Dr. Reinhard Semkowsky

Man lernt nie aus

E-Learning war gestern, Mobile Learning ist die neue Art, sich Wissen anzueignen. So jedenfalls beurteilt Dr. Reinhard Semkowsky, CEO der Mobile Learning GmbH, die Situation. Dabei gehe es nicht allein um die Vermittlung klassischer Lerninhalte, sondern in verstärktem Maße auch um die Vermittlung unternehmensinternen Know-hows, etwa in Vertrieb und Verkauf.

Herr Dr. Semkowsky, wie definieren Sie Mobile Learning?
Reinhard Semkowsky: Unter Mobile Learning verstehen wir Lernen über Smartphones, Tablets und Computer. Mobile Learning ist überall dort möglich, wo ein Mobiltelefon Kontakt zum Internet hat. Es setzt auf kleine Lerneinheiten von drei bis fünf Minuten – wir nennen sie Learning Nuggets –  die man leicht unterwegs oder kurz vor Terminen bearbeiten kann.

In welchen Unternehmensbereichen kann Mobile Learning besonders effektiv eingesetzt werden?
Semkowsky:
Prinzipiell kann jeder Unternehmensbereich profitieren. Sogar die Kunden können im Rahmen von Customer Integrated Learning oder Kundenbefragungen einbezogen werden. Ein Schwerpunkt ist das Training der Mitarbeiter und Führungskräfte sowie die interaktive Information und Kommunikation mit direktem Feedback.

Inwieweit ist damit zu rechnen, dass die Nutzer mobiler Geräte aufgrund ihrer Affinität zu den Devices eher auf solche Lernangebote eingehen, als es beim E-Learning am Desktop der Fall ist?
Semkowsky:
Klassisches E-Learning ist in vielen Fällen bereits aus der Mode. Die meisten Firmen sitzen auf alten E-Learning-Dinosauriern, für die sie einmal viel Geld ausgegeben haben. Dabei ist die Nutzungsrate seitens der Mitarbeiter oftmals ernüchternd, weil die E-Learning-Plattformen viel zu textlastig und nicht wirklich interaktiv sind. Beim Mobile Learning ist das anders. Hier können bis hin zu spielerischen Elementen, wie sie von vielen Apps bekannt sind, alle Facetten genutzt werden. Auch passt sich die Nutzerführung dem Gerät an, was die Akzeptanz steigert.
 
Worauf kommt es bei der Implementierung einer mobilen Lernplattform aus Sicht des Anwenderunternehmens an?
Semkowsky:
Die Integration muss reibungslos verlaufen. Die firmeninterne IT-Abteilung darf keine Mehrarbeit oder sonstige Aufwendungen haben. In unserem Falle muss sie nicht eingebunden werden, da die Plattform vom Learning-Management-System bis zum Tracking alles mitbringt und auf unseren Servern läuft.

Welche Funktionalitäten fragen die Anwender in der Regel nach?
Semkowsky:
Wichtig sind das Regis-trierungssystem für die einzelnen Nutzer, die hohe Interaktivität der Inhalte und die Möglichkeiten des Trackings mit den damit verbundenen Auswertungen und Statistiken. Für viele Firmen ist auch wichtig, dass ein Autorentool integriert ist, mit dem eigenständig Content hochgeladen werden kann.

Mit wem sprechen Sie in den Unternehmen? Mit IT-Experten oder Fachbereichsleitern aus Personal oder Vertrieb beispielsweise?
Semkowsky:
Die ersten Ansprechpartner sind die Leitungsebenen der Bereiche Personal, Training oder der Vertriebs- und Marketingbereich. Die IT-Abteilung kommt erst dann ins Spiel, wenn es um Sachfragen wie die Übernahme bereits vorhandener Mitarbeiterstammdaten oder ähnliches geht. Für den Fall, dass bestimmte firmeninterne Rechte- und Rollenmodelle genutzt werden müssen, ist die IT-Abteilung natürlich der wichtigste Ansprechpartner.

Welche Lernerfolge und Effizienzsteigerungen können Sie den Anwendern in Aussicht stellen?
Semkowsky:
Unsere Plattform hat die Bedingungen des US-Bildungsministeriums im praktischen Einsatz erfüllt. Die Lernzuwächse lagen über dem Durchschnitt und auch die Lernzeit war kürzer als bei klassischem E-Learning. Weiter haben wir Vergleiche in Bezug auf Lernen im Seminar und Workshop gegenüber unserer Plattform. Hier besitzt Mobile Learning Vorteile in den Bereichen Lerngeschwindigkeit, Spaßfaktor, Unabhängigkeit von Ort und Zeit, sofortigem Lernfeedback sowie der Wiederholbarkeit.

Inwieweit lässt sich der Erfolg der Wissensvermittlung überprüfen?
Semkowsky:
Alles, was ein Teilnehmer auf der Lernplattform tut, kann nach Vereinbarung „getrackt“ werden. Das heißt, im Hintergrund werden seine Aktivitäten registriert und ausgewertet. So erhält der Teilnehmer ein exaktes Bild seines Lernergebnisses und auch seiner „Umwege“.

In welchem Umfang ist auch der Vergleich zwischen Nutzergruppen möglich und datenschutzrechtlich statthaft?
Semkowsky:
Wir bewegen uns zur Zeit mit unserem Produkt in einem Lizenzkundenbereich. Das heißt, vor der Freischaltung prüft der jeweilige Kunde hausintern, ob z.B. eine Betriebsvereinbarung besteht oder ergänzt werden muss, um bestimmte Daten zu erfassen. Grundsätzlich ist jede Art von Vergleich möglich. Wir empfehlen unseren Kunden, ihre individuellen Richtlinien und Regeln zu prüfen und im Falle von mitbestimmungspflichtigen Vorhaben rechtzeitig für Information zu sorgen.

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