Mario Winter, Samsung

Im Kosmos der digitalen Welt

Erst sollten Smartphones, Tablets und Co. klein und handlich sein, mittlerweile sind eher große Displays bei den Geräten gefragt. Zudem versuchen sich die Anbieter mobiler Devices mit immer kreativeren Features zu überbieten. Auch Samsung stellte kürzlich wieder eine ganze Reihe neuer Produkte vor. Wir sprachen mit Mario Winter, Director IT & Mobile Marketing bei der Samsung Electronics GmbH, worauf es bei der Entwicklung der neuen Galaxy- und Ativ-Geräte ankam und welche Rolle die Anwender dabei spielten.

  • „Windows 8 bleibt mit seiner Kombination aus klassischer PC-Bedienung und Touch-Elementen eine interessante Plattform für unsere Geräte“ so Mario Winter, Director IT & Mobile Marketing bei der Samsung Electronics GmbH.

Herr Winter, wie gestaltet sich derzeit der generelle Trend im Bereich der mobilen Endgeräte auf dem Markt?
Mario Winter:
Aus eigenen Erfahrungen und Studien wissen wir, dass das Smartphone immer mehr zum zentralen Gegenstand im Leben vieler Menschen wird. Es begleitet uns überall hin, agiert als persönlicher Fitness-Coach und erledigt dabei eine Vielzahl an Aufgaben. Der Verbraucher möchte dabei schnell und einfach Zugriff auf die Welt seiner persönlichen Daten haben. Alle Inhalte wie Lieblingsmusik, Filme oder Spiele sollen immer und überall dabei sein – und die Bedienung wie selbstverständlich funktionieren. Das Smartphone muss mit anderen Geräten wie Tablet, PC, Kamera, Fernseher, Waschmaschine – letztlich dem „Smart Home“ – kommunizieren können und sich leicht vernetzen lassen. Das Smartphone ist dabei das zentrale Element im Kosmos der persönlichen digitalen Welt.

Aus technologischer Sicht spielt ein weiterer Faktor eine große Rolle: Highspeed-Internet. Immer mehr Nutzer verlagern ihre Daten in die Cloud und genießen den Vorteil, auch von unterwegs Filme zu streamen oder Fotos zu teilen. Daher werden höhere Datenübertragungsraten wie LTE und LTE Advanced in Zukunft immer entscheidender. Zudem gewinnt NFC-Technologie (Near Field Communication) eine immer größere Bedeutung, so dass das Bezahlen an der Kasse mittels Smartphone in greifbare Nähe rückt. Ein anderes spannendes Feld wird die nächsten Jahre das Thema „Wearable Computing“ sein. Smartwatches gelten aktuell als Favoriten, weil sie anders als Brillen die Distanz zwischen Mensch und Maschine wahren.

Welche konkreten Smartphone- und Tablet-Funktionalitäten sind bei den Businessanwendern besonders gefragt?
Winter:
Geschäftsleute schätzen die großen Displays unserer Smartphones. HD-Super-Amoled-Displays beispielsweise zeigen ein gestochen scharfes Bild und bieten Lesegenuss bei Websites, Nachrichten oder Präsentationen. Im Businesskontext ist es außerdem wichtig, Dokumente immer auf dem aktuellsten Stand dabei zu haben. Mit „Samsung Link“ bieten unsere Produkte dafür eine Lösung: Nutzer können ihre Daten über einen Cloud-Dienst auf mehrere Geräte übertragen.

Das Thema „Onlinesicherheit“ ist nicht neu, gewinnt aber durch die aktuelle Diskussion gerade bei Businesskunden. Das in Zusammenarbeit mit der Telekom entwickelte „SiMKo 3“-Smartphone bietet etwa verschlüsselte Sicherheitstelefonie auf Basis des Galaxy S III. Knox wiederum ist eine Sicherheitsumgebung für Businesskunden, die mobile Geräte in ihr Firmennetzwerk einbinden möchten, ohne Risiken einzugehen.

Woran liegt es, dass die Displays immer größer und die Geräte somit unhandlicher werden? Inwieweit gibt es hierfür technische Gründe?
Winter:
Dass Smartphone-Displays immer größer werden, hat keine technische Ursache, sondern ist eine Anpassung an die Wünsche der Kunden. Ursprünglich waren Mobiltelefone zum reinen Telefonieren gedacht. Daher wurden die Geräte im Lauf der Zeit immer kleiner und handlicher. Heute ist der Wunsch nach immer größeren Bildschirmen ein klar zu beobachtender Trend. Das hat folgende Gründe: Inzwischen spielen Multimedia-Inhalte wie Fotos und Videos eine immer größere Rolle. Die Menschen wollen ihre besonderen Momente mit Freunden und Familie bei Facebook, Tumblr oder anderen sozialen Netzwerken teilen – und machen davon ein Foto. Große, brillante Displays eignen sich, um all diese Fotos zu betrachten. Außerdem: Filme auf einem großen Display zu schauen oder unterwegs darüber ein Spiel zu spielen, macht einfach mehr Spaß. Gleichzeitig ermöglichen große Bildschirme eine komfortablere Bedienung: Man hat für alles mehr Platz und kann z.B. einfacher Termine organisieren oder besser Nachrichten schreiben. Darüber hinaus machen größere Displays höhere Auflösungen möglich: Stichwort ist hier Ultra HD bzw. 4K.

Inwiefern werden Sie den Wünschen der Kunden mit Ihren neuen Galaxy- und Ativ-Produkten gerecht, die Sie kürzlich in London vorgestellt haben? Worauf wurde der Fokus bei der Entwicklung der neuen Geräte gelegt?
Winter:
Das Credo bei all unseren Produkten ist, dass sich die Technologie dem Menschen anpassen muss und nicht umgekehrt. Für die neuen Produkte aus den Galaxy- und Ativ-Familien lag der Fokus auf einfacher Bedienung und Mehrwert für unsere Kunden. Unsere neuen Ativ-Geräte beherrschen z.B. das Feature Sidesync. Damit kann man sein Android-Smartphone mit seinem Ativ-Notebook verbinden und Daten austauschen, den Smartphone-Bildschirm auf dem PC anzeigen oder Daten synchronisieren. Das Galaxy S4 Active erfüllt hingegen den Wunsch vieler Nutzer nach einem robusten Outdoor-Smartphone, das jedoch optisch schick ist und Highend-Features bietet. Das Galaxy S4 Zoom richtet sich an alle, die gerne fotografieren. Viele Nutzer verwenden ihr Smartphone neben der Telefon- und SMS-Funktion hauptsächlich zum Fotografieren und Teilen von Fotos in sozialen Netzwerken. Diesem Trend tragen wir mit dem Gerät Rechnung.

Welche Rolle spielt hier das Betriebssystem Windows 8?
Winter:
Windows 8 bleibt mit seiner Kombination aus klassischer PC-Bedienung und Touch-Elementen eine interessante Plattform für unsere Geräte. Durch die einheitliche Oberfläche und Kompatibilität von Windows 8 und Windows Phone 8 können die Nutzer ihre Daten sowohl beruflich als auch privat auf sämtlichen Geräten nutzen. Die weitere Entwicklung der Plattform werden wir mit Spannung verfolgen.

Inwiefern unterscheiden sich Ihre eigenen Android-Releases von der Ursprungsversion?
Winter:
Durch eine intelligente Verzahnung von Hard- und Software liefert unsere Oberfläche Touchwiz zusätzliche Funktionen wie Multi Window, Air View, Smart Stay und individuell angepasste Apps, die im „puren“ Android-Betriebssystem nicht enthalten sind. Sie verbessern die Nutzererfahrung sowie die Produktivität und vereinfachen die Bedienung. Um dem Benutzer beim ersten Start des Geräts ein gutes Nutzererlebnis zu garantieren, hat Samsung verschiedene eigene Apps vorinstalliert. Über Samsung Apps, unseren eigenen App-Store, können weitere Anwendungen heruntergeladen werden.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie generell bei der Entwicklung neuer Produkte?
Winter:
Die größte und wichtigste Herausforderung, die wir vor allem an uns selbst stellen, ist die, den Anforderungen unserer Kunden so gut wie möglich nachzukommen: Was erwarten sie von unseren Produkten? Welche Funktionen wünschen sie sich? Wie viel darf ein Gerät kosten? Weitere Herausforderungen sind die Materialien unserer Produkte. Ein leistungsstarkes Smartphone hat durch bestimmte Hardwarekomponenten wie den Akku ein gewisses Gewicht. Die Kunst ist es, einen Mittelweg aus Leistung, schlankem Design, Robustheit und einem Gewicht zu finden, das die Nutzer als angenehm empfinden. In diesem Zusammenhang war eine andere schwierige, aber gleichzeitig spannende Herausforderung, das Galaxy S4 Active für die IP67-Zertifizierung fit zu machen. Denn diese stellt ganz besondere Anforderungen an das Gehäuse eines Smartphones.

Inwiefern sind Ihre Kunden in die Entwicklung der Mobility-Produkte eingebunden?
Winter:
Erst kürzlich haben wir unsere Fans über Facebook abstimmen lassen, welche neuen Farben des Galaxy S4 auf den deutschen Markt kommen sollen: „Blue“ oder „Purple“. Das ist bereits das zweite Mal, dass wir so eine Umfrage starteten und die Beteiligung war jedes Mal überwältigend.

Welche mobilen Endgeräte nutzen Sie privat bzw. geschäftlich?
Winter:
Privat nutze ich das Galaxy S4 Active. Das hat einen ganz einfachen Grund: Mit zwei kleinen Kindern wird es zuhause gerne mal klebrig. Das Smartphone kann ich den beiden bedenkenlos zum kurzen Rumspielen überlassen, ohne dass es Schaden nimmt – selbst wenn es mal runterfällt. Trotzdem habe ich damit ein Smartphone mit schickem Design und muss nicht auf Performance verzichten. Zusätzlich habe ich auf Geschäftsreisen meist mein Galaxy Note 8.0 dabei. Ich schätze das handliche Format sowie das großzügige Display und mag die praktische Stifteingabe mit dem S Pen.

Warum entwickelt Samsung im Vergleich zu anderen Marktteilnehmern so viele Geräte in kürzester Zeit?
Winter:
Unser Ansatz ist es, für jeden unserer Kunden das passende Produkt anzubieten. Menschen haben jedoch ganz eigene Ansprüche an ein Smartphone, beispielsweise was Displaygröße und Ausstattung angeht. Wir entwickeln daher unterschiedliche smarte Geräte, um möglichst viele dieser Bedürfnisse zu erfüllen.

Welche Rolle spielt das Thema „Machine to Machine“ (M2M) in Ihrer Unternehmensstrategie?
Winter:
„Machine to Machine“-Kommunikation wird künftig sowohl in unserem privaten als auch im beruflichen Alltag eine große Rolle spielen. Schon jetzt gibt es eine Vielzahl konkreter Anwendungsbeispiele – oft merken wir gar nichts davon. M2M ist ein sehr wichtiger Trend, den wir weit oben auf der Agenda haben und der unser Innovationsstreben anspornt.

Welche weiteren Mobility-Themen möchte Samsung zukünftig vorantreiben?
Winter:
Ein wichtiger Trend ist das mobile Arbeiten. Immer mehr Menschen arbeiten unterwegs oder von zuhause aus und haben somit keine Arbeitsumgebung wie im Büro. Wir fragen uns: Wie können wir mit unseren Produkten die Arbeit außerhalb der vier Bürowände verbessern und vereinfachen? Mit unseren Galaxy-Note-Geräten bieten wir unseren Kunden bereits entsprechende Lösungen. Auch im Mobile-Computing-Bereich haben wir kürzlich in London spannende Ultrabooks und Convertible-Geräte vorgestellt, die effizientes und flexibles Arbeiten unterwegs ermöglichen. Ein weiteres spannendes Thema sind Oled-Displays. Hier erforschen wir derzeit, wie wir biegsame oder gekrümmte Bildschirme nutzen können, um unseren Kunden neue Erlebnisse zu ermöglichen.


Mario Winter ...

... ist Director Information Technology & Mobile Marketing bei der Samsung Electronics GmbH. Zuvor zeichnete er fünf Jahre lang als Head of Marketing für die Marketingaktivitäten des Konzerns im Bereich „Mobile“ verantwortlich. Insgesamt blickt er auf eine über acht Jahre lange Karriere bei Samsung zurück.
Winter studierte BWL mit Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik und Marketing an der Fachhochschule Gießen-Friedberg und der University of Applied Science in Dundalk (Irland). Zusammen mit seiner Frau und seinen zwei Kindern lebt er in Gießen.

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