Google wird normal

Im tiefen Tal der Superkonzerne

Google kommt jetzt in die Jahre und wird grauer, langweiliger und normaler. Es ist eben kein Startup mehr, sondern ein gigantischer Konzern.

Nerd-Ornament: Rutsche ins Basement

Google galt immer als besonders: Besonders locker, besonders non-evil, besonders innovativ. Doch inzwischen ist das Unternehmen da angekommen, wo die Gründer vermutlich niemals hinwollten: In der Welt der grauen Konzerne mit Controlling, ganz vielen Organigrammkästchen mit “-management“ in der Beschriftung und dem strikten Glauben an die Kraft des Plankalküls - und der Kennzahlen, natürlich.

Das Startuppige von Google ist in den letzten zwei bis drei Jahren Schritt für Schritt abgebaut worden. Ein paar Dutzend weniger erfolgreiche Produkte sind eingestampft worden - darunter auch eher ressourcensparsame Image-Projekte wie Google Reader. In diesem Jahr wirkte der Frühjahrsputz eher wie ein Kettensägenmassaker.

Google scheint sich in Zukunft auf einige wenige Produkte und Services konzentrieren zu wollen - neben der Suche vor allem auf die neuen, besser für das Geldverdienen geeigneten Produkte wie Google Now oder Google Plus. Das läuft üblicherweise unter “Stärken der Kernkompetenz” und ist eine typische Konzernstrategie.

Googliness sieht anders aus. Vor allem die zahlreichen Neuentwicklungen und Nebenprojekte erwiesen Google als riesigen Ideen-Brutkasten, der neue Produkte im Dutzend abwirft. Natürlich war das meiste schlicht erfolglos, doch so ist das halt mit Neuerungen: Neun von zehn floppen. Aber für das eine Riesending sind trotzdem zehn Versuche nötig.

Doch wo kommen die Ideen her? Von den Mitarbeitern natürlich. Damit Einfälle sprudeln, sollte ihnen jedes Unternehmen ein paar Freiheiten einräumen sollte. Spielen und spinnen, tüfteln und experimentieren - und das alles ohne Controller im Nacken, der Zahlen sehen will. Oder wenigsten Powerpoints, auf denen steht, wieviel Geld die Idee in den nächsten zehn Jahren möglicherweise einfahren können würde.

Geht natürlich nicht. Und wenn das Controlling die Geduld verliert, zieht es den Stecker vom Brutkasten - wie bei Google. Das Ende der Startup-Mentalität ist erkennbar am offiziellen Ende der 20-Prozent-Regel, die es Mitarbeitern erlaubte, etwa ein Fünftel der (offiziellen) Arbeitszeit an selbst gewählten Projekten zu verbringen.

Klar, das war schon immer theoretisch und ging in Richtung 140 Prozent (120 für Umsatz, 20 für Innovation). Und ebenso klar, dass es trotzdem auch in Zukunft noch Leute geben wird, die mit Kollegen an was Coolem basteln. Doch es geht um die Stimmung, die durch eine solche Regel und ihr Wegfallen erzeugt wird.

Google wird jetzt normal, auf den ersten Plätzen der Unternehmensleitbilder stehen: Money, Money, Money. Das es auch weiterhin nerdige Ornamente wie Rutschen ins Basement, Bällebäder an allen Ecken und skurril-schräge Bürodesigns geben wird, sollte nicht darüber hinweg täuschen. Also: May the Key Performance Indicators be with you.

Bildquelle: Google

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