Alex Busch, Veliq

Mehr als Kontrolle

Die mobile Verwaltung von Geräten besitzt mehr Facetten als die bloße Kontrolle der Endgeräte. Dieser Meinung ist Alex Bausch, Gründer und CEO von Veliq. Das niederländische Unternehmen bietet eine cloud-basierte Lösung an und vertreibt seine Produkte über Partner, beispielsweise die Telekom.

„Enterprise Managed Mobility bedeutet nicht nur das Management von Geräten, sondern ebenfalls das Management von Applikationen, die Sicherung der Devices sowie die Verwaltung von Inhalten“, so Alex Bausch, Gründer und CEO von Veliq.

Herr Bausch, wie bewerten Sie die derzeitige Situation im Markt für mobile Verwaltungslösungen?
Alex Bausch:
Nach Forrester wird der Markt für Mobile Device Management (MDM) von 3,9 Mrd. Dollar 2011 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 14 Prozent auf 6,6 Mrd. Dollar im Jahr 2015 wachsen. Die steigende Nachfrage von Mitarbeitern nach Smartphones und Tablets erfordert dabei neue Mobility-Lösungen.

80 Prozent aller Unternehmen planen laut Gartner den Einsatz von Tablets bis zum Ende dieses Jahres. Geschätzte 73 Prozent der Mitarbeiter in Unternehmen werden mobil tätig sein und 50 Prozent aller Unternehmen werden auch die mobilen Endgeräte ihrer Mitarbeiter unterstützen (BYOD). Das führt zu einer wachsenden Nachfrage nach cloudbasierten IT-Lösungen. Der Bedarf an eine mobile Plattform as a Service (mPaaS) ist offensichtlich und wird wachsen. Aber auch der Markt für MDM-Lösungen steht noch am Anfang.

Das Kürzel MDM für Mobile Device Management wird derzeit geradezu inflationär gebraucht. Worauf kommt es bei entsprechenden Produkten an?
Bausch:
Wichtig sind die Skalierbarkeit sowie eine klare Übersicht über die gesamten Kosten und den kurzfristigen ROI. Aufgrund der ständigen Veränderungen im Markt von Smart-
phones und Tablets müssen MDM-Lösungen ständig angepasst werden. Gerade in diesem Markt sind Servicelösungen klar im Vorteil gegenüber Inhouselösungen, da die Anbieter, wie beispielsweise Veliq, die Anpassungen für alle Kunden übernehmen und teure Updates und Tests in der Inhouse-IT vermieden werden können.

Sie sprechen gerade nicht von MDM, sondern von Enterprise Managed Mobility. Warum?
Bausch:
MDM bedeutete ursprünglich die Kontrolle eines mobilen Endgerätes. Der Blackberry BES Server ist dafür das beste Beispiel. MDM 1.0 war und ist ein Werkzeug, um Geräte zu verwalten. Folgt man Gartner und der Yankee Group, müssen MDM-Lösungen jedoch weit mehr Aufgaben erfüllen. Enterprise Managed Mobility bedeutet in unseren Augen nicht nur das Management von Geräten, sondern ebenfalls das Management mobiler Applikationen, die Sicherung mobiler Geräte und die Verwaltung von Inhalten (Content). Zudem sollte eine Mobility-Plattform auch die Möglichkeit bieten, mobile Applikationen auszuführen, und helfen, Geschäftsprozesse zu mobilisieren.

Auf welchem Stand befinden sich die Anwender und potentielle Interessenten derzeit?
Bausch:
Es kann hier nicht von einem einheitlichen Bild der Anwender gesprochen werden. Manche Unternehmen haben sehr weitgehende Mobility-Strategien ausgearbeitet und implementiert, andere Unternehmen fangen jetzt erst an, über den Einsatz mobiler Endgeräte nachzudenken.

Um Mitarbeitern den Zugriff auf Unternehmensdaten zu gestatten, ist eine Mobile-Device-Management-Lösung zwingend erforderlich, denn letztlich müssen vertrauliche Unternehmensdaten auf mobilen Geräten genauso geschützt werden wie auf Desktops.

Mit welchen Anforderungen kommen potentielle Interessenten auf Sie zu? Welche Themen werden mit Ihnen diskutiert?
Bausch:
Die Anforderungen variieren. Für Unternehmen mit wenigen mobilen Mitarbeitern ist es wichtig, dass die Lösung schnell einsetzbar und ohne umfangreiche IT-Kenntnisse umsetzbar ist. Andere Unternehmen fordern die Integration bereits bestehender Systeme und Services. In jedem Falle ist es wichtig, dass eine Lösung sich diesen Anforderungen flexibel anpassen lässt und skalierbar ist.

Unternehmen starten möglicherweise mit der Mobilisierung nur eines Bereichs mit einer überschaubaren Anzahl von Geräten und einem definierbaren Leistungsumfang. Weitere Bereiche und Abteilungen verlangen ebenfalls die IT-Mobilisierung mit komplexeren Aufgabenstellungen. Diese Entwicklung muss eine Lösung unterstützen können.

Inwiefern treffen Sie das in Marketingbroschüren vielzitierte „Bring your own Device“ (BYOD) in der Praxis wirklich an? Wie bewerten Sie die Verbreitung von BYOD in den verschiedenen europäischen Ländern?
Bausch:
BYOD ist Realität in Unternehmen. Mitarbeiter haben im privaten Umfeld vielfach bereits ein Smartphone oder Tablet im Einsatz, mit dem sie beispielsweise auch mobil mit sozialen Netzwerken wie Facebook verbunden sein können oder ihre privaten Mails von überall abrufen können. Da liegt es nahe, diese Geräte auch für berufliche Zwecke zu nutzen.

Neben den technischen Herausforderungen sind sicherlich die juristischen Herausforderungen wesentlich höher zu bewerten. Insbesondere in Deutschland gibt es keine klaren Richtlinien für die Nutzung privater Geräte im Unternehmen. In den meisten Fällen helfen individuelle Betriebsvereinbarungen darüber hinweg. In anderen Ländern mit anderen Rechtsystemen, beispielsweise USA oder UK, ist das BYOD-Konzept leichter umzusetzen.

Wie geht Ihr Unternehmen den deutschen Markt an? Welche Partnerschaften bestehen, welche streben Sie an?
Bausch:
Unsere Lösung MobiDM wird ausschließlich über den Partnerkanal vertrieben. Dabei nutzen unsere Partner die Möglichkeit, unsere Software als ihre eigene Lösung mit ihrem eigenen Branding zu positionieren. Beispielsweise bietet T-Systems MobiDM unter dem Namen MoDM an und MPC offeriert den Service als mobileDM an. Wichtig ist, dass wir Partner finden, die unsere Lösung als eine sinnvolle Ergänzung zu ihrem Produktportfolio sehen. Unser Wachstum in Deutschland werden wir durch die Unterstützung unserer jetzigen Partner, aber auch durch die Gewinnung weiterer Partner erreichen. Dabei suchen wir Partner in verschiedenen Bereichen des Marktes: ITK-Serviceanbieter, SAP-Partner und Telekom-Vermarktungspartner etwa.

Sie setzen auf die Bereitstellung über die Cloud. Was spricht für dieses Modell?
Bausch:
Die mobile Platform as a Service (mPaaS) kann als Public- oder Private-Cloud-Lösung eingesetzt werden. Es gibt viele Vorteile einer Cloud-Lösung: So ist sie sofort einsatzbereit, da Unternehmen keine eigene Infrastruktur aufbauen müssen. Einmalinvestitionen und sonstige Projektkosten entfallen. Zudem zahlen Unternehmen nur für die tatsächliche Nutzung des Systems, wobei der Serviceanbieter sicherstellt, dass immer die neueste Technologie unterstützt wird. Teure Updates auf Inhousesystemen entfallen. Dadurch sind gerade in diesem Markt mit häufigen Veränderungen Cloud-Lösungen attraktiv. Darüber hinaus sind Cloud-Lösungen linear skalierbar. Sie erlauben ein White-Labelling für Partner, aber auch für Unternehmen und sind mit kalkulierbaren Kosten für die Anwender zu betreiben.

Auf Basis unserer intelligenten Middleware bietet Veliq Managed Mobility Funktionalität aus der Cloud inklusive marktführender Technologie, wie Afaria von SAP.

Welche mobilen Betriebssysteme können Sie einbinden?
Bausch:
Wir konzentrieren uns auf die Bedürfnisse unserer Kunden. Gegenwärtig unterstützen wir iOS, Android, Windows Mobile, WindowsPhone/RT und Blackberry.

Wie sehen Sie die Entwicklung im Mobilsegment insgesamt? Können Windows 8, Blackberry 10 oder gar Firefox OS die arrivierten Systeme iOS und Android gefährden? Apropos: Inwieweit ist Android in Ihren Augen eigentlich businesstauglich?
Bausch:
Der Markt ist groß genug, um verschiedene mobile Betriebssystem zu beherbergen. Anders als im Desktopmarkt, den Windows über mehr als zwei Jahrzehnte dominierte, wird es diese Vorherrschaft im Mobility-Markt in meinen Augen nicht geben.

Derzeit sehen wir viele iOS-Geräte in den Unternehmen, die die ursprünglich führende mobile Enterpriseplattform von Blackberry ersetzen. Folgt man den Abverkaufszahlen, so verzeichnen Android-Geräte ein enormes Wachstum, aber es gibt immer wieder Sicherheitsbedenken. Daran arbeiten Hersteller wie Samsung z.B. mit dem Knox-Program.

Auch Windows Phone 8 hat gute Chancen, ein Erfolg zu werden. Ich bin mir sicher, dass auch diese Plattform mehr und mehr den Markt erobern wird. Der Erfolg einer Plattform im Enterprisemarkt wird sicherlich davon abhängen, ob die Sicherheitsbedürfnisse von Unternehmen erfüllt werden und ob sich diese Plattformen in die Unternehmens-IT integrieren lassen. Auch die Verfügbarkeit von Businessapplikationen auf einer Plattform wird eine entscheidende Rolle spielen.

Eine private Frage zum Schluss: Wie oft in der Woche machen Sie Ihr Smartphone aus?
Bausch:
Nicht oft … Nur wenn die Batterie leergelaufen ist.

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