Tablet-Markt

Microsoft hat die Anwender

Die Microsoft-Strategie im Tablet-Segment ist im Grunde wenig rätselhaft: Das Unternehmen kennt seine Anwender und gibt ihnen etwas Passendes.

Das Surface, ein Business-Tablet von Microsoft

Der Tablet-Markt bleibt von heftigen Umschwüngen gekennzeichnet. An einem Tag meldet Microsoft sein Debut als Tablet-Hersteller und am nächsten kündigt LG an, künftig keine Android-Tablets mehr herzustellen. Die Entscheidung dürfte einen ähnlichen Hintergrund haben wie kürzlich der Verzicht von Cisco auf sein Tablet: Zu geringe Verkaufszahlen.

Auf den ersten Blick ist das erstaunlich, bescheinigt Opens external link in new windowGartner doch dem Tablet-Markt ein geradezu irrsinniges Wachstum: Verdoppelung der Verkaufszahlen bis Ende des Jahres. Allerdings geht dieses Wachstum zu rund 60 Prozent auf das Konto des iPads. Zwar sinkt dessen Marktanteil langsam, doch so richtig erfolgreich sind Android-Tablets nicht. Denn auch hinter dem Wachstum der Androiden steckt ein Gerät mit Sonderrolle: Amazons Billigtablet Kindle Fire hat es Ende 2011 auf etwa 14 Prozent Weltmarktanteil gebracht.

Business-Tablets für Unternehmen

Eine Sonderrolle hat das Fire, weil es eine veränderte und nicht mehr offene Version von Android benutzt. Es ist somit ein eigenes Ökosystem, das am besten als Lese-, Hör- und Guckmaschine für Amazon funktioniert. Das es sich so gut verkauft, liegt sicher am Preis, aber auch an der Zielgruppe der Vergnügungssüchtigen.

Doch damit ist der Markt noch lange nicht aufgeteilt. Es gibt neben dem Hipster, der alle Apple-Geräte als Vanity-Pflichtkauf betrachtet und dem Hedonisten, der am liebsten viel Spaß für wenig Geld hat, noch genügend Käufertypen. Zum Beispiel den Mitarbeiter eines mittleren bis größeren Unternehmens, der ein sicheres und ins Business integriertes Tablet bekommen soll.

Zwar ist das iPad in Unternehmen beliebt, doch die meisten IT-Abteilungen bieten es nur zähneknirschend an. Noch schlimmer steht es um "Bring Your Own Device": Das machen zwar alle, die meisten aber in der Grauzone, in der sich auch mal unverschlüsselte Strategiepräsentationen im Public-Bereich der Dropbox finden.

Und genau dies dürfte ein wichtiger Grund für "Microsoft Surface" sein. Ein gut zum verbreiteten Standard (Windows, Office, Exchange und womöglich Windows Server) passendes Tablet fehlt im Markt. Windows 8 hat mit Metro ein viel gelobtes Bedienkonzept für Tablets. Es unterscheidet sich deutlich von iOS und seinem Interface-Zwilling Android.

Gleichzeitig bietet es zumindest in der x86-Variante die üblichen Management-Schnittstellen, um die Herzen der CIOs und Admins zu gewinnen. Als Hybrid-System mit Tablet und Volltastatur ist das Surface ein vollwertiges Arbeitsgerät. Das iPad ist in der Praxis eher ein schicker Präsentator und ein praktisches Mediengerät als ein ernsthaftes Produktiv-Tool. Metro plus Office plus Keyboard könnte als Gleichung aufgehen.

Die Chance von Microsoft

Ein Element fehlt noch: Die Anwender. Vermutlich hat auch Microsoft begriffen, dass Windows 7 bis auf Weiteres das ultimative Desktop-Betriebssystem bleiben wird. Schließlich hat ein Großteil der Unternehmen gerade erst dieses System ausgerollt - oder plant sogar noch den Rollout.

Doch via Windows, Exchange, Sharepoint & Co. kennt Microsoft seine Business-User - im übertragenen, aber auch im Wortsinne. Die bei Microsoft registrierten Lizenzen dürften ein gutes Tool für das Verkaufen von Business-Tablets sein. Deshalb muss Microsoft den Nachfolger zunächst einmal selbst verbreiten.

Und das heißt auch: Der Software-Riese muss selbst ein Tablet anbieten, um seine Chance im Tablet-Markt zu nutzen. Nur so kann Microsoft den Erfolg der Tablets wenigstens einigermaßen selbst bestimmen - bei der xBox war diese Strategie schon extrem erfolgreich.

Microsoft ist nun in diesem Segment weniger abhängig von OEM-Herstellern, die auch nicht immer so besonders kompatibel produzieren. Es heißt aber auch: Microsoft steht jetzt in Konkurrenz mit ehemaligen Partnern, die das sicher nicht so einfach abnicken werden - Android ist als Alternative nur eine Ecke entfernt.
Das Fazit: Microsoft will (und muss) im Tablet-Markt erfolgreich sein und nutzt dafür ein Prinzip, das bereits Apple zum Erfolg verholfen hat: Mein OS, meine Hardware, meine Kunden, mein Gewinn.

Bildquelle: Opens external link in new windowMicrosoft

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