„Der MDM-Markt ist generell sehr stark an die Smartphone-OS-Hersteller gekoppelt – und dieser Markt ist wahnsinnig dynamisch“, so
Herr Gocht, Ihr Unternehmen bietet Lösungen für das Enterprise Mobility Management an. Welche sind dies im Einzelnen?
Marco Gocht: Die ISEC7 Group ist seit nunmehr zehn Jahren im Bereich mobiler Kommunikationslösungen für Unternehmenskunden aktiv und bietet Enterprise-Kunden einen ganzheitlichen Ansatz zur Mobilisierung. Dank unserer Erfahrungen aus Beratung, Dienstleistung und Software-Entwicklung sind wir in der Lage, mobile Strategien für Unternehmen zu definieren, die notwendigen Technologien zu integrieren und als Managed Mobility Services zu betreiben. ISEC7 versteht sich als ein zentraler Ansprechpartner für die Einführung und Umsetzung mobiler Datenkommunikation in Unternehmen.
Bei welchen der gerade genannten Bereiche bemerken Sie aktuell die größte Nachfrage seitens der Anwenderunternehmen?
Gocht: Immer mehr Unternehmen verstehen Mobilität als strategisches Instrument, um Mitarbeiter und Kunden in Unternehmensprozesse einzubinden und dabei nachhaltige Effizienzvorteile zu erzielen – als Stichwörter nenne ich B2B- oder B2C-Apps. Somit besteht die größte Nachfrage nach Dienstleistern, welche die gesamte Palette der Mobilität beherrschen.
Wer fragt denn konkret nach – gibt es bestimmte Unternehmensgrößen (z.B. Mittelständler, Konzerne) oder Branchen (z.B. Handel, Logistik, Pharmaindustrie), die sich hervortun?
Gocht: Die Vorreiter sind die außendienststarken Unternehmen der Banken und Versicherungen und der Pharma- und Chemieindustrie. Das war schon bei der Einführung von Smartphones so, wurde bei der Nachfrage nach MDM-Lösungen bestätigt und zeigt sich auch jetzt in der Mobilisierung von Unternehmensprozessen wie beispielsweise dem Mobilen SAP.
Da passt es ja, dass einer Ihrer Partner eben die SAP AG ist, deren ERP-, CRM- oder Service-Management-Lösungen Sie auch mobil verfügbar machen. Wie stellen Sie das nahtlose Zusammenspiel zwischen mobilen Endgeräten und den Backend-Systemen sicher?
Gocht: Unsere Lösung „ISEC7 Mobility for SAP“ unterscheidet sich von den im Markt angebotenen Lösungen insoweit, dass wir drei Alleinstellungsmerkmale anbieten: Zum einen verzichtet die Lösung auf Middleware – somit sparen Unternehmen Kosten für Hardware, Betrieb, Wartung, Anpassung und Lizenzen. Zudem wird interessierten Unternehmen eine standardisierte generische App zur Verfügung gestellt; Anwender benötigen kein Know-how in der Software-Entwicklung von Smartphone und Tablets. Darüber hinaus sind interessierte Unternehmen in der Lage, die Lösung und die Client-Apps mittels der Programmiersprache ABAP direkt im SAP-Backend anzupassen und entsprechend ihren Bedürfnissen zu erweitern.
Betrachtet man speziell den ERP-Bereich: Für welche ERP-Prozesse lohnen sich überhaupt mobile Varianten?
Gocht: Das Enterprise Resource Planning (ERP) ist die Basis in einem SAP-System. Hier lassen sich zahlreiche Integrationsmöglichkeiten für Sales- und Außendienstmitarbeiter finden. Servicetechniker erhalten etwa Wartungsaufträge auf das Smartphone, sehen die Historie der Störmeldungen und können sich Explosionszeichnungen der Maschinen mobil anschauen. Außerdem können sie Störmeldungen anlegen, Defekte mit Fotos dokumentieren, Ersatzteile ordern und die Arbeitszeit dokumentieren.
Insgesamt ist dies also ein hochintegrierter Prozess für den früher Papierberge notwendig waren: Neben Arbeitszeit- und Ersatzteilbeschaffungsformularen wurden außerdem noch Ordner verwaltet, die zahlreiche Dokumente zu den Maschinen enthielten. Heute führt der Servicetechniker nur noch das Smartphone oder Tablet, auf dem alle notwendigen Dokumente gespeichert sind, bei sich.
Mit „B*Nator“ beinhaltet Ihre Produktpalette auch eine sogenannte All-In-One-Lösung für das Mobile Device Management. Was ist darin inbegriffen?
Gocht: MDM ist out. Gut zehn Prozent der MDM-Anbieter verfügen heute über einen allumfassenden Ansatz und unterstützen alle am Markt gängigen Smartphone-Plattformen und Sicherheitsfeatures.
B*Nator – als Enterprise Managed Mobility Suite – bietet einen integrierten Ansatz, welcher darauf abzielt, die verschiedenen mobilen Technologien, also Blackberry, Good for Enterprise, Apple iOS MDM, Samsung Safe und Active Sync, unter einer zentralen Oberfläche verwaltbar und administrierbar zu machen. B*Nator beherrscht die automatische Migration von Smartphones, Benutzeraccounts und Richtlinien zwischen den verschiedenen Technologien. Dies wird von zahlreichen Kunden aktuell insbesondere für die Migration von bestehenden Blackberry-5- in Blackberry-10-Umgebungen nachgefragt.
Unsere größte Migration betrug 35.000 Smartphones und unsere schnellste 10.000 Smartphones in vier Tagen – IT-Abteilungen sind dabei dankbar für unsere Lösung, abgesehen von den Kosteneinsparungen, die damit realisiert werden können.
Worin liegen heutzutage die größten Herausforderungen beim Device Management – zum Beispiel hinsichtlich zunehmender Cyberkriminalität oder immer kürzerer Release-Zyklen bei den mobilen Betriebssystemen?
Gocht: Wenn Sie auf das Endgerät an sich anspielen, dann ist es wirklich die Sicherheit. Niemand möchte beispielsweise einem „infizierten“ Gerät den vollen VPN-Zugriff auf das Unternehmensnetzwerk gestatten. Unternehmen, die international agieren, sehen sich zusätzlich damit konfrontiert, dass Android gerade im asiatischen Wirtschaftraum stark verbreitet ist und dabei leider immer noch die Plattform mit den größten Sicherheitsproblemen ist.
Jetzt kann man natürlich sagen: Was kümmert mich der Android-Markt in China? Aber denken Sie einfach mal an die Lieferketten in den Unternehmen. Ein hochsicheres Smartphone mit Trennung der geschäftlichen und privaten Daten auf der einen, aber bei Zulieferern ein unsicheres Low-Budget-Smartphone auf der anderen Seite. Damit ist letztendlich niemandem geholfen.
Während der MDM-Markt vor einigen Jahre noch recht überschaubar war, tummeln sich hier mittlerweile immer mehr Anbieter – angefangen von IT-Sicherheitsspezialisten bis hin zu breit aufgestellten Branchengrößen wie IBM, SAP oder Citrix. Wie wird sich der Markt Ihrer Ansicht nach künftig entwickeln?
Gocht: Ob Unternehmensgröße im MDM-Segment immer ein Vorteil ist, wage ich zu bezweifeln. Für die Vergangenheit kann ich das jedenfalls verneinen. Insgesamt wird sich der Markt konsolidieren. Nach Patentklagen zwischen Smartphone-Herstellern gibt es nun auch die ersten MDM-Anbieter, die sich mit Klagen ihre Marktanteile sichern. Dies ist ein deutliches Anzeichen dafür, dass sich der Wettbewerbsdruck erhöht.
Der MDM-Markt ist generell sehr stark an die Smartphone-OS-Hersteller gekoppelt – und dieser Markt ist wahnsinnig dynamisch. Betrachtet man alleine, wie zersplittert aktuell die MDM-APIs allein im Android-Bereich sind, weil es Google nicht geschafft hat, einen Standard zu setzen. Jeder Hersteller – ob Samsung, HTC oder Motorola – besitzt oder arbeitet an eigenen, nativ ins OS integrierten MDM-APIs. Das hilft weder den heutigen MDM-Herstellern, noch ist es Unternehmen und Anwendern vermittelbar, warum ein Android-Betriebssystem unterschiedliche Funktionen bietet.
Wie können Verantwortliche in den Anwenderunternehmen trotz der zahlreichen MDM-Anbieter noch den Überblick behalten und die für die eigenen Anforderungen passende Lösung finden?
Gocht: Mit mehr als 120 Anbietern, die aktuell im MDM-Segment tätig sind, fällt die Auswahl auf den ersten Blick schwer. Jedoch empfehlen wir unseren Kunden, sich kurz zurückzulehnen und sich von der reinen Hardware- und MDM-Sicht zu befreien. Viel zu häufig stehen Smartphone- oder Tablet-Modelle im Vordergrund. Darauf basierend schaffen Unternehmen eine MDM-Lösung an, die genau auf diese Hardware abgestimmt ist. Sie denken, die mobile Welt ist damit ins Unternehmen eingezogen. Sicherlich ist es ein erster Schritt. Aber ob er richtig war, zeigt sich erst, wenn plattformübergreifende Businessapplikationen ins Unternehmen einziehen. Smartphones zu verwalten, ist das Pflichtprogramm – Infrastruktur-, Sicherheits- und Geschäftsprozess-Monitoring sind die Kür.
Es reicht heute eben nicht mehr, reines Mobile Device Management einzuführen. Das Monitoring der mobilen Infrastrukturen und Geräte oder etwa der Applikationsserver sind von elementarer Bedeutung, wenn ein Unternehmen Businessprozesse mobilisiert. Ich kenne Fälle, wo dies nicht beachtet wurde und mehrere hundert Servicetechniker tagelang nicht mehr arbeiten konnten, weil die mobile Infrastruktur ausgefallen war.
Neben dem Monitoring wird das Thema Telecom Expense Management (TEM) in Enterprise-Marketing-Management–Lösungen (EMM) Einzug halten. Betrachtet man, welche Anbieter neben dem reinen MDM auch den vorgenannten Themen gerecht werden, so kann man diese an zwei Händen abzählen.
Lassen Sie uns abschließend einen Blick in die Zukunft werfen: Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in den nächsten fünf Jahren?
Gocht: Betrachtet man die Mobilisierung über die letzten Jahre, so erkennt man einen ganz klaren Trend. Anfangs dominierten die Netzbetreiber und Hardwarehersteller mit drahtloser Kommunikation, den Handys und den UMTS-Karten. Dann begann die Ära der Smartphone-Hersteller, gefolgt von den MDM-Anbietern. Aktuell erleben wir den Beginn standardisierter und individueller Apps.
Was Unternehmenskunden jedoch wirklich brauchen, ist ein zentraler Dienstleister, der Managed Mobility Services mit hoher Expertise und in verlässlicher Dienstleistungsqualität erbringt. Wir sind hervorragend aufgestellt, in diesem Bereich eine führende Rolle zu übernehmen.
Marco Gocht
Bereits als Jugendlicher beschäftigte sich Marco Gocht mit der Software-Entwicklung (Sprache Basic auf Sinclair ZX Spectrum) und der Entwicklung von grafischen Editoren für Datenbanken (ab dBase II unter CPM auf Commodore C128 D). Er studierte an der Universität der Bundeswehr in Hamburg und ist Fallschirmjägeroffizier der Bundeswehr.
Seit 2001 ist er im Mobility-Bereich aktiv. 2003 gründete Marco Gocht gemeinsam mit Roger Dost das Unternehmen ISEC7, das heute mit rund 100 Mitarbeitern globale EMM-Lösungen anbietet. In seiner heutigen Funktion ist er Gründer, CEO und CIO der ISEC7 Group. Seine Hobbys sind Laufen, Großkaliberschießen und Tauchen.