Anlagenwartung leicht gemacht

Mit dem Tablet zur Inspektion

Mit einem rund fünfzigseitigen Anforderungskatalog startete Alstom vergangenes Jahr ein Mobility-Pilotprojekt für den Servicebereich. Das Ziel: die Effizienz der Serviceprojekte deutlich zu verbessern.

  • Selbst an unzugänglichen Stellen kann der Servicetechniker mittels Kamerafunktion des iPads mögliche Beschädigungen der Anlage dokumentieren.

  • Bundesweit reist jeder vierte Fahrgast im Schienennahverkehr in Zügen von Alstom.

Alstom ist weltweit führend im Bau von Anlagen und Produkten für die Stromerzeugung und Energieübertragung. Einen wesentlichen Umsatzanteil erwirtschaftet der französische Industriekonzern mit der Inspektion und Wartung der im Kundenauftrag gebauten Kraftwerke. In regelmäßigen Intervallen werden die Anlagen auf der ganzen Welt durch Servicetechniker inspiziert und revidiert. Die Einsätze variieren zwischen einigen Tagen und mehreren Wochen. Anhand von Plänen und Instruktionen bauen die Mitarbeiter Maschinenteile ein und aus, nehmen Messungen vor und dokumentieren die Ergebnisse.

Derzeit wird der gesamte Serviceprozess noch weitestgehend in Papierform abgebildet. Deshalb müssen die gesammelten Daten nachträglich manuell eingegeben werden. Auch der Abschlussbericht für die Kunden wird überwiegend manuell erstellt. Stellt Alstom seine Serviceprozesse künftig auf eine mobile Lösung um, sind davon Mitarbeiter in verschiedenen Standort weltweit betroffen. Dementsprechend sorgsam hat sich das Projektteam dieser Thematik genähert. Zunächst erarbeitete man einen Anforderungskatalog, der als Grundlage für die Entwicklung eines Prototypen dienen sollte. Während der Evaluierungsphase hatten verschiedene Hersteller die Möglichkeit, innerhalb von rund drei Monaten einen Lösungsvorschlag zu präsentieren. Erst zwei Tage vor Fristablauf erfuhr die Coresystems AG von der Ausschreibung und beteiligte sich mit ihrer Standard-App für den mobilen Serviceeinsatz, Coresuite Mobile Service, kurzfristig an der Ausschreibung. „Als wir die App mit Anbindung an die Cloud des Anbieters gesehen haben, stellten wir fest, dass das kleine Schweizer Unternehmen über eine Mobility-Lösung verfügt, die im Standard bereits 90 Prozent unseres Anforderungskatalogs abdecken konnte“, berichtet Gert-Jan den Boer, IT-Manager Global Projects bei Alstom (Switzerland) Ltd. Desweiteren setzte der Anbieter im Verlauf von vier Wochen noch alle relevanten Anpassungen um und präsentierte den finalen Prototypen, der im November 2012 vertraglich verabschiedet wurde. Alstom erhielt daraufhin zehn iPads mit der angepassten Version der App sowie Zubehör.

Unter der Führung des Alstom-Projektteams begannen Ende November 2012 die ersten Praxistests. Spannend waren Feldversuche im direkten Vergleich mit der herkömmlichen Variante: Ein Mitarbeiter erledigte seine Inspektion auf altbewährte Weise, während sein Kollege mit Unterstützung der mobilen Servicelösung seine Arbeit verrichtete.

Am Ende konnte der Techniker mit der iPad-Lösung die gleiche Arbeit deutlich schneller abschließen als sein Kollege. Die Erprobung an den Standorten in Deutschland, Spanien, England und Argentinien führte zu ähnlich positiven Ergebnissen. Die Tests zeigten weiterhin, dass die verwendete iPad-Schutzhülle des Herstellers Otter Box völlig ausreichend ist, um das Gerät vor Stößen, Staub, Schmutz und Spritzwasser zu schützen. Auch Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius bereiten dem Tablet keine Probleme. „Uns war klar, dass wir mit einer mobilen Lösung Zeit einsparen, aber erst die Tests zeigten, welche Einsparungen konkret realisiert werden können und welche Zeiteinsparungen unsere Servicetechniker tatsächlich erreichten. Überdies haben wir weitere Vorteile entdeckt, die uns vorher gar nicht bewusst waren. Es gibt interne Dokumente, wie Anleitungen zur Anlagenwartung, die in Papierform mitgenommen werden. Auf dem iPad können diese Unterlagen wirkungsvoll geschützt werden“, erklärt Gert-Jan den Boer.

Mobile Services on- und offline

Um den Betrieb und die Sicherheit der Kraftwerke nicht zu gefährden, wird das iPad während der Inspektion in den Offline- bzw. Flugmodus versetzt. Die Techniker müssen deshalb vor Beginn ihres Arbeitstages bereits alle relevanten Daten auf dem Gerät gespeichert haben. Dies betrifft insbesondere Checklisten, Dateianhänge, Anlagenpläne und Wartungsanleitungen. Da die Service-App bereits in der Standardausführung offlinefähig ist, kann der Nutzer jederzeit auf seine Daten zugreifen, Änderungen vornehmen oder neue Informa­tionen hinzufügen. Sobald die Verbindung zum Internet wieder möglich ist, können die Daten synchronisiert werden. In diesem Frühjahr wird das Projektteam des Anwenders entscheiden, ob das Pilotprojekt weiter ausgedehnt wird. „Generell haben wir uns für die Standard-App Coresuite Mobile Service entschieden, weil wir keine „Kinderkrankheiten“ einkaufen wollten, wie das bei reinen Prototypen oftmals der Fall sein kann. Insgesamt läuft die Lösung stabil und auch die Datensynchronisation via Cloud funktioniert einwandfrei“, so den Boer.

Während der Validierungsphase bei Alstom werden die Daten aus der Cloud noch auf einem Server mit SAP Business One gespeichert und müssen von dort abgeholt werden. Eine mobile Servicelösung ist jedoch viel effektiver, wenn die gesamten Serviceprozesse in das Backend des Anwenders integriert sind, denn dadurch fließen die Daten direkt in nachfolgende Geschäftsprozesse ein, etwa in die Finanzbuchhaltung als Basis zur Rechnungstellung. Um solche Vorteile nutzen zu können, wollen Gert-Jan den Boer und sein Team künftig eine Roadmap für die Integration der Lösung in die bestehende IT-Landschaft des Unternehmens entwickeln. Ein Großprojekt, das sich langfristig sicherlich lohnen kann.

Über Alstom

Das Unternehmen ist weltweit führend im Bau von Anlagen und Produkten für die Stromerzeugung, Energieübertragung und Schieneninfrastruktur. So baut der Konzern den schnellsten Zug und die kapazitätsstärkste automatisierte U-Bahn der Welt. Zudem bietet man Lösungen und Dienstleistungen für schlüsselfertige Kraftwerke, die Strom aus Gas, Kohle, Wasser, Wind und Solarwärme erzeugen. Alstom beschäftigt über 92.000 Mitarbeiter in rund 100 Ländern und verbuchte im Geschäftsjahr 2011/2012 einen Umsatz von 20 Mrd. Euro.
www.alstom.com

Bildquelle: Alstom

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok