Interview mit Jochen Glaser, Mellmo

Mobile BI auf Präsentationsebene

Interview mit Jochen Glaser, Vice President Central und Eastern Europe bei Mellmo Inc.

Jochen Glaser, Mellmo

Jochen Glaser, Vice President Central und Eastern Europe bei Mellmo Inc.

Worauf sollten die Verantwortlichen bei der Auswahl einer mobilen BI-Applikation hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit besonders achten? Wie können ausführliche Reports, Analysen und Simulationen auf den kleinen Displays von Smartphones und Tablets lesefreundlich dargestellt werden?
Jochen Glaser: Eine mobile Applikation sollte einfach und intuitiv zu bedienen sein. Es sollte Spaß machen, die Applikation zu benutzen. Das Design sollte ergonomisch und klar und die Applikation ohne Schulung bedienbar sein. Es sollte genau die Informationen zur Verfügung stellen, die für den jeweiligen Nutzer wichtig sind – reduziert um das Unnötige. Sehr wichtig ist auch die Performance der Applikation, denn jede Millisekunde Verzögerung enttäuscht den Endbenutzer sofort und mindert das Nutzererlebnis. Das Ziel hierbei besteht darin, die Software für den „normalen“ Benutzer und Menschen ohne IT-Kenntnisse zu entwickeln und nicht, dass sich der Benutzer der Software anpassen soll.

Wann ist eine eigene App sinnvoll, wann ist eine mobile Browser-Oberfläche besser?
Glaser: In der Werbung vernimmt man heutzutage vermehrt den Kommentar „Das ganze ist auch als App verfügbar“. Wenn der Endnutzer eine Auswahl zwischen App und Browseroberfläche hat, wird er immer die App bevorzugen, da diese auf das mobile Endgerät hinsichtlich Design, Benutzeroberfläche, Formfaktor und Performance maßgeschneidert ist. Die Benutzerfreundlichkeit und Bedienung einer App wird immer besser sein als die einer Browseroberfläche.
Die Browseroberfläche bietet vor allem den Softwareherstellern Vorteile, da die Anwendung nur einmal entwickelt werden muss und diese mittels Browser auf zahlreichen unterschiedlichen Endgeräten angeboten werden kann. Das reduziert die Entwicklungskosten, erhöht die Portabilität, aber mit entsprechenden Einbußen hinsichtlich Bedienbarkeit, Design, Benutzeroberfläche, Formfaktor und Performance.

Mellmo wird mit der RoamBI-Suite die Applikation auch mit einer Browseroberfläche anbieten. Allerdings mit dem Ziel, diese so zu gestalten, dass sie sich ähnlich der vorhandenen Apps benutzerfreundlich und performant bedienen lässt. Trotzdem werden wir weiterhin die Strategie beibehalten, die wesentlichen Mobile Devices mit einer native App zu versorgen, da dies von den Kunden nachgefragt und erwünscht ist und wir hierbei die höchste Nutzerakzeptanz sehen.

Welche Funktionen sollte eine mobile App auf jeden Fall beinhalten? Inwieweit unterscheidet sich die Mobilversion von den teils sehr mächtigen BI-Lösungen, die in der klassischen Unternehmens-IT zum Einsatz kommen?
Glaser: Um diese Frage zu beantworten, sollte man zuerst den Anwenderkreis in sogenannte „Power User“ und den klassischen Endbenutzer unterteilen. Ein Power User, der hochkomplexe Analysen und Berechnungen durchführen muss, wird dies kaum auf einem mobilen Endgerät durchführen und vielmehr einen leistungsfähigen PC und vor allem auch großen Bildschirm benötigen. Einen guten Vergleich bieten hierbei die hochkomplexen Business-Reports, die sehr oft denen eines Boeing-747-Cockpits mit hunderten verschiedener Schaltern gleichkommen. Für diesen Anwenderkreis sind die klassischen Frontend-Lösungen der BI-Anbieter die erste Wahl.

Wenn wir den klassischen Endbenutzer betrachten, der nur einen Bruchteil der Informationen eines Power User benötigt, verändert sich die Nutzung der Benutzeroberfläche nach unseren Erfahrungen drastisch. In der Regel möchte der klassische Endbenutzer eine Applikation, die einfach und intuitiv zu bedienen ist und die kompakt genau die Informationen aufbereitet und anzeigt, die für den jeweiligen Benutzer wichtig sind.

Die Applikation sollte weiterhin in Echtzeit benutzbar sein, so dass beim Blättern durch die Informationen keine Zeitverzögerung besteht. Zudem sollte sie eine Online- sowie Offline-Funktionalität beinhalten, um die Performance zu unterstützen und weltweite Nutzbarkeit auch bei Abwesenheit von Netzverbindungen zu ermöglichen. Attraktiver Nebeneffekt ist dabei die Möglichkeit der Kostenreduzierung von Netznutzung und Roaming-Gebühren. Zusätzlich sollte die Applikation sowohl geräte- als auch datenunabhängig sein und alle wesentlichen Backendsysteme unterstützen, um höchstmögliche Flexibilität und Investitionsschutz zu ermöglichen. Weiterhin sollte die Applikation wiederverwendbar sowie schnell und unkompliziert im Unternehmen einsetzbar sein.

Welche Fallstricke lauern bei der Einbindung der App in die vorhandene IT-Landschaft des Unternehmens?
Glaser: RoamBI beschränkt sich auf die Präsentationsebene und überlässt die Datenhaltung den klassischen BI-, Datenbank- und CRM-Herstellern mit ihren Technologien. Dabei setzt die Lösung auf diese Technologien auf und nutzt deren Funktionen vollständig, so dass hier keine zusätzlichen Anpassungen notwendig sind. Aus diesem Grund lässt sich die mobile BI-Suite sehr schnell im Unternehmen einsetzen. Vorausgesetzt, dass das Backendsystem funktioniert, aufgesetzt ist und bereits Reports erstellt sowie eine standardisierte Zugriffsmöglichkeit auf das Unternehmensnetzwerk besteht (VPN, Reverse Proxy, DMZ.etc.), lässt sich die Suite in der Regel innerhalb weniger Tagen von der Erstinstallation bis zum Produktivbetrieb übernehmen. Ein Beispiel hierzu ist der Kunde Siemens Financial Services GmbH, der innerhalb von drei Wochen – von der Erstinstallation bis zum Rollout – ein kompaktes CFO-Management-Reporting eingesetzt hat.

Ist man im Ausland unterwegs, will man beispielsweise keine Roaminggebühren aufwenden. Wie funktioniert in diesem Moment ein Umschalten von Online- auf Offline-Arbeit?
Glaser: Aufgrund der Offline-Funktionalität unserer Suite können zusätzlich, immense Kosten im Bereich der Datenübertragung und Roaming eingespart werden. Gerade auch die Offline-Funktionalität wird als Vorteil durch unsere Kunden ausgewiesen. Dadurch ermöglichen wir es den mobilen Endbenutzern, nicht ständig online sein zu müssen, so dass sie die Anwendung jederzeit und weltweit unabhängig nutzen können, aber auch jederzeit nach Bedarf mit Netzverfügbarkeit aktualisieren können.

Auf welche Datenquellen sollte die mobile Software zugreifen können? Und wie kann man dabei weltweit eine akzeptable Performance sicherstellen?
Glaser: Einer der wesentlichen Gründe der Kunden für die Auswahl unserer Suite besteht in der derzeit am Markt umfassendsten Backend-Zugriffsmöglichkeit (Data Agnostic). Neben SAP, Crystal Reports, Business Objects Webi, IBM, Cognos, SPSS, SAS, Microsoft Reporting Services, Analysis Services, Sharepoint, SQL Server, Oracle Essbase, Hyperion, Salesforce, Siteminder, Liferay, Google Spreadsheets, Excel, CSV und HTML-Tables bietet kein anderer Mobile-BI-Hersteller diese Funktionsvielfalt. Zusätzlich werden im 2. Quartal 2012 weitere Plattformen folgen.
Durch die Unterstützung dieser Plattformen ist ein Zugriff auf so gut wie alle weltweit vorhandenen Unternehmens- und öffentlich zugängliche Daten möglich. Die Lösung beschränkt sich dabei auf die Präsentationsebene und überlässt die Datenhaltung den klassischen BI-, Datenbank- und CRM-Herstellern mit ihren Technologien.

Gerade im Unternehmensbereich beobachten wir, dass so gut wie alle Kunden mehrere IT-Systeme im Einsatz haben. Mit RoamBI besteht die Möglichkeit, ein zentrales mobiles Frontend zu nutzen, um auf mehrere dieser Backendsysteme gleichzeitig zugreifen zu können. Das versetzt unsere Kunden in die Lage, die Benutzerfreundlichkeit und -akzeptanz durch eine Anwendung für die Enduser zu erhöhen und bei der Implementierung, dem Rollout und der Nutzung deutlich Kosten einzusparen.

Wie ist es um Datenschutz und Sicherheit bei der Nutzung mobiler BI-Apps bestellt – zum Beispiel, wenn man sich auf Geschäftsreisen in China oder USA befindet?
Glaser: Wir haben den RoamBI Enterprise Server mit einer sogenannten „Triple Layer Security“-Funktion ausgestattet. Dabei werden die Sicherheitsfunktionen des darunter liegenden BI-Systems komplett mitverwendet wie z.B. User- und Group-Management, Single-Sign-On, Object Level Security, Row Level Security und File-Management. Über diesen Weg können die bereits definierten Sicherheitskonzepte autark, ohne Änderungen vornehmen zu müssen, mitverwendet werden. Damit kann der Datenzugriff und die -präsentation bereits individuell je Endbenutzer am Backend sichergestellt werden. Auf der mobilen Endgeräteseite werden die Sicherheitsfunktionen wie OS Data Protection, Hardware Encryption, Device Provisioning, VPN, Device Remote Wipe ebenfalls voll unterstützt sowie die Datenkommunikation mittels dem Standard Https in allen gängigen Deployment-Optionen wie DMZ, Reverse Proxy,VPN, und Two-Way SSL.

Zusätzlich zu diesen Sicherheitsfunktionen haben wir weitere Optionen in dem Enterprise Server realisiert wie App Lockout, App Block & Wipe, App PIN, File Recall, etc. Damit besteht bereits heute die Möglichkeit die Lösung ohne zusätzliche Mobile-Device-Management-Lösung (MDM) sicher zu betreiben. Dies kann zur Anwendung kommen, wenn z.B. mobile Endgeräte verloren gehen, Mitarbeiter aus dem Unternehmen ausscheiden, bei einer Bring-Your-Own-Device-Strategie, unterschiedliche Nutzerkreise länderübergreifend vorhanden sind und unterschiedliche Datenpräsentation abgesichert betrieben werden sollen. Zudem kann nicht nur die komplette Applikation gesperrt werden, sondern auch einzelne Reports und Daten in der Applikation remote gelöscht, upgedated und aktualisiert werden. Die Reports können auch mit „Timestamps“ versehen werden, so dass sie sich nach einer definierten Zeit selbständig löschen oder der gesamte Zugriff eines mobilen Endgerätes auf das Firmennetz geblockt oder zusätzlich neben User- und Group-Management mit einer PIN abgesichert werden. Zusätzlich bietet die Lösung die Möglichkeit, sich in vorhandene MDM-Lösungen zu integrieren, wie auch die vorhandene Partnerschaft mit Good Technology aufzeigt.

Können Sie uns bitte ein konkretes Referenzprojekt Ihrer mobilen BI-Applikation nennen?
Glaser: Die Siemens Financial Services GmbH ist ein Anbieter von Finanzlösungen für B2B-Kunden. Mit rund 2.000 Mitarbeitern und einem internationalen Netzwerk von Finanzgesellschaften ist man sowohl für Siemens als auch für andere Unternehmen tätig. Dafür bietet Siemens Financial Services eine breite Palette maßgeschneiderter Finanzlösungen an. Im Rahmen eines Reporting-Projektes für das Executive-Management war das Unternehmen auf der Suche nach einer Lösung, die Daten, Informationen und KPIs zielgerichtet auf mobilen Endgeräten konsolidiert, aufbereitet und kompakt zur Verfügung stellt. Dabei wurden Daten aus Backendsystemen wie Microsoft und SAP genutzt, die zur Bankensteuerung der Geschäftsführung verwendet werden sollte. Das Projekt wurde mit Hilfe unseres Partners b.telligent GmbH und der Softwarelösung RoamBI Enterprise Server ES4 umgesetzt. „Damit konnten wir ein kompaktes CFO-Management-Reporting für iPhone und iPad in weniger als drei Wochen erfolgreich umsetzen“, erklärte Christian Ammer, Leiter des Center of Competence BI bei Siemens Financial Services GmbH.

Ein weiteres Beispiel: Die Dow Corning GmbH ist Teil eines multinationalen Chemieunternehmens und eines der führenden Unternehmen für Technologie und Innovation auf Siliziumbasis und liefert für mehr als 25.000 Kunden weltweit mehr als 7.000 Produkte und Dienstleistungen. Dow Corning wurde 1943 mit dem Ziel gegründet, das Potential von Silikon zu erforschen und zu erschließen. Das Sortiment umfasst silikonbasierte Dichtmassen, Kleber, Elastomere, Schmierstoffe, Dämmstoffe, Imprägniermittel, pharmazeutische- und insbesondere dermatologische Anwendungen, Flüssigsilikone und Silikonwachse.
Im Rahmen eines Mobility-Projektes mit Apple war es die Zielsetzung, Vertriebs-, Finanz- und operative Daten auf mobilen Endgeräten zur Verfügung zu stellen. Dabei wurde Wert gelegt auf die Konsolidierung weltweiter Daten und globaler Connectivity zwischen Kunden und Partnern. Mit der Applikation „RoamBI Visualizer“ können die Dow-Corning-Managementbereiche schnell auf die Daten zugreifen und diese in Echtzeit analysieren. Dies funktioniert auf Basis der Daten aus dem SAP-System mittels iPhone und inkludiert Vertriebszahlen, Trends und Projektionen. „RoamBI koppelt sich an die Business-Intelligence-Plattform von Dow Corning an. Es erlaubt, einfache und intuitive Dashboards von komplexen Daten zu erstellen”, erklärte Jeff Duly, Enterprise Architect, Dow Corning. „Es sind Echtzeitdaten und sie sind komplett abgesichert. In 15 Sekunden kann ich ein Gefühl dafür bekommen, ob es ein finanzielles Performance-Problem gibt”, kommentierte Don Sheets, Executive Vice President und CFO bei Dow Corning.

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