Frank Westermann, T-Systems

Lösungen im Enterprise Mobility

Seit 2009 verantwortet Frank Westermann das Sales & Solution Marketing bei T-Systems. Eines seiner zentralen Themen ist der Bereich Enterprise Mobility mit den dazugehörigen Lösungen wie Device Management und Security. Und auch die Cloud spielt in seinen Überlegungen eine wichtige Rolle. Wir fragten nach.

Frank Westermann, T-Systems

„Wir denken beim Thema ‚Mobile’ noch zu oft in der Dimension Endgerät“, meint Frank Westermann von T-Systems.

Herr Westermann, wenn Sie drei Schlagwörter nennen sollten, die in der Mobility-Strategie von T-Systems ganz oben anzusiedeln sind, welche wären es?
Westermann:
Auf Platz eins steht für uns die Reduzierung von Komplexität bei unseren Kunden, denn bei Lichte betrachtet ist das so einfach scheinende Thema „Enterprise Mobility“ mit einer Vielzahl von Einzelfragen behaftet. Zu diesen gehören sichere, zentrale Datenhaltung, Mobiles Rollout, Device Management etc. Diese Fragen möchten wir für unsere Kunden optimal lösen und als einfachen Service anbieten. Als zweites Thema möchte ich Security nennen. Wenn Daten auf vielen Endgeräten vorgehalten werden können und von ihnen abrufbar sind, muss die Sicherheit absolut verlässlich sein. Und letztendlich die Mobilisierung von Geschäftsprozessen. Nur wenn die Nutzer unterwegs mit ihren Anwendungen arbeiten können und Aufgaben schneller bearbeitet werden bzw. die Arbeitszeit besser genutzt wird, werden Optimierungseffekte auch für Unternehmen spürbar.

Viele Unternehmen beschäftigen sich derzeit mit Mobility-Themen. Wo sehen Sie die Anwender auf dem Weg hin zu einem gewinnbringenden Einsatz von Business- und Office-Applikationen auf Smartphones und Tablets?
Westermann:
Aktuell dominieren eindeutig die Applikationen E-Mail, Kalender und Adressbuch. Speziell die Tablets haben darüber hinaus eine neue Klasse von Anwendungen ermöglicht, die in die Domäne der Laptops eindringen. Dazu gehören Vertriebspräsentationen, die auf dem iPad leichter aufzurufen sind als z.B. über einen Beamer. Im Klinikumfeld wird die mobile Visite mit allen nötigen, aktuellen Daten ermöglicht. In Zukunft werden wir Anwendungen sehen, an die wir jetzt noch gar nicht denken.

Die Bereiche Sicherheit und damit einhergehend das Management mobiler Endgeräte spielen in jedem Mobility-Projekt wichtige Rollen. Welche Konzepte kann T-Systems an dieser Stelle liefern?
Westermann:
Wie bereits erwähnt, ist es unser Ziel, die Komplexität bei Mobility zu reduzieren. Deshalb bieten wir unter dem Stichwort „Mobile Device Management“ eine hoch standardisierte SaaS-Lösung aus der Cloud, die über ein Web-Portal zugängig ist und eine einfache Administration der mobilen Endgeräteflotte nach dem „Self Service“-Prinzip ermöglicht. Darüber hinaus sind bereits wesentliche Security-Elemente wie Verschlüsselung von E-Mail, Kalender, Adressbuch, und Dokumenten, Remotesperrung und -löschung oder Zertifikatverteilung enthalten. Dies ermöglicht es unseren Kunden, sich auf alle anderen Aufgaben zu konzentrieren, die bei einem Mobile-Projekt anfallen. In Ergänzung dazu bieten wir das Device Management als ein Komplett-Servicepaket, das auch auf kundenindividuelle Anforderungen vorbereitet ist.

Der unternehmensweite Rollout mobiler Applikationen kann problematisch sein. Wie stellt man sicher, dass ein Mitarbeiter genau die Apps installiert und benutzt, die seiner Position und Verantwortung entsprechen?
Westermann:
Das ist ein umfangreiches Thema, das nicht allein durch Technik bewältigt werden kann. Zunächst müssen klar definierte Governance Policies und die Bereitschaft der mobil angeschlossenen Mitarbeiter, diese zu beachten, vorhanden sein. Darüber hinaus kann das oben erwähnte Mobile Device Management technische Hilfe leisten. So werden Nutzern Enterprise Apps zentral in einer Art Enterprise AppStore zur Verfügung gestellt. Diese werden mobil installiert und „geupdated“. Bestehende Black- und Whitelisten verhindern die Nutzung unerwünschter Apps. Regelmäßige Kontrollmechanismen verhindern Missbrauch, z.B. Jailbreak-Detection bei Apple-Endgeräten. Wurden Devices manipuliert, können sie über Sicherheitsmechanismen wie Remote-Löschung oder Remote-Reset in den Ausgangszustand zurückgesetzt werden.

Immer häufiger verfahren Unternehmen nach dem Motto : „Bring your own device (BYOD)“. Wie stehen Sie dem gegenüber – zum einen aus technologischer, zum anderen aus organisatorischer Sicht?
Westermann:
Je mehr wir uns durch Mobile Enterprise einer Zentralisierung von Anwendungen und Daten nähern, desto einfacher ist es, BYOD zu unterstützen. Aber auch wenn unser Mobile Device Management die Verwaltung vieler mobiler Endgeräte erlaubt, kann ich aus Anwendungssicht nur dazu raten, die Typen weitestgehend zu reduzieren. Anwendungen werden nicht besser, wenn sie mit Toolsets programmiert werden, die die Kompatibilität von x Browsern, Android und iOS ermöglichen. Am Ende kommt leider immer der kleinste gemeinsame Nenner dabei heraus. Daher unterstütze ich den Gedanken BYOD, empfehle aber eine eindeutige Endgerätestrategie. Organisatorisch sind zwei Aspekte zu beachten. Zum einen der zu erwartende Mix aus privaten und geschäftlichen Daten auf dem Device. Hier sollten Security Policies zwischen Unternehmen und Mitarbeiter – unter Einbeziehung der Sozialpartner – vereinbart und technologisch z.B. durch Virtualisierung ein Höchstmaß an Sicherheit gewährleistet werden. Zum anderen sind Support Communities aufzubauen. Damit BYOD nicht zum Kollaps im IT-Support führt, sollten Foren, Wikis, Online-Gruppen etc. aufgebaut werden, in denen die Anwender sich mit Tipps und Anleitungen selbst helfen, so dass sie nur bei gravierenden Fehlern den IT-Support kontaktieren.

Wer sind Ihre Ansprechpartner in den Unternehmen? Geschäftsführungsebene und/oder Fachbereichsverantwortliche?
Westermann:
Mobility ist immer noch ein Top-Management-Thema. Knapp 50 Prozent der CIOs sehen Mobility als ‚High Priority’ an, 16 Prozent stufen es sogar als ‚Critical Priority’ ein. Wir führen in diesem Bereich viele Gespräche auf Geschäftsführungsebene und stellen fest, dass ein wertschöpfender Einsatz mit mehr als nur E-Mail-Funktionalität immer die Einbindung der Fachseite erfordert.

Wie weit sind wir von der Vision entfernt, dass Dateien, Dokumente und E-Mails einmal zentral im Unternehmen vorliegen und von jedem (mobilen) Endgerät standortunabhängig abgerufen werden können? Und das sicher, mit einmaliger Authentifizierung?
Westermann:
Nicht so weit wie man vielleicht glaubt. Wir arbeiten in der T-Systems-internen IT unter dem Stichwort „Seamless Collaboration“ an der Konzeption und dem Aufbau einer Middleware, mit der alle Applikationen und Endgeräte verbunden werden, intelligente Gateways zur Kopplung der logischen Netze inklusive. Dies wird z.B. die Teilnahme an Telepresence-Konferenzen mit Tablets ermöglichen. Diese Idee wurde zum Teil bereits realisiert und ausgerollt. Die E-Mail- und Kalender-Lösung und der hochsichere Intranetzugriff für iPads gehören dazu. Der Trend ‚Mobile Enterprise’ wird die notwendigen Entwicklungen beschleunigen. So wie bei der iCloud jedes Musikstück nur noch einmal für alle Nutzer vorgehalten wird, wird die Unternehmens-Cloud, die die Voraussetzung für den optimalen und sicheren Betrieb von Mobile Enterprise-Lösungen ist, z.B. Kundenpräsentationen nur noch einmal vorhalten.

Dies würde viel weniger Speicherplatz erfordern?
Westermann:
Heute ist es noch so, dass die Daten nicht nur auf dem Unternehmensserver, sondern zusätzlich im E-Mail-Fach des mobilen Anwenders liegen, weil das oft der einzige Speicher ist, über den er verfügt. Er ändert dann z.B. eine Präsentation auf dem iPad und mailt diese an sich zurück, um die Änderungen festzuhalten. Ein Unternehmenslaufwerk, ähnlich der Dropbox kombiniert mit einem breitbandigen mobilen Zugriff über LTE, wird diese Schwachstellen zukünftig beseitigen. Dieses Beispiel zeigt, dass man das Thema „Mobile“ nicht isoliert sehen sollte, denn Cloud und Security gehören untrennbar dazu. Nur wenn man eine sichere und hochperformante Cloudumgebung schafft, wird das iPad Teil der Prozesslandschaft und damit wertschöpfend für ein Unternehmen.

Mit welchen Anbietern und Software- und Hardwareherstellern kooperieren Sie?
Westermann: In diesem noch jungen Markt ist es ratsam, mit mehreren Partnern zusammenzuarbeiten, um immer die jeweils unterstützende Technologie für die Plattform oder das Kundenprojekt zu finden. Hervorheben möchte ich die strategischen Partnerschaften mit SAP, Sybase in punkto Plattformentwicklung und die Kooperation mit VeliQ beim Device Management. In letzter Zeit werden neue Allianzen geschmiedet, ehemalige Marktführer werden von den heutigen übernommen? Welche Betriebssysteme und Plattformen sehen Sie in den kommenden Jahren im Businessbereich vorne?
Westermann: Im Markt für mobile Betriebssysteme ist Android mit mehr als 135 Mio. Geräten neben iOS führend. Jedoch sieht es im Tablet-Markt für Android noch nicht so vielversprechend aus. Laut aktueller Spiegel-Analyse sind 1,2 Mio. Android Tablets im Umlauf. Das ist eine Zahl, die Apple mit seinen iPads pro Quartal um ein mehrfaches überbietet.
       
Ein letzte Frage: Die immer neuen Endgeräte werden ständig leistungsfähiger, aber auch anspruchsvoller in Sachen Performance. Wie lässt sich verhindern, dass sich die Halbwertzeit der Geräte unter ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten immer weiter verkürzt?
Westermann:
Auch hier liegt die Antwort in der Virtualisierung von Applikationen und Daten über die Cloud. Je mehr Rechenleistung und IT-Intelligenz die Cloud ermöglicht, umso unabhängiger wird die Gesamtlösung des eingesetzten Endgerätes und des genutzten mobilen Betriebssystems. Wir denken beim Thema „Mobile“ noch zu oft in der Dimension Endgerät, dabei sind die erfolgskritischen Aspekte das sichere Cloudkonzept, ein App-Portal für die Anwendungsinstallation und -verwaltung, eine optimierte Datenhaltung und natürlich ein leistungsfähiges Netz.

Frank Westermann

Frank Westermann absolvierte sein Informatik-Studium an der RWTH Aachen und war daraufhin einige Jahre als Marketing Manager bei der debis Systemhaus GmbH tätig. Es folgte eine mehrjährige Station als Director PreSales & Marketing Worldwide in einem Unternehmen der Publishing-Branche. Wiederum bei debis verantwortete Frank Westermann das Marketing Telecommunications Services. Ab 2001 leitete er verschiedene Bereiche bei T-Systems, zunächst das Marketing Network Services und ab 2007 den Bereich TC Marketing & Strategy. Seit 2009 verantwortet er das Sales & Solution Marketing bei T-Systems.

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