09.01.2017 Geocaching im Geschäftsalltag

Mit dem Smartphone auf GPS-Schatzsuche

Von: Lea Sommerhäuser

Oft sind es Filmdöschen oder andere kleine Behälter – gefüllt mit allerlei „Krimskrams“, manchmal einem Trackable, aber insbesondere mit einem Logbuch, in das sich die Finder eintragen können. Die Rede ist vom Geocaching, einer modernen Schatzsuche per GPS. Nur ein Kinderspiel? Keinesfalls! Die GPS-Schnitzeljagd findet gar Anwendung im Geschäftsbereich.

  • Viele Geocacher nutzen ihr Smartphone für die GPS-Schatzsuche.

  • Geocache im Wald

    Die Caches haben unterschiedliche Größen: Oft sind es Filmdöschen, manchmal können es auch größere Kisten sein.

  • Geocaching mit GPS-Gerät

    GPS-Geräte eignen sich besonders gut fürs Geocachen, da sie robust sind und ihre Akkus länger halten.

Am 3. Mai 2000 vergrub Dave Ulmer in der Nähe der Stadt Portland im US-Bundesstaat Oregon einen schwarzen Plastikeimer mit ein paar kleinen „Schätzen“. Die Koordinaten des Verstecks veröffentlichte er in der Newsgroup sci.geo.satellite.nav mit den Worten „Well, I did it, created the first stash hunt stash and here are the coordinates: N 45 17.460 W122 24.800. Lots of goodies for the finders. Look for a black plastic bucket buried most of the way in the ground. Take some stuff, leave some stuff! Record it all in the log book. Have Fun! Stash contians: Delorme Topo USA software, videos, books, food, money, and a slingshot!“ Innerhalb eines Tages nach der Veröffentlichung wurde der sogenannte Stash, zu Deutsch „Geheimversteck“ oder „geheimes Lager“, gefunden. Damit war wohl der Grundstein gelegt für die Schatzsuche per GPS-Koordinaten.

Nun, fast 17 Jahre später, soll es weltweit über 2,6 Millionen aktive Geocaches geben. Das größte Verzeichnis ist auf Geocaching.com zu finden. Wer sich hier registriert, kann sich sämtliche „Verstecke“ auf einer Landkarte anzeigen lassen, aber auch selbst zum „Owner“ werden und einen eigenen Cache für andere verstecken. In absoluten Zahlen ist Deutschland aktuell das Land mit der höchsten Geocache-Anzahl nach den USA.

Ausrüstung ist das A und O


Wer auf Schatzsuche gehen möchte, benötigt auf jeden Fall ein Gerät mit GPS-Empfänger. Die Verwendung topografischer Karten kann dabei die Orientierung im Gelände erleichtern. Auch Notebooks, PDAs und mobile Navigationssysteme mit integriertem oder externem GPS-Empfänger können zum Geocaching verwendet werden. Viele nutzen einfach ihr Smartphone, das sie mit einer entsprechenden App bestücken – etwa mit der Open-Source-Lösung c:geo auf Android-Basis, die Geocaching.com unterstützt. Ein Nachteil der Mobiltelefone im Vergleich zu den robusteren GPS-Geräten ist allerdings die oftmals geringe Akkulaufzeit. Wer also eine längere Geocaching-Tour plant, sollte vorher immer gut den Handy-Akku aufladen.

Die Caches sind in der Regel wasserdichte Behälter von unterschiedlicher Größe: Nano (oft nur daumennagelgroß), Micro/Mini (z.B. Filmdose), Small, Regular/Medium (z.B. Butterbrotsdose) sowie Large (z.B. größere Kiste). In jedem Behälter findet man ein sogenanntes Logbuch (oder manchmal aus Platzgründen auch nur einen zusammengefalteten/-gerollten Zettel), in das sich die Finder mit Namen und Datum eintragen können. Größere Behälter bieten zugleich Platz für allerlei „Krimskrams“ oder Trackables wie Travel-Bugs oder Geocoins. Wer einen der Tauschgegenstände herausnimmt, muss eine eigene, mindestens ebenso wertige Kleinigkeit für die nachfolgenden Schatzfinder hinzufügen. So lautet die Regel. Die Trackables werden hingegen von Cache zu Cache mitgenommen, was online vermerkt werden muss. So kann der Besitzer eines Trackables stets nachvollziehen, welche Reise seine Bugs oder Coins auf sich nehmen.

Vorsicht vor den Muggels!


Da sich die Verstecke nicht immer nur an einsamen Stellen in der Natur, sondern oftmals auch an öffentlichen Plätzen oder Touristenattraktionen mitten in der Stadt befinden, ist bei der Suche Vorsicht geboten. Denn die Nicht-Wissenden und Unbeteiligten, von den Cachern „Muggels“ genannt, sollten natürlich nichts von den Verstecken mitbekommen. Doch unauffällig zu bleiben, ist beim Geocaching oft gar nicht so einfach. Schließlich muss man immer wieder auf sein Smartphone oder GPS-Gerät schauen, um sich via Global Positioning System (GPS) zum Schatz navigieren zu lassen. Da kann man auch schonmal mit einem Pokémon-Go-Spieler verwechselt werden.

Es gibt übrigens unterschiedliche Typen von Caches: Die häufigste Variante sind Traditional Caches, sprich einzelne Verstecke, die über direkt online veröffentlichte Koordinaten gefunden werden können. Darüber hinaus gibt es noch Typen wie Multi-Caches mit mehreren Stationen, knifflige Rätsel- bzw. Mystery-Caches, Nacht-Caches, bei denen oft mit Reflektoren gearbeitet wird, oder auch Event- und Challenge-Caches. Die Caches weisen unterschiedliche Schwierigkeitsgrade auf und so ist es nicht immer ein Kinderspiel, die Schätze zu finden. Da hat sich auch schon manch ein Erwachsener die Zähne ausgebissen, zumal die Koordinaten auch ungenau sein können.

Geocaching als Firmenevent und Marketing-Tool


Mittlerweile gibt es Anbieter wie Cacher-Reisen.de oder Daltus Reisen, die für Interessierte komplette Geocaching-Urlaube organisieren. Andere Anbieter ziehen Geocaching-Touren als professionelle Firmenevents auf. Daniel Pflieger hat z.B. sein Hobby „Geocaching“ zum Beruf gemacht und vor einigen Jahren die Firma Geheimpunkt gegründet. Hier organisiert er mit seinem Team individuelle Geocaching-Touren für Unternehmen – etwa als Betriebsausflug oder Weihnachtsfeier – und entwickelt in Auftrag „ganz besondere Caches“, die dann von den jeweiligen beauftragenden Firmen zur Kundenbindung und Markenstärkung eingesetzt werden können.

Letztlich dient Geocaching im Geschäftsbereich also nicht nur der Teambildung im Unternehmen und zur Auflockerung des eigenen Berufsalltags, sondern kann z.B. in Form eines „Kundenschatzes“ auch als reines Marketing-Instrument eingesetzt werden. Wie funktioniert das Ganze? Mit solch einem Kundenschatz werden spannende Fährten ausgelegt, die eine aktive, qualifizierte und neugierige Zielgruppe direkt zu ihrem und damit auch zum Ziel des Unternehmens führen. In der Schatzkiste könnten beispielsweise firmenbezogene Goodies, Coupons oder Gutscheine untergebracht werden. Wer von der Suche und dem Schatz begeistert ist, wird davon gerne im Familien-, Freundes- und Kollegenkreis berichten. Den Unternehmen sind somit virale Marketing-Effekte und Mund-zu-Mund-Propaganda sicher.

Bereits 2009 lancierte etwa der Outdoor-Spezialist Mammut in Zusammenarbeit mit Unic ein medienübergreifendes, interaktives Spiel – den sogenannten „Mammut Shoe Chase“. Bei dieser GPS-Schnitzeljagd galt es von Mammut-Fans weltweit in Gebirgen, an Felsen, auf Wanderrouten und in Städten versteckte Behältnisse mit Codes zu finden. Bei jedem Fund gab es Punkte, die am Ende zu einem „großen Schatz“ in Form von wertvollen Preisen führten. Ein besonders spektakulärer Cache war z.B. am Eiger versteckt. Der „Mammut Shoe Chase“ soll letztlich das Interesse und die Aufmerksamkeit für die Footwear auf markengerechte Weise gesteigert haben.

Die Risiken und Nebenwirkungen


Bei all dem ist allerdings zu bedenken, dass Geocaching auch Probleme und Risiken mit sich bringen kann, etwa wenn Routen durch Naturschutz- oder Sperrgebiete oder gar über fremde Grundstücke führen. Das muss grundsätzlich vermieden werden. Zudem könnten Geocaches wie „Munitionskisten“ oder „Vorrichtungen an einer Straßenlaterne“ von Unbeteiligten irrtümlich für eine Bedrohung gehalten werden. Ist alles schon vorgekommen! Nicht zuletzt können extreme und schwierige Geocache-Verstecke ein Sicherheitsrisiko für die Schatzsucher darstellen, vor allem diejenigen, die zur Selbstüberschätzung neigen.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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