Was bringt der Ausbau der Netze?

„LTE und UMTS können konfliktlos koexistieren“

Interview mit Timon Lutze, Hub Leader Germany und Switzerland bei Ciena, über den Ausbau der LTE-Netze und die neuen mobilen Services, die sich die Enduser davon versprechen können

Timon Lutze

Timon Lutze ist Hub Leader Germany und Switzerland bei Ciena

Im 2010 endete die Auktion für die LTE-Netze mit einer Zahlung von 4,4 Mrd. Euro. Die UMTS-Lizenzen gingen im Sommer 2000 noch für unglaubliche 50,8 Mrd. Euro weg. Wie kommt dieser große Preisunterschied zustande?
Timon Lutze:
Dafür gibt es vermutlich zwei wichtige Gründe: inzwischen wird genauer geprüft und es gibt weniger Wettbewerb. Als die Internet-Blase im Jahr 2000 ihren Höhenpunkt erlangte und bald darauf zerplatzte, trat in der Telekommunikationswelt der so genannte „nukleare Winter“ ein. Heute befinden wir uns heute nach wie vor in einer relativ instabilen makroökonomischen Situation.

Die Betreiber sind mit neuen Investitionen viel vorsichtiger und drehen jeden Cent zweimal um, bevor sie ihn ausgeben. Außerdem gab es in der letztjährigen Auktion nur vier Kandidaten, die auf drei Lizenzen geboten haben. Dies hat zweifellos den Lauf der Auktion beeinflusst – mit einer 75 prozentigen Wahrscheinlichkeit, die Auktion zu gewinnen, ist der Wettbewerb natürlich geringer und der Preis schießt nicht soweit in die Höhe.

Gibt es Hürden, die hierzulande einer flächendeckenden Verbreitung des neuen Mobilfunkstandards im Wege stehen? Wenn ja, welche?
Lutze:
Es gibt ganz bestimmt keine. Im Gegenteil schaffen Programme wie die Digitale Dividende hervorragende Vorrausetzungen für die Entwicklung hochkapazitiver mobiler Zugangstechnologien. Um eine 90-prozentige Abdeckung durch Breitbandanschlüsse zu erreichen, müssen wir festnetzbasierte und mobile Breitbandnetzwerke deutlich ausbauen. In weniger zugänglichen, ländlichen Regionen, gewinnen mobile Netzwerke erheblich an Bedeutung.

Wann denken Sie, wird der neue Mobilfunkstandard LTE vollumfänglich verfügbar sein?
Lutze:
Die dritte LTE-Generation (wird auch oft als 4G bezeichnet, obwohl sie nicht vollständig den 4G-Anforderungen entspricht) wird bereits in mehreren Ländern in Europa eingesetzt – Schweden und Norwegen sind die besten Beispiele; auch Deutschland gehört zu diesen Ländern. Die echte vierte LTE Generation, LTE Advanced, wird voraussichtlich in 2012 erscheinen.

Was sind die gravierendsten Unterschiede zum bisherigen UMTS-Netz?
Lutze:
LTE ist direkt aus dem UMTS-Standard hervorgegangen und ist dessen Nachfolger, da die mobile Standardtechnologie von der 3rd Generation Partnership-Projekt (3GPP) entwickelt wurde. Die beiden Unterschiede zwischen diesen Technologien, die den Endnutzer am meisten beeinflussen, sind:

Erstens die Down- und Uplink-Kapazitäten, wo LTE einen Datentransfer von 100Mbps and 50Mbps verspricht; zweitens die geringe Latenz von LTE (10ms). Dies bedeutet, dass mehr Breitband-hungrige und zeitkritische Anwendungen, wie etwa High Definition Video, weiträumig auf unseren mobilen Endgeräten verfügbar sein werden.

Welche Erfahrungen haben Sie selbst bislang mit dem Ausbau von LTE-Netzen gemacht?
Lutze:
Ciena ist seit Jahren im mobilen Backhaul-Sektor tätig und stellt Betreibern auf der ganzen Welt die benötigten Geräte für glasfasergebundene Übertragungskapazitäten für die Funkmasten zur Verfügung. 4G-Mobilfunktechnologien gehören fest zu unserem Portfolio mit Lösungen für Anbietern wie Clearwire in den USA und iBurst in Südafrika, die zu unseren Kunden zählen.

Inwieweit werden UMTS- und LTE-Netze künftig parallel betrieben?
Lutze:
LTE und UMTS sind keine konkurrierenden Technologien, daher können sie konfliktlos koexistieren. In der gleichen Weise, wie 2G- und 3G-Netze einander ergänzen, wird 4G die vorhergehenden Mobilfunkstandards vervollständigen. Dabei werden Endgeräte zwischen allen drei Standards problemlos wechseln können.

Welche neuen mobilen Services dürfen sich die Endkunden sowie auch Unternehmen künftig von der LTE-Einführung versprechen?
Lutze:
Wenn es einen Service gibt, der an den LTE-Boom gebunden ist, dann ist es HD-Video. Bereits heute steigt das Interesse für Video-Anwendungen aufgrund von 3G-Verbindungen und immer intelligenter werdenden Endgeräten, die diesen Trend unterstützen. Im Moment ist der Mangel an Übertragungskapazitäten jedoch noch eine große Herausforderung, da dieser oft die Qualität der Anwendungen beeinträchtigen kann. Dadurch kann Video noch nicht sein volles Wachstumspotenzial ausschöpfen. Mit der Einführung von LTE wird dieses Hindernis aber verschwinden.

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