Ivo Körner, IBM Deutschland

Mehr Mobilität ist gut für das Geschäft

Kürzlich präsentierte der Branchenriese IBM erstmals seine ‚Mobile Foundation’. Damit verfolgt das Unternehmen das Ziel, den Anwendern die Nutzung mobiler Umgebungen mit einem weitreichenden Portfolio aus Software und Services zu erleichternc

Herr Körner, IBM hat eine „Mobile Foundation“ gegründet – mit welchem Ziel?
Ivo Körner: Der Bedarf von Unternehmen nach mobilen Lösungen wächst sehr stark, das zeigen unsere Marktforschungen deutlich. IBM schätzt das Marktvolumen derzeit auf rund 22 Mrd. US-Dollar. Bis 2015 wird es auf bis zu 36 Mrd. US-Dollar anwachsen. Unternehmen haben erkannt, dass mehr Mobilität gut für das Geschäft sein kann, sei es um Kunden zu erreichen oder die Zusammenarbeit zu verbessern.

In einer IBM-Umfrage unter mehr als 700 CIOs gaben drei Viertel der Befragten an, dass sie einen mobilen Arbeitsplatz fördern, da dieser nachweislich die Produktivität der Mitarbeiter um 20 Prozent steigert. Diesem Bedarf kommen wir mit der IBM Mobile Foundation entgegen. Hier stellen wir die wichtigsten Kernbausteine für eine Mobile-Plattform in einem integrierten Paket zusammen – von der Anwendungsentwicklung über die Konnektivität bis hin zu Management-Funktionen, die all die verschiedenen Mobilgeräte und App-Typen unterstützen.

IBM ist – anders als im Desktop-Bereich – für viele Anwender nicht der erste Ansprechpartner in Sachen Mobility. An welchem Punkt setzen Sie an?
Körner: Vielleicht trifft es zu, dass Unternehmen nicht in erster Linie an IBM denken, wenn es um das Thema App-Entwicklung geht. Aber die Entwicklung ist nur ein Teil von Mobility im Unternehmen. Dazu zählen auch Punkte wie die Formulierung einer Mobile-Strategie, skalierbare Infrastrukturen, die Integration mit den Geschäftsanwendungen und die Sicherheit. Und das sind sehr wohl Themen, bei denen IBM sehr sichtbar ist.

Wir raten unseren Kunden zu einer umfassenden, strategischen Herangehensweise. Diese fängt nicht bei der App-Entwicklung an, sondern damit, dass ich mir vorher Gedanken mache, wie ich das Thema Mobile in meinem Unternehmen am Besten umsetze und betreibe, sprich eine Mobile-Strategie erarbeite. Dabei müssen viele verschiedene Themen berücksichtigt werden. Außer der App-Entwicklung zählen dazu auch die Konnektivität mit den Back-End-Systemen, das Management der Geräte und Apps sowie deren Sicherheit. Und nicht zuletzt geht es darum, wie man ausgehend von einer „Mobile Foundation“ weitere Unternehmensbereiche mobilisiert oder sich für die Zukunft neue Möglichkeiten via Mobile schafft.

„IBM WebSphere Cast Iron zur Anbindung von Cloud- und Backend-Systemen“ hört sich zunächst sehr technisch (und vielleicht abschreckend) an. Welche Anwenderunternehmen adressieren Sie?
Körner: Trends wie „Bring-your-own-Device“ und generell die wachsende Popularität von Smartphones oder Tablets machen das Thema Mobile prinzipiell für sehr viele Unternehmen relevant. Sie alle benötigen früher oder später ein leistungsfähiges, zuverlässiges technologisches Fundament für ihre Mobile-Aktivitäten. Das ist es, was wir mit unserer IBM Mobile Foundation anstreben, und IBM WebSphere Cast Iron ist neben IBM Worklight ein wesentlicher Baustein dieses Fundaments. Durch diese Software lassen sich Cloud-Anwendungen unterschiedlichster Unternehmen, wie z.B. von Salesforce, Amazon, NetSuite und ADP in Inhouse-Applikationen wie SAP und JD Edwards integrieren. Warum sollte das abschreckend sein?

Welche Kooperationen und Partnerschaften bestehen zu anderen Hardware- und Software-Anbietern?
Körner
: Wir arbeiten mit vielen wichtigen Anbietern sehr eng zusammen, weil wir ja gemeinsame Interessen haben – die nahtlose und sichere Integration von Geräten und Apps in eine Unternehmenslandschaft. Zu unseren Partnern zählen beispielsweise Firmen wie Motorola, Samsung und HTC. Daneben ist IBM in diversen Open-Source-Projekten aktiv, so zum Beispiel bei Apache Cordova (aus PhoneGap hervorgegangen) und dem Dojo Toolkit.

Wo greift Ihr Beratungsansatz? Wenden Sie sich auch an Unternehmen, die bislang keine IBM-Produkte einsetzen oder bislang nichts in Sachen Mobility unternommen haben?
Körner:
Ein sehr wichtiger Ansatzpunkt ist heute für viele Unternehmen die Frage: Wie manage ich meine wachsende Menge an Mobilgeräten sicher und effektiv. Grundsätzlich bieten wir einen ganzheitlichen Beratungsansatz für eine mobile Strategie. Das umfasst alle Themen rund um Mobile. Und da unsere Lösungen auf offenen Standards basieren, ist es ganz egal, ob der Kunde bereits auf IBM-Lösungen setzt oder nicht. Die Mobile Foundation ist daher für alle Kunden interessant.

Sie unterstützen iOS, Android und BlackBerry? Wen sehen Sie mittelfristig vorne, wo ordnen Sie Windows 8 ein?
Körner:
Zurzeit haben iOS und Android die Marktführung übernommen, sie nehmen mehr als 60 Prozent des mobilen Marktes ein. Das kann sich aber ändern, je nachdem, wie die neuen Geräte basierend auf BlackBerry und Windows 8 von den Benutzern angenommen werden.

Das Management der Vielzahl mobiler Geräte ist eine große Hürde auf dem Weg zu „Bring Your Own Device“. Inwieweit ist dieses Konzept überhaupt praktikabel?
Körner: Die Frage, ob der „Bring your own Device“-Trend praktikabel ist oder nicht, wird sich wahrscheinlich erst in Zukunft beantworten lassen. Jedenfalls gibt es mittlerweile Lösungen, mit denen sich die damit verbundenen Herausforderungen wie die zunehmende Komplexität oder Sicherheitsbedenken sehr gut meistern lassen. Der IBM Endpoint Manager for Mobile Devices deckt heute schon über 80 Prozent der von Kunden gewünschten Funktionalität ab und wird in seiner nächsten Version noch weitere Verbesserungen aufweisen.

Inwieweit stützen Sie die These, dass Anwender in die Cloud gehen müssen, um wirklich mobil sein zu können?
Körner:
Wenn Mobilität damit gleichgesetzt wird, dass ich von jedem Ort über diverse Geräte auf meine Daten zugreifen kann, ist eine Cloud als zentrale Datenquelle eine mögliche Option. Jedoch muss man sich dabei immer auch die Frage stellen, wer die Cloud betreibt und welche Sicherheitsstandards in Bezug auf die Daten eingehalten werden. So mag es vielleicht kein Problem sein, die privaten Fotos in eine „Public Cloud“ wie die iCloud zu stellen. Für geschäftsinterne Daten kann das jedoch ein gewaltiges Sicherheitsrisiko bedeuten.

Welche generellen Trends sehen Sie im Mobility-Segment in den kommenden Jahren?
Körner:
Das Interesse an mobilen Anwendungen wird auch in den nächsten Jahren weiter wachsen. Dabei werden die Anwendungen ähnlich wie bei der Web-Entwicklung von reinen Anzeige-Anwendungen zu Anwendungen ausgebaut, die immer besser in die Kundenlandschaft integriert sind. Diese können dann als Vertriebskanal oder als effektives Werkzeug für Mitarbeiter die Geschäfte und Prozesse eines Unternehmens wirkungsvoll unterstützen. Außerdem wird die Zahl der Application-Stores in und für Unternehmen deutlich steigen. Auch wird es noch mehr verschiedene Geräte geben, was eine plattform-unabhängige Anwendungsentwicklung wichtiger macht. Daneben wird das Thema Security einen viel höheren Stellenwert erhalten.

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok