13.04.2017 Vom Navigationsgerät zum Wearable

Mit Fitness-Trackern von Garmin die Leistung im Blick

Von: Lea Sommerhäuser

Weil das Angebot auf dem Wearables-Markt groß ist, müssen die einzelnen Anbieter sich durch die Qualität ihrer Produkte voneinander abgrenzen. Auch Navi-Spezialist Garmin mischt hier munter mit. Wir sprachen mit Jörn Watzke, dem Director Global B2B Sales and Mobile Business des Unternehmens, über betriebliches Gesundheitsmanagement, Risiken von Fitness-Wettbewerben sowie Neuerungen im Bereich Navigation.

  • Fitness-Tracker von Garmin
  • Jörn Watzke, Garmin

    „Das Thema Datenschutz wird in Deutschland gerade im Fall des Gesundheitssystems sehr sensibel behandelt und die Krankenkassen sind nicht darauf bedacht, die individuellen Informationen der Versicherten zu erhalten“, so Jörn Watzke.

  • Fitness-Tracker von Garmin

    Ist der Fitness-Tracker einmal mit dem Smartphone gekoppelt, lassen sich alle relevanten Daten direkt in der App aufrufen.

Herr Watzke, inwieweit hat sich der Unternehmensfokus von Garmin in den letzten Jahren gewandelt? Welche Faktoren spielten dabei eine Rolle?
Jörn Watzke:
Unser Unternehmensfokus hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Während der Markt für die klassischen Straßennavigationsgeräte rückgängig ist, nimmt der Bereich Wearables/Sportuhren immer mehr Fahrt auf. Wir haben im letzten Jahr einen deutlichen Anstieg der Nachfrage im Bereich Wearables beobachtet und möchten diese natürlich auch bedienen. Eine breite Produktrange hat uns im vergangenen Geschäftsjahr dabei geholfen, unsere Stellung in diesem Bereich zu behaupten. Auch das Jahr 2017 steht weiterhin unter dem Zeichen der Wearables und Diversifikation. Vom einfachen Activity-Tracker und sportlichen Lifestyle-Accessoire bis hin zur High-End-GPS-Sportuhr legen wir unseren Fokus darauf, die unterschiedlichen Nutzerbedürfnisse zu bedienen. Unser Ziel ist es, im Sinne unseres „BeatYesterday“-Gedankens zu mehr Bewegung und dadurch zu einem gesünderen Leben zu motivieren.

Mittlerweile tummeln sich zahlreiche Wearables-Anbieter auf dem Markt, die Konkurrenz ist groß. Unter welchen Voraus-setzungen sollte ein Unternehmen auf diesen Zug aufspringen, wann sollte man lieber seine Finger von der Wearables-Branche lassen?
Watzke:
Eine wichtige Voraussetzung ist eine solide Ausgangsbasis, auf welcher das Geschäft aufgebaut werden kann. Als Quereinsteiger wird man es in diesem Markt nicht leicht haben. Denn inzwischen ist das Angebot so groß, dass sich die einzelnen Unternehmen nur durch Qualität unterscheiden. Hierfür sind ein großes Know-how und ein gewisser Bekanntheitsgrad dringend notwendig. Da es heutzutage nicht leicht ist, dieser Branche standzuhalten, sieht man an Unternehmen wie Pebble oder auch Vector. Für Neueinsteiger besteht eine Chance, wenn in einer Nische ein wirklich neuer Anwendungsfall bedient wird.

Welche Rolle werden Fitness-Tracker und GPS-Sportuhren anno 2017 für das betriebliche Gesundheitsmanagement spielen?
Watzke:
Das betriebliche Gesundheitsmanagement ist ein großes Feld, wovon nur ein kleiner Teil den Bereich Bewegung ausmacht. Es handelt sich hier jedoch um ein sehr emotionales Gebiet, das Menschen schnell mitnehmen und begeistern kann. Wir haben bereits einige Projekte mit Partnern wie Opel, der Stadt Winnenden oder Caverion umgesetzt und konnten Menschen dafür gewinnen, Schritte für einen guten Zweck zu gehen. Denn häufig steht hinter diesen Challenges der Charity-Gedanke, der es den Menschen noch leichter macht, sich mehr zu bewegen und gleichzeitig etwas Gutes zu tun.

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Was verbirgt sich in diesem Zusammenhang hinter der „Corporate Health Challenge“?
Watzke:
Die „Corporate Health Challenge“ ist ein Projekt der Vitaliberty GmbH, einem Unternehmen im Bereich Gesundheitsvorsorge und Prävention. Als einer der Partner sind auch wir mit an Bord und unterstützen das Projekt mit finanziellen Spenden, z.B. für die Deutsche Kinderkrebsstiftung, sowie mit Sachpreisen. Prinzipiell soll die „Corporate Health Challenge“ dazu animieren, sich mehr zu bewegen. Unternehmen jeglicher Größe können teilnehmen und nicht nur Sachpreise gewinnen, sondern parallel auch Spenden für die Deutsche Kinderkrebsstiftung sammeln. Der Wettbewerb funktioniert wie folgt: Über einen gewissen Zeitraum werden sämtliche Schritte der Mitarbeiter gezählt. Gewonnen hat, wer am Ende die höchste durchschnittliche Zahl an Schritten pro Mitarbeiter pro Tag erreicht.

Einmal kritisch hinterfragt: Welche Risiken bergen solche Fitness-Wettbewerbe in Unternehmen?
Watzke:
Solche Challenges können immer das Risiko bergen, dass der Datenschutz der Mitarbeiter nicht beachtet wird. Damit jedoch kein Mitarbeiter benachteiligt wird oder unter Konsequenzen seiner Ergebnisse leiden muss, ist es über die von uns bereitgestellten Daten nicht möglich, einzelne Ergebnisse einzusehen. Es werden immer die Schritte eines Teams von mindestens fünf Personen angezeigt, sodass keine Rückschlüsse möglich sind und die Mitarbeiter nicht nach ihrer Leistung bewertet werden. Zudem können die Mitarbeiter eines Unternehmens freiwillig entscheiden, ob sie an diesen Challenges teilnehmen möchten; es besteht kein Zwang.

Was ist den Nutzern von Fitness-/Gesundheits-Trackern besonders wichtig? Worauf legen sie Wert?
Watzke:
Ob beim Sport, im Büro oder in der Freizeit: Der Fitness-Tracker muss immer getragen werden können, was nach einer vernünftigen Akkulaufzeit verlangt. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist natürlich ein ansprechendes Design, das zu allen Gelegenheiten passt. Die Tracker sollten robust, wasserdicht und aus hochwertigen Materialien sein. Auch eine einfache Bedienung ist für viele Nutzer wichtig. Es darf nicht zu viel Aufwand kosten, das Gerät zu installieren und im Alltag zu bedienen. Zudem ist es den Nutzern wichtig, alle Daten immer im Blick zu haben. Seien es die zurückgelegte Distanz, verbrauchte Kalorien oder gegangene Schritte. Dank der Connect-App ist dies mit unseren Fitness-Trackern einfach. Ist der Fitness-Tracker einmal mit dem Smartphone gekoppelt, lassen sich alle relevanten Daten direkt in der App aufrufen und man verliert nie den Überblick. Für Nutzer, die auch gerne mal ohne Smartphone unterwegs sind, ist es zudem wichtig, dass der Tracker die Daten über einen längeren Zeitraum speichert. Einige Fitness-Tracker speichern daher aufgezeichnete Daten über einen Zeitraum von 30 Tagen.

An welchen Stellen sehen Sie allgemein noch Verbesserungsbedarf bei solchen Geräten?
Watzke:
Einige Nutzer bemängeln, dass Fitness-Tracker noch nicht komplett eigenständig arbeiten und stark an das Smartphone gekoppelt sind. Wir konzipieren unsere Tracker entsprechend, sodass dieser zum einen unabhängig vom Smartphone Schritte zählt, Distanzen aufzeichnet oder verbrauchte Kalorien berechnet. Zum anderen speichert er wie erwähnt die Daten über einen gewissen Zeitraum, damit sie auch noch Tage nach der Aktivität abrufbar und auf das Smartphone übertragbar sind. Auch das Eingehen auf die verschiedenen Nutzerbedürfnisse kann häufig noch besser gemacht werden. Ein weiterer Punkt ist die allgemeine Akkulaufleistung. Wir betreten den Massenmarkt und Kunden möchten einen Fitness-Tracker, der nicht alle paar Stunden geladen werden muss.

Wie ist es um die Datensicherheit bei vernetzten mobilen Gesundheitsgeräten bestellt?
Watzke:
An der Sicherheit von Smartwatches wird tagtäglich gearbeitet. Auch bei uns ist dies ein wichtiger Aspekt, der in der täglichen Arbeit berücksichtigt wird.

Krankenkassen bzw. Versicherungen machen sich die Daten aus Wearables gerne zunutze. Werden Fitness-Tracker somit zur Falle für den Kunden? Worin sehen Sie die Vor- und Nachteile dieser Vernetzung?
Watzke:
Der Aussage, dass sich Krankenkassen die Daten aus Wearables zunutze machen, müssen wir widersprechen. Das Thema Datenschutz wird in Deutschland gerade im Fall des Gesundheitssystems sehr sensibel behandelt und die Krankenkassen sind nicht darauf bedacht, die individuellen Informationen der Versicherten zu erhalten. Bieten Krankenkassen Bonussysteme für Nutzer von Fitness-Trackern an, dann geht es hier um eine Präventivmaßnahme, wie man dies bereits z.B. von Zahnarztbesuchen kennt. Die Krankenkassen versuchen also, einen Anreiz für mehr Bewegung und einen gesünderen Lebensstil zu schaffen, der dann auch belohnt wird. Hier geht es darum, langfristig die Kosten für Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems oder Diabetes durch Prävention zu senken. Der Versicherte kann jedoch ganz frei entscheiden, ob er daran teilnehmen möchte oder nicht.

Inwieweit nutzen Sie Wearables privat?
Watzke:
Natürlich nutze ich Wearables auch privat, denn ich kann sie sowohl beim Sport als auch beim Geschäftsessen tragen. Somit bin ich immer auf dem Laufenden und weiß, wann es Zeit wird, sich wieder zu bewegen. Gerade nach einem stressigen Arbeitstag mit wenig Bewegung bin ich über einen Motivator am Abend sehr dankbar. Wenn man es dann doch noch schafft, seine Zielvorgaben einzuhalten, ist das ein tolles und motivierendes Gefühl.

Neben dem Thema „Fitness & Health“ ist natürlich nach wie vor die „Navigation“ ein wichtiger Schwerpunkt für Garmin. Wie haben sich hier im Rahmen der Digitalisierung die Ansprüche, Anforderungen und Wünsche Ihrer Zielgruppen wie Automotive, Marine und Luftfahrt gewandelt?
Watzke:
Das Thema Digitalisierung ist auch in diesen Bereichen stark vertreten. Nimmt man beispielsweise die Marine, kann man klare Fortschritte erkennen. Ob Sensoren, die „wireless“ arbeiten, oder das Abrufen von Karten via App – die Digitalisierung ist hier längst eingezogen. Auch im Bereich Automotive ist es nun möglich, Karten-Updates von Navigationsgeräten via WLAN anzubieten, und somit werden ein PC oder spezielle Software überflüssig. Außerdem profitiert der Nutzer von Live-Diensten, die via Smartphone-Link-App Informationen zum Verkehr, Wetter oder der Parkplatzsituation geben.

Welche technischen Neuerungen wird es 2017 im Bereich „Navigation“ geben?
Watzke:
Zum Auftakt des neuen Jahres bringen wir eine Weiterentwicklung unserer Drive-Serie auf den Markt. Wie schon in der Vergangenheit konzentrieren wir uns auch bei dieser Serie auf die Fahrsicherheit. So verfügen die Navigationsgeräte wieder über ein Sicherheitspaket. Einige Modelle verfügen zudem ab sofort über eine Unfallbenachrichtigung an hinterlegte Notfallkontakte. Ferner bieten die erweiterten Modelle Drive, Drivesmart, Driveassist und
Driveluxe (siehe Navigationsgeräte-Produktübersicht Seite 32) noch mehr Live-Services, wie die Informationen über freie Parkplätze durch Parkopedia, Tankstellenpreise oder das Wetter.

In Würzburg unterhält Garmin einen eigenen Forschungs- und Entwicklungsstandort. Welche strategische Bedeutung schreiben Sie diesem zu?
Watzke:
Die Garmin Würzburg GmbH ist ein Anbieter von Navigationssystemen, der im Jahr 1991 unter dem Namen Navigon gegründet und 2011 von Garmin übernommen wurde. Die Marke Navigon steht für Innovationen rund um das Thema Navigation und stellt das europäische Forschungs- und Entwicklungszentrum von uns dar. Circa 300 Ingenieure kümmern sich in Würzburg um die Forschung und Entwicklung im Bereich OEM. Hinzu kommt die Pflege und Weiterentwicklung der Navigon-Software für den Bereich PND und Mobileapps. Das Unternehmen entwickelt Lösungen für alle unsere Segmente und erlaubt uns, auf europäische Bedürfnisse zu reagieren.


Garmin ...
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entwickelt weltweit mobile Produkte für die Bereiche Automotive, Fitness und Outdoor, Marine und Aviation. Für das 1989 gegründete Unternehmen mit Hauptfirmensitz in Schaffhausen, Schweiz, arbeiten heute weltweit über 11.000 Mitarbeiter in 50 Niederlassungen. Garmin zeichnet sich durch eine konstante Diversifikation aus, dank der Bereiche wie „Fitness & Health“-Tracker, Smartwatches, Golf- und Laufuhren etabliert werden konnten.
In der DACH-Region ist die Firma mit Büros in Garching, Graz und Schaffhausen vertreten. In Würzburg wird außerdem ein eigener Forschungs- und Entwicklungsstandort unterhalten.


Jörn Watzke ...
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leitet seit April 2014 den globalen Vertrieb B2B Health bei Garmin. Zuvor verantwortete er langjährig das Mobile-Phone-Navigationsgeschäft beim Unternehmen sowie das Produktmanagement für alle Business-Bereiche der Navigon AG. Watzke ist seit über 20 Jahren in der Consumer-Electronics-Industrie tätig. Nach dem Studium der Informationstechnik begann er seine Karriere zunächst bei Siemens. Dort war er insgesamt elf Jahre in verschiedenen Leitungsfunktionen tätig.

 

Bildquelle: Garmin

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