Marc Kley vom hgnc organisiert den StartUp-Day. Bildquelle: zoomm.me
„Die Startup-Szene in Köln ist lebendig und innovativ. Es gibt diverse Co-Working-Räume und Inkubatoren. Solche Orte sind wichtig, wenn es darum geht, Ideen zu entwickeln. Und kreative Ideen brauchen wir, wenn wir Kulturinstitutionen davon überzeugen wollen, die digitalen Möglichkeiten zu nutzen." Prof. Dr. Holger Simon, Pauanio.
„Köln ist ein attraktiver Standort: Hier gibt es eine große Uni mit vielen frischen Ideen (so wie die unsere, die im Bereich Wirtschaftsinformatik hier in Köln entwickelt wurde) - und Köln ist im Vergleich zu Berlin zentral gelegen." Thomas Engel, Mitgründer und CMO des Unternehmens.
Das Hochschulgründernetz Cologne (hgnc) wurde 2011 von elf Mitgliedern als e.V. institutionalisiert. Entsprungen ist es aus einer bereits 1998 begonnenen Zusammenarbeit der Deutschen Sporthochschule Köln, der Fachhochschule Köln und der Universität zu Köln mit dem Ziel, Existenzgründungen von Studierenden und Absolventen dieser Hochschulen zu unterstützen. Inzwischen sind neun Hochschulen im hgnc vertreten, insgesamt hat der Verein bereist 17 Mitglieder.
Darüber hinaus bietet das Netzwerk ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm mit Workshops zu gründungsrelevanten Themen an. Eine dieser Veranstaltungen ist der StartUp-Day (nächster Termin am 27. und 28. Juni 2014). Über ihn sprach MOBILE BUSINESS mit Marc Kley vom Hochschulgründernetz.
Herr Kley, welche Idee steht hinter dem StartUp-Day?
Marc Kley: Der StartUp-Day ist zusammen mit dem Finanzierungstag eine der beiden Veranstaltungen, die der hgnc für eine größere Zielgruppe durchführt und dabei auch Partner aus dem Netzwerk außerhalb der hgnc-Institutionen einbindet. Ziel des StartUp-Day ist es, an den Kölner Hochschulen eine StartUp-Kultur zu schaffen bzw. diese zu stärken. Durch die Einbindung von vor allem Kölner Entrepreneuren als Redner und Moderatoren bringen wir gründungsinteressierte Studierende und erfolgreicher Gründer auf dem Campus zusammen und es wird zudem die Gründerkultur an den Kölner Hochschulen gestärkt.
EIN VIDEO ZUM STARTUP-DAY VON ZOOMM.ME GIBT ES HIER
Was schätzen Sie die Kölner Gründer- und Investorenszene ein?
Kley: Der Standort Köln besitzt im Gründungsbereich derzeit eine sehr große Dynamik. Es gibt eine hohe Zahl an Initiativen und Einrichtungen, die Infrastruktur, Netzwerktreffen und Veranstaltungen durchführen. Dazu gehören langjährig aktive Player wie das NUK aber auch die in den letzten zwei bis drei Jahren entstanden Co-Working-Spaces oder Veranstaltungen wie der European Pirate Summit und die Interactive Cologne.
Zudem gibt es eine Vielzahl an sehr aktiven Seriengründern, die erfolgreich ein oder mehrere IT- bzw. Medien-Start-ups aufgebaut haben und sich nun als Business Angel und Mentor für junge Gründerteams betätigen.
Die Startbedingungen für Gründer in Köln sind sehr gut. Auf diversen Veranstaltungen besteht die Möglichkeit, sich Tipps von erfahrenen Gründern zu holen und Netzwerke aufzubauen. Denn Kontakte schaden nur dem, der keine hat. Es wächst derzeit eine starke Gründercommunity zusammen.
Was könnte besser sein?
Kley: Die Verzahnung der einzelnen Aktivitäten zur Schaffung einer starken und nachhaltigen Gründercommunity muss vorangetrieben werden. Ich sehe ein wenig die Gefahr, dass zu viele Stakeholder zu viele Dinge parallel anstoßen anstatt durch eine Bündelung der Kräfte noch mehr zu erreichen und auch die Außenwahrnehmung von Köln als attraktiver Gründungsstandort – aktuell eine Schwäche – zu verbessern. Dies ist m.E. notwendig, um das aktuell bestehende Momentum aufrechtzuerhalten und in den kommenden Jahren die Rahmenbedingungen für Gründer weiter zu verbessern. Die Kölner Hochschulen können dazu beitragen, in dem Sie Ausbildung von Gründern verbessern und das Thema Entrepreneurship viel stärker in der Lehre verankern als bisher. Es muss nicht unbedingt einen oder mehrere Gründungslehrstühle geben, aber es sollte jeder Hochschulabsolvent – egal welcher Fachrichtung – sagen können, dass er sich mindestens einmal im Studium curricular mit dem Thema Unternehmertum auseinander gesetzt hat.
Erfolgreiche Beispiele
Dass institutionell angebundene Ausbildungsprogramme und die dortigen experimentelle Freiräume einem Standort gut tun, da sie häufig innovative Ausgründungen hervorbringen, zeigen für Köln exemplarisch drei Beispiele:
Stefan Zingel vom Kölner App- und Spieleentwickler RockAByte berichtet über die Anfangszeit: „Vor Gründung von RockAByte arbeitete ich als Leiter der Forschungsabteilung beim Laboratory for Mixed Realities an der Kunsthochschule für Medien hier in Köln. Zwei der Kollegen meines Projektteams konnte ich als "Mitarbeiter der ersten Stunde" für RockAByte gewinnen.“
Gleichermaßen aus dem in Köln nicht kleinen Hochschulumfeld entstammt das Unternehmen Pausanio: „Ich habe mit meinem Kollegen Prof. Dr. Stephan Hoppe Pausanio aus der Universität zu Köln heraus gegründet. Wir haben hier in Köln Kunstgeschichte gelehrt“, erzählt Gründer Prof. Dr. Holger Simon. Der Geschäftsführer und Unternehmensgründer schätzt die Nähe zur Wissenschaft in der Universitätsstadt Köln. Und den Draht zur Kunstszene: „Neben den großen Rundfunkanstalten und Fernsehsendern haben wir eine erstklassige Galerien-Szene, exzellente Museen – überhaupt eine facettenreiche Kulturlandschaft.“ Das ist wichtig für sein Unternehmen, welches digitale Anwendungen für den Kunst- und Kulturbetrieb sowie Apps für Museen und mobile Anwendungen für Kulturreisende und Kunstführer entwickelt.
Ebenfalls aus der Uni heraus gegründet wurde in Köln Coupies. Das Unternehmen bietet Apps für Mobile Couponing – also Rabattcoupons auf dem Handy. „Wir ermöglichen es Händlern, Filialisten sowie Markenherstellern, location- und performancebasiert in einer jungen Zielgruppe zu werben. Insbesondere das Cashback-Couponing, welches händlerübergreifend und ohne jegliche Absprache mit den Filialen funktioniert, erfreut sich gerade großer Nachfrage“, berichtet Thomas Engel, Mitgründer und CMO des Unternehmens. Alle fünf Gründer von Coupies stammen aus Köln oder zumindest aus dem Kölner Raum und haben ihre Idee aus dem Bereich Wirtschaftsinformatik an der Universität Köln heraus entwickelt. „Köln ist Medienstandort und als mobile App ist es natürlich von Vorteil, dass die großen Telekommunikationsunternehmen in Bonn und Düsseldorf gleich ums Eck sitzen. Dann kommt mir die rheinische Art sehr gelegen - kein großer Anlauf, man kommt gleich zur Sache“, so Engel.