06.04.2017 Der aktuelle Techno-Hype

Milliarden für Künstliche Intelligenz

Von: Ingo Steinhaus

Ist das schon eine Blase? Die Investitionen in KI wachsen und wachsen, teils in den Milliardenbereich.

Der Hype wird immer wilder und die Investoren überschlagen sich: Die KI-Plattform Kensho hat in der zweiten Finanzierungsrunde 50 Millionen Dollar eingesammelt und wird jetzt mit einer halben Milliarde bewertet. Samsung hat 215 Millionen Dollar für das KI-Startup Viv bezahlt und Ford will in den nächsten fünf Jahren eine Milliarde Dollar in das Startup Argo AI investieren.

Alle wollen Künstliche Intelligenz

Spötter empfehlen schon, ein AI im Namen zu führen oder zumindest im Pitch die Begriffe „Artificial Intelligence“, „Chatbot“ und „Deep Learning“ fallen zu lassen, dann sitzt das Risikokapital besonders locker. Auch die Wahrscheinlichkeit, von einem der großen Player wie Google, Intel oder Apple aufgekauft zu werden, steigt deutlich. Seit 2012 haben diese Unternehmen mehr als 200 KI-Startups aufgekauft. Alleine im ersten Quartal dieses Jahres wechselten 30 KI-Firmen den Besitzer. Das treibt die Preise, so dass Summen wie bei Ford entstehen.

Zum Vergleich: 2014 erwarb Google DeepMind Technologies und setzte sich damit an die Spitze der KI-Anwendungen. Das bereits damals erfolgreiche und für seine Deep-Learning-Anwendungen bekannte Unternehmen kostete 600 Millionen Dollar. Das war schon mitten im Hype, doch erst 2015 begann der aktuelle Boom. CBInsights verzeichnete für 2016 Investitionen von über 5 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 61 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Alle wollen KI, entweder als Investor oder als Unternehmen, dass ein Produkt damit aufwerten will. Dabei entsteht langsam ein Problem, dass für technologische Hypes typisch ist: Die Fachkräfte werden knapp, etwa für die Entwicklung mobiler KI-Apps. Laut dem „Mobile App Development Report“ von ContractIQ hat jeder zweite befragte Entwickler Anfragen zur Programmierung von Chatbots und anderen KI-Anwendungen erhalten. Das Problem dabei: Nur ungefähr 15 Prozent der Entwickler hatten das Knowhow, um diese Aufträge auch auszuführen. Hier ist Lernen gefordert. Dementsprechend ist die Zahl der KI-Tutorials und -Einführungskurse für Entwickler explodiert.

Das aktuell vor allem Chatbots in Marketing und Vertrieb gefragt sind, hat zwei wichtige Gründe. Zunächst einmal ist die Technologie für die Verarbeitung natürlicher Sprache in Schrift und Ton relativ weit fortgeschritten. Zweitens suchen Unternehmen zunächst Pilotanwendungen, die sich ohne extremen Aufwand umsetzen lassen. Franz Buchenberger, CEO des WhatsApp-Marketing-Spezialisten WhatsBroadcast, hat in einem Interview betont, dass Chatbots schon sehr bald zu einem wichtigen Element in mobilen Anwendungen werden und langfristig sogar einige Arten von Apps ersetzen werden.

Viele Unternehmen experimentieren noch

KI wird die Märkte auch in anderen Bereichen erobern. Doch im ersten Schritt geht es darum, die Algorithmen und Anwendungen zu verbessern. Nicht zuletzt deshalb geht ein gutes Drittel der Gesamtinvestitionen in KI auf das Konto von Softwareanbietern und IT-Dienstleistern, wie ein Marktbericht von O‘Reilly ermittelt hat. Internet und Telekommunikationsunternehmen sind für knapp 13 Prozent der Investitionen verantwortlich und der Rest kommt von Unternehmen aus praktisch allen Branchen.

Ein weiteres Ergebnis der Analyse: Größter Treiber der Investitionen sind Einsatzszenarien im Bereich Security, wo es um die Auswertung von Daten und die Erkennung von Sicherheitsvorfällen geht. Mehr als ein Fünftel der Investitionen geht in diesen Bereich. Knapp dahinter liegt mit zehn Prozent der Gesundheitsmarkt. Darauf folgen dann Industrieproduktion sowie Marketing und Vertrieb.

Interessant sind auch die Angaben zum Reifegrad des KI-Einsatzes in den etwa 1500 analysierten Unternehmen. Die absolute Mehrheit sind Laborprojekte, knapp 970 Unternehmen sind in diesem Stadium. Etwas weniger als 500 Unternehmen entwickelt noch und lediglich in 87 Unternehmen gibt es vorzeigbare KI-Anwendungen und das Thema ist Teil der Unternehmensstrategie.

Zwar ist die Studie schon mehr als ein halbes Jahr alt, trotzdem werden viele Unternehmen noch nicht viel weiter sein. Denn die Existenz eines KI-Projekts bedeutet noch nicht, dass hier auch tatsächlich funktionierende Anwendungen und praktikable Einsatzszenarien entstehen. Aber Durchbrüche sind auf jeden Fall in den nächsten Jahren zu erwarten, denn in der Gruppe der KI-Anwender finden sich so gut wie alle wichtigen, großen und erfolgreichen Unternehmen der US-Wirtschaft. Es bleibt also spannend.

Bildquelle: Thinkstock

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