.

Inwieweit könnte HTML5 andere Programmiersprachen bzw. native Apps verdrängen?
Gronbach:
Wenn HTML5 als Standard von Industrie und Gremien angenommen und umgesetzt wird, ist es wahrscheinlich, dass andere Plattformen in den Hintergrund rücken. Dies wird aber noch einige Zeit dauern. Keynote macht sich aber nicht von einem einzigen Standard abhängig, sondern orientiert sich bei der Umsetzung an den Wünschen des Kunden.

Und inwieweit wird die App-Entwicklung auf Basis von HTML5 den App Store und Google Play Store beeinflussen? Über welche Plattformen oder Stores werden die HTML5-Apps selbst vertrieben?
Gronbach:
HTML5-Apps benötigen zur Distribution die Hersteller-Stores nicht länger. Sie lassen sich direkt auf Internetseiten starten oder von ihnen heruntergeladen und aktualisieren sich darüber hinaus selbsttätig. Dieser Weg vorbei an den Stores verhindert das Profit Sharing. Der große Bekanntheitsgrad der Stores darf aber nicht unterschätzt werden. Daher könnten sich die Stores von Google sowie Apple verändern und zu einem Verzeichnis mutieren, in dem HTML5-Apps gesucht und gefunden werden können. Neben den bekannten Stores werden sich wahrscheinlich auch weitere Verzeichnisse sowie cloud-basierte Deployment-Werkzeuge wie Mobiapp platzieren können.

Wer prüft die Sicherheit der Apps, wenn Sie frei im Netz verfügbar sind?
Gronbach:
Dies ist momentan ein viel diskutierter Punkt. Da Apps an Google, Apple, etc. vorbei vertrieben werden können, greift deren Qualitätssicherung nicht mehr. Daher sind die Code-Owner umso stärker in der Pflicht, sichere und robuste Applikationen zu produzieren. Ein intensives Testen auf allen Plattform- und Browserkombinationen ist deshalb unumgänglich. Ebenso müssen Browserhersteller für die lose zusammengestellten Standards von HTML5 eine stabile und sichere Umgebung liefern. Insbesondere das Offline-Abspielen von Funktionen aus einem Cache birgt ein großes Risiko, da diese jederzeit Zugriff auf die Daten des Browsers haben.

Wie schätzen Sie die zukünftigen Entwicklungen im Bereich HTML5 ein und wie werden wohl Apple und Google darauf reagieren?
Gronbach:
Wir gehen davon aus, dass in den nächsten zwei bis drei Jahren der Großteil der Apps auf HTML5 basieren wird. Die Technologie entwickelt sich rasant und es gibt eine große Bewegung in Richtung einer Multiplattformwelt, in der zumindest von iOS, Android, Windows Phone und Blackberry wichtige Marktanteile besetzt werden. Diese Trends führen dazu, dass viele Firmen nicht in der Lage sein werden, viele parallele Entwicklungen gleichzeitig durchführen zu können. Native Applikationen wird es deshalb weiterhin im mobilen Bereich sowie auf dem Desktop geben, aber HTML5 wird in Zukunft die Webentwicklung dominieren.

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