24.04.2015 Connected Service

Mit dem Navigationsgerät unterwegs

Von: Lea Sommerhäuser

Im Interview meint Tom Henkel, PR Manager DACH von Tomtom, dass es heute und in Zukunft darum geht, möglichst ökonomisch ans Ziel zu kommen – und das sicher und flexibel. Die Vernetzung von Geräten und Fahrzeugen (Internet of Things, IoT) spiele dabei eine Schlüsselrolle.

Tom Henkel, Tomtom

„Ein mobiles Navigationsgerät kann man auch einmal problemlos einem Kollegen oder Freund leihen. Das eigene Smartphone würde man hingegen wohl nicht verleihen“, so Tom Henkel, PR Manager DACH von Tomtom.

Herr Henkel, welche (neuen) Funktionalitäten halten Navigationsgeräte 2015 bereit?
Tom Henkel:
In den Anfängen der Navigationsgeräte ging es noch darum, irgendwie von A nach B zu kommen. Heute und in Zukunft geht es darum, möglichst ökonomisch ans Ziel zu kommen – und das sicher und flexibel. Die Vernetzung von Geräten und Fahrzeugen spielt dabei eine Schlüsselrolle. Schon heute bietet Tomtom mit seinen Echtzeitverkehrsinfos Tomtom Traffic das Paradebeispiel für einen „Connected Service“, der auf Basis von cloud-basierter M2M-Kommunikation einen Dienst anbietet, der Autofahrer schneller, kostengünstiger und sicherer ans Ziel bringt.

Welche Kriterien müssen die Geräte vor allem für Geschäftsanwender erfüllen?
Henkel:
Die Anforderungen variieren von Branche zu Branche. Aber ganz grundsätzlich lässt sich festhalten, dass Navigationslösungen (auch) für Geschäftskunden einfach zu bedienen sein müssen (damit sie von den Mitarbeitern akzeptiert werden), zuverlässig funktionieren (damit sie auch wirklich zu einer Entlastung im Alltag werden) und einen echten und erkennbaren Mehrwert bieten. Bei Geschäftsanwendern ist darüber hinaus vor allem die sogenannte Estimated Time of Arrival beliebt. Die voraussichtliche Ankunftszeit ist extrem hilfreich bei der Planung von Terminen, ermöglicht sie doch, Gesprächspartner über etwaige Verspätungen frühzeitig in Kenntnis zu setzen.

Mittlerweile greifen auch viele auf ihr Smartphone als Navi zurück. Worin sehen Sie die Vor- und Nachteile im Vergleich zur Nutzung herkömmlicher Navigationsgeräte?
Henkel:
Die Größe eines Smartphones ist Vor- und Nachteil zugleich: Aufgrund seiner Größe hat man es stets zur Hand, für eine gute und gesetzeskonforme Anbringung im Auto sowie eine komfortable Bedienung sind Smartphones aber in der Regel zu klein. Zudem ist der Lautsprecher eines Smartphones für die Geräuschkulisse in einem Fahrzeug oft zu leise. Navigationsgeräte sind dafür ausgelegt, auch in lauteren Fahrzeugumgebungen noch verständliche Fahransagen zu geben. Wir stellen zudem einen Trend zu größeren Displays mit Größen von 13 bzw. 15 cm fest. Ein weiterer Vorteil eines tragbaren Navigationsgeräts: Es kann „nur“ navigieren – dafür sind aber Hardware, Software und User Interface speziell auf diese Funktion ausgerichtet. Und ein mobiles Navigationsgerät kann man auch einmal problemlos einem Kollegen oder Freund leihen. Das eigene Smartphone würde man hingegen wohl nicht verleihen.

Inwiefern beeinflussen „Smartphone-Navis“ den Markt für traditionelle Navigationsgeräte?
Henkel:
Das hängt sehr vom Nutzungsverhalten ab: Gelegenheitsnutzer greifen gerne zu App-Lösungen auf dem Smartphone. Wer aber regelmäßig auf eine ausgereifte, komfortable und sichere Navigationslösung angewiesen ist, greift bevorzugt zu einer „Standalone“-Lösung, entweder in Form einer tragbaren Navigationslösung oder eines Festeinbaus im Auto. Aus Sicht des Unternehmens sind Smartphones eine weitere, sehr weit verbreitete Plattform, auf der sowohl Anwendungen als auch Karten und Dienste angeboten werden können. Die Zahl der Menschen, die so mit dem Thema „Navigation“ in Kontakt kommt, steigt dank der Smartphones rasant und macht Navigation zu einem alltäglichen und allgegenwärtigen Angebot. Zudem beliefert unser Geschäftsbereich Karten mittlerweile auch Smartphone-Hersteller wie Apple mit Kartenmaterial.

Wie gehen die Navigationsgerätehersteller mit dieser Entwicklung um? Wie reagieren sie?
Henkel:
Smartphones haben das Verständnis von Navigation und den Umgang mit Navigationslösungen grundlegend verändert, sie selbstverständlich und allgegenwärtig gemacht. Für uns als GPS-Spezialisten stellen Smartphones deswegen vor allem eine Erweiterung der Zielgruppe dar, sowohl bei den Endkunden als auch den Geschäftskunden. Für die Navigation auf Smartphones werden Anwendungen, Karten, Dienste, verschiedene Inhalte und vieles mehr benötigt. Das sind alles Produkte, die wir selbst herstellen und vertreiben. Schon heute sind zahlreiche Mobilfunkanbieter und Hersteller von Smartphones unsere Kunde, z.B. Apple, Vodafone, RIM, HTC, Acer oder Samsung. Aber auch App-Hersteller wie Sygic lizensieren Produkte und Dienste von uns für ihre eigenen Produkte. Und natürlich bieten wir auch selbst Navigations-Apps für mobile Geräte an.

Welche Branchen werden auch zukünftig auf traditionelle Navigationsgeräte angewiesen sein? Können Sie uns konkrete Praxisbeispiele skizzieren?
Henkel:
Vereinfacht gesagt: jede Branche, in der sich Menschen mit Fahrzeugen im Straßenverkehr bewegen müssen. Denn Staus und Verkehrsbehinderungen sind dynamische, nur sehr schwer vorhersagbare Phänomene, bei deren Management moderne Navigationssysteme aufgrund ihrer Vernetzung eine Schlüsselrolle spielen. Darüber hinaus bieten Navigationsgeräte aber noch weit mehr Chancen für Unternehmen, effizienter zu arbeiten und so wettbewerbsfähiger zu sein. Tomtom Telematics, unsere Business-Unit, die sich auf Flottenmanagement und -lösungen spezialisiert hat, bietet hier je nach Branche verschiedene Beispiele etwa im Transport- und Fernverkehr, bei Service und Wartung, im Baugewerbe, bei Kurier-/Expressdiensten, im Personenverkehr, bei Versorgern oder im Gesundheitswesen und bei Notdiensten.

Wie gestaltet sich die Aktualisierung des Kartenmaterials? In welchen Zeitabständen gibt es Updates und woher kommen die Informationen?
Henkel:
Aktuelle Karten sind eine der Grundvoraussetzungen, damit ein Navigationsgerät auch wirklich die schnellste und beste Route ans Ziel kennen und so einen echten Mehrwert für den Nutzer bieten kann. Deswegen haben wir alle unsere aktuellen Produkte mit so genannten Free Lifetime Maps ausgestattet. D.h. Endkunden können mindestens vier Karten pro Jahr über die Plattform Mydrive kostenlos herunterladen und installieren. Bei den Quellen zur Detektion von Änderungen im Kartenmaterial setzen wir auf einen Hybrid-Ansatz, der sowohl Daten von uns, Behörden und Ämtern als auch aus unserer Nutzer-Community Mapshare berücksichtigt und kombiniert. Ebenfalls einzigartig: Alle Änderungen, die in das Kartenmaterial übernommen werden, haben vorher einen Prüfungsprozess, elektronisch als auch physikalisch mit mobilen Mapping-Fahrzeugen, durchlaufen.

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