Zukunft der Kameratechnologie

Konnektivität zwischen Cam und Smartphone

Im Interview betont Thomas Güttler, Geschäftsführer der Rollei GmbH, dass wohl der Siegeszug der Smartphones den maßgebenden Impuls für den Rückgang der Verkaufszahlen bei den Digitalkameras darstellt.

Thomas Güttler, Rollei

„Egal, ob an einer Drohne oder einer Saugnapfhalterung an einem Fahrzeug – der Einsatzbereich von Action-Cams bietet oft tolle Perspektiven ohne großen Aufwand“, meint Rollei-Chef Thomas Güttler.

„Normale digitale Kompaktkamera“ vs. „Action-Cam“: Herr Güttler, wie gestaltet sich der aktuelle Absatzmarkt für jene Kameramodelle?
Thomas Güttler:
Der Absatz von Digitalkameras ist in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen und ist 2014 im Vergleich zu 2010 nur noch halb so groß. Bei Action-Cams ist die Entwicklung umgekehrt. Hier hat sich der Absatz in den letzten Jahren rasant entwickelt. 2011 gingen in Deutschland lediglich 30.000 Action-Cams über den Ladentisch, 2014 waren es bereits über 500.000 Exemplare. Wir erwarten gestiegene Absatzzahlen auch für die nächsten Jahre, da sich die einst auf reine Action-Sportarten beschränkte Kamera mehr und mehr auch in breiteren Anwendungen wiederfinden lässt.

Wie hat sich der Markt über die letzten Jahre gewandelt? Was sind die Einflussfaktoren?
Güttler:
Der Siegeszug der Smartphones ist wohl der maßgebende Impuls für den Rückgang der Verkaufszahlen bei den Digitalkameras. Die mittlerweile leistungsstarken Kameras in den neueren Generationen der Mobiltelefone, die schnelle und unkomplizierte Verknüpfung mit Social-Media-Plattformen und Messenger-Diensten und der Selfie-Trend hat die klassische Digitalkamera ersetzbar gemacht. Parallel dazu ist die Videografie von Outdoor-Erlebnissen auf dem Vormarsch – auch hier begünstigt durch Social Media und den Drang, diese Erlebnisse unmittelbar und unkompliziert im Netz zu teilen.

Für welche konkreten Einsatzszenarien eignen sich Action-Cams?
Güttler:
Der klassische Einsatzbereich von Action-Cams kommt wie schon der Name sagt aus dem Action-Sport. Ursprünglich in der Surferszene zuhause, findet man die Kamerawinzlinge mittlerweile in nahezu allen Outdoor- und Action-Sportarten wieder. Mehr und mehr erobern sich die Kameras unterstützt durch ihre sehr einfach Bedienbarkeit aber auch breitere Nutzergruppen. Familien und Kinder sehen zunehmend den Vorteil, Unternehmungen und Erlebnisse mit den unkomplizierten Action-Cams zu bannen. Man denke nur an den Einsatz im Schwimmbad oder die populären Kochvideos auf Youtube.

Warum erscheint es Ihrer Meinung nach für viele plötzlich so reizvoll, ihre Aktivitäten per Action-Cam festzuhalten?
Güttler:
Die einfache Bedienung, die Größe der Kamera, die sie in jede Handtasche passen lässt, und die Konnektivität mit dem Smartphone sind hier die schlagenden Argumente. Auch ermöglicht das umfangreiche Zubehör den Einsatz in nahezu allen Lebenslagen – auch dort, wo die normale Digicam oder das Smartphone nicht mehr ihre Grenzen haben.

Wann sind nach wie vor Aufnahmen mit digitaler Kompaktkamera gefragt bzw. für welche Zwecke sind jene Geräte besser geeignet?
Güttler:
Rollei sieht für die klassische Digicam, die es nun oft auch in wasserfesten Varianten gibt, gerade im Urlaub den idealen Einsatzbereich. Sand, Salzwasser, Hitze und die Gefahr, das Smartphone zu verlieren, sind Argumente, denen man mit einer vergleichsweise preisgünstigen Digitalkamera gut begegnen kann. Auch die lieben Kleinen können mit Digicams ihre ersten fotografischen Erfolge feiert.

Inwiefern kommen digitale Kompaktkameras und Action-Cams auch im professionellen Geschäftsalltag zum Einsatz?
Güttler:
Hochwertige Action-Cams sehen wir mehr und mehr auch bei Filmaufnahmen professioneller Filmer im Einsatz. Egal, ob an einer Drohne oder einer Saugnapfhalterung an einem Fahrzeug – der Einsatzbereich von Action-Cams bietet oft tolle Perspektiven ohne großen Aufwand.

Welche Kriterien sollten die Kameramodelle jeweils erfüllen, um den Ansprüchen ihrer Zielgruppen gerecht zu werden?
Güttler:
Das A und O aller Kameramodelle ist die einfache Bedienbarkeit. Intuitiv sollten sich alle Basisfunktionen erschließen und mit nur kurzer Anleitung der Einsatz für jedermann möglich sein.

Was sollte man konkret bei der Produktauswahl beachten?
Güttler:
Man sollte sich genau überlegen, wofür man eine Digitalkamera bzw. eine Action-Cam einsetzen möchte. Gerade im Bereich der Action-Cams sollte man auch darauf achten, was an Zubehör bereits in der Grundausstattung enthalten ist. Hier kann eine vermeintlich günstige Cam schnell ziemlich teuer werden, wenn man jede Halterung extra erwerben muss. Auch sollte man seine Anforderungen an die Bildqualität überdenken. Muss es wirklich die hochauflösendste 4K-Kamera sein oder tut es auch ein Standardmodell? Kann mein Wiedergabegerät zu Hause die neueste Technik überhaupt umsetzen?

Ist 4K für Action-Cams eigentlich wirklich sinnvoll?
Güttler:
Für die Anwendungsbereiche der meisten Verbraucher reicht in der Regel eine sehr gute Full-HD-Kamera aus, da der Unterschied zu 4K nicht so signifikant ist, wie man zu meinen glaubt, und auch oft das nötige Abspielgerät fehlt, um diese Dimension der Bildqualität genießen zu können.

Welche Rolle spielt die Verbindung von Kamera zu Smartphone?
Güttler:
Hier liegt eindeutig die Zukunft der Kameratechnologie. Schon heute sind über WiFi und Bluetooth ansteuerbare Kameras ein nicht zu unterschätzendes Marktsegment und mit dem weiteren Vormarsch des Internets und der Social-Media-Plattformen sowie mit intuitiveren und leichter zu bedienenden Bildverarbeitungsprogrammen wird diese Funktion ein Muss für Kamerahersteller werden.

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