Neue Microsoft-Strategie

Mehr Cloud, mehr Mobility – was sonst?

Visionär geht anders. Mit seinen Überlegungen spricht Microsoft-CEO Satya Nadella IT-Binsenweisheiten aus: Ohne Cloud und Mobility geht nichts mehr.

"Erkenne die Lage. Rechne mit deinen Defekten." Ein Strategem von Gottfried Benn, das gut auf Microsoft passt

„Mobile first, Cloud first“. Wäre das vorstellbar: Microsoft-CEO Satya Nadella redet nicht davon? Kaum, denn bei dem Kürzel handelt es nicht um eine Strategie, sondern um eine knappe Beschreibung der Wirklichkeit in der IT-Branche.

Innerhalb weniger Jahre hat sich der Computer vom sesshaften Schreibtischbewohner zum mobilen Alltagsbegleiter verwandelt. Lokale Software, die mittels CD auf einen Computer geschaufelt wird, verliert an Bedeutung. Entscheidend sind Mobilgeräte und Clouddienste.

„Erkenne die Lage“

Die Services aus der Wolke zeigen ihren Nutzen sogar auf dem Desktop: Sie sind kostengünstig, wenn nicht kostenlos. Sie bieten genau die wirklich notwendigen Funktionen und wirken dadurch flott und schlank. Sie verhindern Medienbrüche, da sie nahtlos auf allen Betriebssystemen und Computertypen eingesetzt  werden können - sogar unter Linux oder auf einem der eher exotischen Android-Thin-Clients.

Es ist also höchste Zeit für Microsoft, die Lage zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Natürlich ist das bereits längst geschehen, Windows Phone und die Nokia-Geräte sind bislang wenig erfolgreiche Versuch, mit der neuen Situation klar zu kommen. „Mobile first“ ist also dringend notwendig.

„Cloud first“ ist dagegen für Microsoft eigentlich schon ein alter Hut. Auch ohne großes strategisches Bohai hat Satya Nadella in seiner Zeit als Cloud-Chef eigentlich alles richtig gemacht und Microsoft in diesem Markt als starken Mitspieler etabliert.

Die große Frage ist also, warum Nadella so eine wortreiche Epistel mit Selbstverständlichkeiten an die gut 127.000 Microsoft-Mitarbeiter geschickt hat. IT-Exeget Jean-Louis Gassée (Monday Note) hat dazu eine klare Meinung: Wer so verklausuliert redet, will etwas verbergen, vermutlich schmerzhafte Schnitte ins Konzernfleisch.

„Rechne mit deinen Defekten“

Kevin Kelleher wird auf Pando Daily noch deutlicher: Das wird blutig. Warum es so kommen könnte, zeigt Dan Frommer in zwei Diagrammen auf Quartz: Android läuft allen anderen Betriebssystemen davon und Windows stagniert - auf allen Geräteklassen.

Doch was bedeutet das für die Zukunft? Windows wird in seiner Bedeutung sinken. Es wird zwar vermutlich auch in Zukunft noch die Schreibtische der Angestellten und der professionellen Wissensarbeiter bestimmen, aber zu einem weniger wichtigen Enterprise-Produkt von Microsoft werden.

Im Vordergrund dürften in Zukunft einerseits Infrastrukturdienste wie Azure und andererseits Produktivitätsdienste wie Office 365 stehen. Entscheidend für den Erfolg solcher Services ist auf jeden Fall die Eignung für Mobilgeräte.

Es ist aber vermutlich nicht so wichtig, ob die Plattformen ebenfalls aus dem Hause Microsoft kommen. Dafür spricht die hohe Bedeutung, die Nadella Office 365 für iPads und Android-Tablets beimisst. Eine mögliche Entwicklung von Microsoft wäre „Office everywhere, Azure below“.

Bildquelle: Microsoft

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