Mobile Market

iOS vs. Windows 8 – wer gewinnt, wer verliert

Apple ist gemeinsam mit Google der Platzhirsch, Microsoft der Angreifer.

Mathias Reinhardt ist Geschäftsführer und Mitbegründer der Nidag GmbH. Als Internet-Dienstleister berät und betreut er Unternehmen hinsichtlich E-Commerce und Mobile-Lösungen.

Aber zunächst: Wie ist Windows 8 überhaupt positioniert? Apples iOS und Googles Android sind klar auf Smartphones und Tablets ausgerichtet – Apple hat diese Kategorie zwar nicht erfunden, jedoch den Markt für diese Geräteklasse durch eine perfekte Gesamterfahrung für den Nutzer gleichsam initial gezündet. Google bietet heute ungefähr die gleichen Leistungen für den Nutzer, allerdings in einem offeneren Eco-System was Hardware(-Hersteller) und Dienste betrifft. Das schlägt sich derzeit auch in den verkauften Stückzahlen im Smartphone-Bereich nieder. Mit Windows 8 hat Microsoft jedoch noch einen dritten Aspekt zu bedienen, der Segen und Fluch zugleich sein wird: Windows 8 ist neuester Spross der Windows-Desktop-Betriebssysteme und muss auch diese Anwender mitnehmen. Dieses Reservoir der Windows-Nutzer – nicht nur im Business-Bereich – ist das entscheidende Potential, das Microsoft Apple und Google voraushat.

Mit der neuen Tablet-Oberfläche kann Microsoft punkten: Die Bedienung ist elegant und im Detail an vielen Stellen innovativer als bei den Wettbewerbern. Auch der App-Store startete besser als erwartet. Aber gerade bisherige Windows-Nutzer bleiben mit dem ersten Wurf von Windows 8 eher ratlos zurück: Wer einen Nachfolger für sein PC-Betriebssystem erwartet, wird mit der unvollendeten Integration von alter Desktop-Welt und schicker Tablet-Oberfläche hadern. Und Windows RT für ARM-Prozessoren bietet nur Apps für die neue Oberfläche – das gibt es von Apple und Google im Gesamtpaket schon deutlich besser.

Apple bietet Angriffsfläche

Nicht nur an dieser Stelle wirkt das Microsoft-System unreif: Zwar hat Microsoft alle relevanten Komponenten für ein leistungsfähiges Ecosystem im Köcher – vom App-Store über Mail-, Karten- und Musikdienste und mit Skype auch noch ein Schwergewicht für Kommunikation und Messaging – aber die intuitive Verzahnung und das Zusammenspiel wirken noch längst nicht so gekonnt wie bei der Konkurrenz.

Eine gewisse Unreife hat auch Apple mit dem letzten Update auf iOS 6 erkennen lassen, auch wenn sich diese in erster Linie auf den neu gestarteten Kartendienst und die App-Store-Darstellung bezieht. Erstmals konnte ein iOS-Update nicht restlos begeistern.

Apple bietet also Angriffsfläche und muss zeigen, dass es Käufergruppen in niedrigeren Preissegmenten erschließen kann. Wenn Microsoft seine angestammte Nutzerbasis für das neue System begeistern kann, ist der dritte Platz gewiss. Bei der Komplexität der „Altlasten“ und der besser zu verzahnenden Dienste ist das nicht trivial. Und Microsoft hat die bisherigen Hardware-Partner mit einem eigenen Gerät vor den Kopf gestoßen – Windows-8-Momentum von weiteren Herstellern fehlt noch. Im Moment sieht es so aus, als ob Google sowohl Apple als auch Microsoft überrunden wird.


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