06.03.2017 Das finnische Dorf

Jolla Sailfish gibt sich noch nicht geschlagen

Von: Ingo Steinhaus

Das Außenseiter-Betriebssystem Sailfish kommt auf Sony-Mobilgeräte und geht nach Russland, China und Südamerika.

Jolla gab es bislang nur wenigen Smartphones, beispielsweise dem Fairphone

Die Welt der Mobilgeräte ist erobert, dass duale Imperium aus Android und iOS findet sich auf praktisch allen Smartphones. Dabei hat Android den größten Marktanteil mit mehr als 80 Prozent, während iOS durch die kombinierte Premium- und Ecosystem-Strategie von Apple das meiste Geld einbringt. Die letzten gallischen Dörfer im Markt der Mobilbetriebssysteme sind dem Erdboden gleichgemacht worden:

  • Firefox OS ist eingestellt.
  • Ubuntu Touch hat nie den Status der Basteilei verloren und wird vorerst nicht weiterentwickelt.
  • Samsung setzt Tizen vorwiegend auf Smartwatches und Smart-TVs ein und positioniert es inzwischen eher als IoT-Betriebssystem.
  • Der Marktanteil von BlackBerry OS ist praktisch null.
  • Windows Phone ist mit 0,3 Prozent Marktanteil kaum noch sichtbar.
  • Jolla ist mit seinem Sailfish nur knapp der Insolvenz entgangen.

Der Mobile World Congress in Barcelona hat zumindest für Jolla gute Nachrichten gebracht: Das finnische Unternehmen und Sony haben eine offizielle Partnerschaft verkündet. Sailfish OS soll das Standardbetriebssystem für alle Xperia-Smartphones werden. Damit ist es den Finnen gelungen, sich aus dem dunklen Tal der Insolvenzgefahr wieder hervorzuarbeiten und neue Geräte mit dem System auf den Markt zu bringen.

Sailfish geht in die Regionen

Das Unternehmen will in diesem Jahr erstmals profitabel arbeiten und ihr Betriebssystem vor allem in China gegen Android und iOS positionieren. Dafür baut zurzeit Shan Li, ein chinesischer Investor, der bereits sehr früh bei Jolla eingestiegen ist, das „Sailfish China Consortium“ auf. Es erhält eine exklusive Lizenz, mit der das Konsortium auf der Basis von Sailfish ein unabhängiges Mobil-Betriebssystem für China aufbauen soll.

Einige größere chinesische Unternehmen sollen nach Informationen von NetMediaEurope bereits Interesse am Einstieg in das Konsortium bekundet haben und planen Investitionen von vorerst 250 Millionen Dollar. Das chinesische Sailfish ist aber nicht nur für Smartphones gedacht, sondern auch für Connected Cars, Smart-TVs und IoT-Geräte wie Wearables oder Smartwatches.

Russische und brasilianische Unternehmen bringen in den nächsten Monaten ebenfalls Geräte mit Sailfish auf den Markt. Dabei handelt es sich um regionale Varianten des Systems, die von den einzelnen Regionalbietern abgewandelt werden dürfen. So fehlt in Russland die Schnittstelle, mit der Android-Apps installiert werden können.

Grundsätzlich haben diese Kooperationen sogar eine große Chance. In den erwähnten Ländern wächst seit geraumer Zeit die Skepsis gegenüber den bisherigen Marktführern, vor allem was die Sicherheit der mit den Betriebssystemen und ihren Cloud-Ablegern gespeicherten Daten betrifft. Die neue Version des finnischen Betriebssystems ist so ausgelegt, dass die Daten nicht zentral gespeichert werden. Stattdessen werden sie in regionalen Clouds gesichert, die von den Lizenzpartnern angeboten werden können.

Bildquelle: Jolla

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