SMS-Warnkampagnen

Messaging-Plattform rettet Leben

Interview mit Tony Jamous, CEO des Kommunikationsanbieters Nexmo, über die Möglichkeiten, aber auch Risiken von SMS-Warnkampagnen bei Umweltkatastrophen

Tony Jamous, Nexmo

Tony Jamous, CEO des Kommunikationsanbieters Nexmo

Herr Jamous, in Gebieten, die von Naturkatastrophen heimgesucht werden, kann eine Messaging-Plattform Leben retten. Wie ist das möglich?
Tony Jamous:
Mit einer Messaging-Plattform kann man die betroffenen Menschen vor einer drohenden Katastrophe warnen und ihnen Verhaltensanweisungen vor, während und nach dem Ereignis senden. Das geschieht über SMS- oder Sprachnachrichten, die wichtige, zeitkritische Hinweise für eine bestimmte Bevölkerungsgruppe oder die gesamte Bevölkerung eines Landes oder eines Gebiets enthalten.

Bei einer Naturkatastrophe wie etwa einem Taifun kann man Evakuierungsaufrufe und Nachrichten versenden, mit denen die Flüchtenden in sichere Gebiete geleitet werden. Ist die Katastrophe eingetreten, lassen sich per SMS- oder Sprachnachricht wichtige Informationen zur Lage von Notfallzentren, zum Aufenthaltsort von Angehörigen, zum Zeitpunkt, an dem die Menschen wieder gefahrlos nach Hause zurückkehren können, und zur Anforderung von Hilfsleistungen verbreiten.

Bei Erdbeben oder Überschwemmungen fällt häufig der Strom aus – in diesem Fall ist auf Fernsehen und Radio kein Verlass, wenn man dringende Meldungen veröffentlichen möchte. Da es aber mittlerweile in jedem Winkel der Welt Mobiltelefone gibt, kann man auch die entlegensten und ärmsten Gebiete zuverlässig erreichen. Mit Sprachnachrichten kommen diese Meldungen sogar bei Analphabeten an.

Mit welchen Schwierigkeiten hat man bei der Implementierung einer Warnmeldekampagne via SMS zu kämpfen?
Jamous:
Jeden einzelnen Teilnehmer in sämtlichen Netzen Deutschlands zu erreichen, ist eine komplexe Aufgabe. Noch komplizierter wird es, wenn man eine große Nachrichtenmenge in kurzer Zeit verschicken und gleichzeitig sicherstellen will, dass keine Nachricht unterwegs verlorengeht. Jeder Netzbetreiber hat eine bestimmte Netzkapazität, und diese Kapazität ist begrenzt – es sei denn, man hat die Infrastruktur im Vorfeld gut auf solche Belastungen vorbereitet. Engpässe, die durch diese begrenzten Kapazitäten entstehen, können eine Kampagne für einen großen Teil der Zielempfänger wertlos machen.

Wie gelangen die Nachrichten über eine Messaging-Plattform an ihr Ziel, beispielsweise auf das Handy der Menschen, die gewarnt werden sollen? Ist zuvor eine Registrierung notwendig?
Jamous:
Unsere Cloud-API (Application Programming Interface) muss nur in die Messaging-Plattform integriert werden. Wir machen den Rest. Wir nutzen die seit Jahren bestehende Telefonnummerninfrastruktur. Die meisten Leute haben eine, vielleicht sogar zwei Nummern, die sie regelmäßig nutzen. Da wir die vorhandenen Telefonnummern verwenden, ist keine Vorabregistrierung notwendig. Die meisten Regierungen und Hilfsorganisationen haben entweder eigene Datenbanken oder bekommen von den Behörden Zugriff auf diese Datenbanken.

Wie hoch sind die Kosten für das Versenden dieser Warnmeldungen?
Jamous:
Für Deutschland betragen die Kosten pro SMS mindestens 0,013 Euro und maximal 0,05 Euro, je nach Netz. Das ist sehr wenig, um ein Leben zu retten. Die Kosten können deshalb so niedrig gehalten werden, weil wir mit den Netzbetreibern direkt zusammenarbeiten. Für jede SMS wird der effizienteste Übermittlungsweg gefunden und somit werden überflüssige Kosten eingespart. Unsere proprietäre Adaptiverouting-Technologie analysiert den Datenverkehr automatisch und in Echtzeit, um die Nachrichten bei Bedarf umzuleiten.

Wie gehen Sie mit einem Fehlalarm um?
Jamous:
Unsere Kunden führen ihre Kampagnen selbst durch. Deshalb verlassen wir uns darauf, dass wirklich ein Notfall vorliegt. Wir arbeiten nur mit seriösen Organisationen zusammen, sonst könnten unsere Tools ja für den Versand von Spam missbraucht werden. Das wäre nicht nur schlechter Kundenservice, es würde auch unsere Beziehung zu den örtlichen Netzbetreibern gefährden.

Welche konkreten Einsatzszenarien könnten Sie sich in Deutschland vorstellen?
Jamous:
Katastrophen passieren dann, wenn man sie am wenigsten erwartet. Glücklicherweise hat unsere Technologie einen Punkt erreicht, an dem wir sie beliebig auf das zuschneiden können, was der Kunde braucht. Das können Warnungen vor schweren Regenfällen im Rahmen eines Frühwarnsystems für Überschwemmungen sein, aber auch Meldungen, die nach einem Brand verschickt werden.

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok