Smartphone-Design

Lieber bunt oder lieber flach?

Außenseiter haben es oft einfacher: Mit ihnen rechnet niemand und deshalb können sie leichter verblüffen - wie Nokia und Motorola beim Smartphone-Design.

Das dünnste Smartphone: Motorola Droid Razr

Die Vorgaben für ein hip wirkendes Design bei Smartphones und Tablets kommen gewöhnlich von Apple. Und so bemüht sich zum Beispiel Konkurrent Samsung, ebenfalls in diese Richtung zu gehen. Mit dem Erfolg, regelmäßig bizarre Situationen vor internationalen Gerichten zu erleben.

Tatsächlich ist es schwer, ein Design zu finden, das nicht wie in Cupertino ausgedacht wirkt. Je weiter sich die Gestaltung eines Mobilgeräts von den als modern empfundenen Standards entfernt, desto weniger eignet es sich als leicht verkäufliches Massenprodukt. Andererseits gibt es natürlich haufenweise Trotzköpfe, die doof finden, was alle toll finden - eine Chance für Außenseiter, Produkte mit ungewöhnlichem Design unter die Leute zu bringen.

Motorola und Nokia haben diesen Weg gewählt. Beide sind Hersteller mit einer großen Vergangenheit, aber einer nicht ganz so großartig wirkenden Gegenwart. Beide haben im Turbomarkt der Smartphones ein wenig den Anschluss verloren und beide mussten sich starke Partner suchen, um einen Weg aus der Krise zu finden. Die ideale Situation für einen Außenseitererfolg.

Nokia zumindest scheint dies gelungen zu sein: Diverse Analysten schätzen, dass der Hersteller in den letzten beiden Monaten des Jahres 2011 zwischen 800.000 und 2 Millionen Lumia-Smartphones verkauft hat. Das nicht ganz alltägliche Design scheint anzukommen - zumindest bei distinktionswilligen Individualisten.

Das organisch wirkende Gehäuse des Lumia 800 liegt durch seine Rundungen gut in der Hand. Es besteht nicht aus Einzelteilen, sondern aus einem völlig fugenfreien Polycarbonat-Gehäuse und dem nahtlos darin eingebetteten Display. Das Lumia ist ein Meisterwerk der Verarbeitung: Es wird nicht wie üblich gegossen, sondern wie Metall aus einem Stück gefräst. Die Lautsprecherlöcher zum Beispiel werden einzeln gebohrt.

Auch die sonstigen Daten zeigen das Gerät der Finnen auf der Höhe der Zeit. Zusammen mit dem ebenfalls ungewöhnlichen, aber attraktiven Design von Windows Phone 7 ist Nokia ein edel und hochwertig wirkendes Smartphone gelungen. Wegen der etwas poppig wirkenden Gehäusefarben (unter anderem Purpur und Türkis) spricht es ein junges Publikum an.

Eine etwas andere Zielgruppe hat Motorola mit seinem Droid Razr in den Blick genommen: Highend-Fans mit einem Hang zu ungewöhnlichem Design. Das jetzt auch in Deutschland erhältliche Razr hat ein großes (4,3 Zoll) AMOLED-Display, einen Dualcore-Prozessor und überzeugt mit purem Hightech und Android 4.0 via Update.

Auch das Design richtet sich eher an Technophile. Das futuristisch wirkende Superphone ist in mattem Anthrazit gehalten und extrem flach: nur 7,1 Millimeter. Damit in diese Flunder überhaupt noch eine Kamera passt, gibt es vorne eine kleine Leiste. Sie hat einen schönen Nebeneffekt: Das Razr liegt leicht geneigt und damit tippfreundlich auf dem Tisch.

Obwohl das Smartphone sehr filigran aussieht, überzeugt es durch eine sehr gute Verarbeitung mit ungewöhnlichen Werkstoffen. Das nur 127 Gramm wiegende Razr ist mit Kevlarfasern verstärkt und der Touchscreen besteht aus Gorillaglas. Dadurch dürfte das Gerät den oft etwas rauen Alltag besser verkraften als die Konkurrenz - wenn auch nicht unbedingt jede Situation.

Bildquelle: Motorola

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