Das neue iPad: Mehr Pixel, mehr Euros
Das ist jetzt kein Apple-Bashing, denn ich bin ein überzeugter iPad-2-Anwender: Das neue iPad ist nicht innovativ. Es ist tatsächlich kein iPad 3, sondern lediglich ein iPad mit aktueller Hardware und einem hochauflösenden Touchscreen.
Ich habe keinen Zweifel, dass es sich wie das sprichwörtliche "geschnitten Brot" verkaufen wird und ich habe keinen Zweifel, dass die von Apple Retina-Display getaufte Auflösung brillante, von der Konkurrenz im Moment nicht erreichte Darstellungen erlaubt.
Doch ist das nicht ein bisschen wenig? Über Monate hinweg wurde das Produkt in einer dampfend heißen Gerüchteküche vorbereitet. Das Ergebnis: 2048 x 1536 Pixel, A5X-Hochleistungsprozessor mit vier Grafikkernen, 5 Megapixel Kamera, verbesserter Akku, LTE.
Toll. Aber schade, dass diese Aufzählung wie aus dem Produktkatalog eines fernöstlichen Telkos mit Kaizen-Fabrik wirkt. Die reinen Leistungsdaten werden sicher bald von anderen Herstellern eingeholt und überholt.
Außerdem diversifiziert sich die Hardware weiter, da das iPad 2 im Verkauf bleibt. Das dürfte vor allem für die Entwickler einige Probleme bedeuten. Gerade die Apps und nicht etwa die (meist eher behäbige) Hardware ist das Erfolgsgeheimnis der iOS-Welt.
Doch zunächst gibt es außer von Apple keine Apps, die das neue Retina-Display auf dem iPad ausnutzen. Das wird sich schnell ändern. Doch die großen Entwickler populärer Apps und die zigtausend kleineren Entwickler müssen nun genau überlegen, wie sie die unterschiedlichen Auflösungen unterstützen: Eine App für alles, je eine für iPhone und iPad oder gar für jede Variante eine eigene App?
Die letzte Option dürfte viele Anwender verwirren, sorgt aber für schlanke Apps. Denn je attraktiver und somit aufwendiger die Benutzeroberfläche ist, desto größer sind die mitzuliefernden Bibliotheken für die verschiedenen Auflösungen. Und Größe heißt Bandbreite - ohne WLAN-Zugriff dürfte die Installation eines umfänglicheren Games zu Schweißausbrüchen führen.
Überhaupt die Games: Die Weiterentwicklung des iPads zeigt in zwei Richtungen, von denen die eine "Game" und die andere "Video" heißt. Das iPad wird also zu einem Hochleistungsgerät für Entertainment. Auch eBooks dürften sehr von der Retina-Auflösung profitieren, doch die liest in DRM-Deutschland mit seinen irrsinnigen E-Book-Preisen sowieso niemand.
Das neue iPad bringt nicht viel für die eher ernsthaften Anwender wie mich, die das iPad vorwiegend als Notizblock, Aufgaben- und Terminplaner, News- und Webreader mit gelegentlichen Ausflügen zu Youtube nutzen. Die höhere Auflösung ist natürlich schön, rechtfertigt aber im Moment keine Anschaffung des teuren Stücks. Da müssen schon innovative Apps auf den Markt kommen, die auf dem iPad 2 nicht funktionieren.
Fazit: Das neue iPad ist besser als das alte. Und damit ist das Problem auch schon ausgedrückt. Es ist nicht einmal ansatzweise die Innovation, die das erste iPhone und das erste iPad waren. Es ist einfach ein aufgebohrtes, ergänztes und modernisiertes Nachfolgeprodukt zum höheren Preis.
Hallo Apple, willkommen im grauen Dunst der kontinuierlichen Verbesserungsprozesse (im Unterschied zum Strahlenglanz der disruptiven Innovationen).
Bildquelle: Apple