Stattdessen fanden In-Ears – kleine Stöpsel, die im Ohr verschwinden – eine weite Verbreitung, was vor allem daran liegt, dass fast jedem Handy ein Paar beiliegt und sie besonders praktisch für unterwegs sind. Jedermanns Sache sind sie deshalb aber noch lange nicht, denn viele stören sich an dem Gefühl der Ohrstöpsel oder an schlechter Klangqualität.
Nicht nur das mobile Internet hat also dem traditionellen Kopfhörer zu einem Revival verholfen und ihn gleich zu einem Verkaufsschlager gemacht. Über elf Millionen Stück wurden 2012 in Deutschland verkauft, das ergab eine aktuelle Studie der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik. Die Lieblingsmusik ist dank Smartphone und MP3-Player heute immer mit dabei, und auch Videos werden häufiger unterwegs angeschaut. Dabei werden die Nutzer anspruchsvoller, wenn es um Qualität und Technik geht, denn Kopfhörer ist nicht gleich Kopfhörer.
Welcher Kopfhörer der richtige ist, ist abhängig von den persönlichen Bedürfnissen und Vorlieben des „Hörers“. Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Bauformen: den Over-Ear und den On-Ear. Die erste Version umschließt das gesamte Ohr und schmiegt sich im Idealfall angenehm an Kopf und Ohr an. Leider wirkt er aber auch oft sehr wuchtig und kann durch sein Gewicht unbequem werden. Die zweite Variante wird dagegen direkt auf die Ohrmuschel aufgelegt, was unangenehm aussieht, aber Töne und Bässe besonders gut hervorbringen soll.
Ein guter Tragekomfort ist im Wesentlichen von gepolsterten, druckmildernden oder beweglichen Ohrpolstern sowie dem Tragebügel, der auf seine Länge hin geprüft werden sollte, damit eine richtige Sitzposition möglich ist, abhängig. Hier hat sich in den letzten Jahren einiges getan, so wurde eine Deluxe-Ohrmuschel mit Memory-Schaumstoff für eine ergonomische Passform entwickelt, die die Form des Ohrs beibehält.
Praktisch sind auch austauschbare Kabel, so dass beim Kabelbruch nicht gleich ein neues Gerät gekauft werden muss. Überhaupt ist das Kabel nur noch selten als Spirale zu sehen, stattdessen haben die Kabel einen schicken Überwurf erhalten, um beispielsweise dem berühmten Kabelsalat oder Klangbeeinträchtigungen entgegenzuwirken.
Da der Kopfhörer schon lange nicht mehr zum reinen Hören genutzt wird, sind zusätzliche Funktionen immer gefragter. Besonders verbreitet ist die Noise-Cancelling-Technologie, die es ermöglicht, Außengeräusche vollständig abzuschirmen. Manche Modelle arbeiten sogar aktiv gegen störende Geräusche aus dem Umfeld: Mikrofone in der Hörmuschel ermitteln, wie laut die Umgebung ist, und der Klang steuert dagegen. Damit die aktive Geräuschunterdrückung nicht zum Nachteil wird – etwa im Straßenverkehr – ermöglicht eine Listen-Through-Funktion das Durchleiten der Außengeräusche bei gleichzeitiger Stummschaltung der Musik.
Nicht mehr nur als High-End-, sondern auch als Lifestyle-Produkt ist der Kopfhörer sehr gefragt. Aus diesem Grund lassen es sich berühmte Musiker und Künstler auch nicht nehmen, besonders ausgefallene Designs und Farbkonstellationen zu entwerfen. Gerne greifen dafür nicht nur die Deutschen auch mal etwas tiefer in die Tasche.
Trotz all der neuen Designs und Funktionen sind Kopfhörer nicht ganz ungefährlich. Wer kennt es nicht: Morgens in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit lassen zahlreiche Mitfahrende ihren Nebenmann an ihrem Musikgeschmack teilhaben. Das ist nervig, aber auch gesundheitsgefährdend, denn alles über 85 Dezibel ist schädlich. Grundsätzlich gilt: Je näher sich Ohr und Lärmquelle sind, desto lauter. Kopfhörer haben hier einen klaren Vorteil gegenüber den praktischen In-Ears, da sie weiter entfernt vom Trommelfell sind.
Immerhin: Hersteller in Deutschland folgen zum Wohle der Musikliebhaber einer EU-Richtlinie, laut der Geräte nicht lauter als der schädlichen Grenze von 85 Dezibel werden dürfen.
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