19.04.2017 Teurer Fehler

Mobile Devices: Nicht am Kaufpreis orientieren!

Von: Lea Sommerhäuser

Die meisten Unternehmen werden beim Kauf neuer Laptops oder Tablets verleitet, ihre Kaufentscheidung nur auf Grundlage des Kaufpreises zu treffen. „Weil aber der Kaufpreis nicht immer die tatsächlichen Gerätekosten widerspiegelt, könnte dies ein teurer Fehler werden“, warnt Jennifer Plouvier-Leupers, Marketing-Managerin bei Getac, im Interview.

Jennifer Plouvier-Leupers, Getac

„Im sehr rauen Gebrauch kann schon mal was passieren, z.B. dass Displays nach Stürzen aus sehr großer Fallhöhe einen Sprung aufweisen“, meint Jennifer Plouvier-Leupers von Getac.

Frau Plouvier-Leupers, Smartphones, Tablets und Notebooks – all diese Geräte gibt es auch im Rugged-Format. Doch wie gefragt sind Rugged Devices anno 2017 tatsächlich?
Jennifer Plouvier-Leupers:
Aktuell ist die Nachfrage nach robusten Notebooks konstant, der Tablet-Bereich wächst sehr stark.

Wer ist hier die Zielgruppe bzw. wo kommen die Rugged-Geräte jeweils zum Einsatz?
Plouvier-Leupers:
Die Zielgruppen kommen aus unterschiedlichsten Bereichen. Abgesehen vom Militär, wo robuste Geräte ja schon lange im Einsatz sind, werden sie nun auch im industriellen Bereich in verschiedensten Anwendungen eingesetzt. Im Automotive-Bereich sind die Geräte beispielsweise auch für den Einsatz in Werkstätten zur Diagnose stark vertreten. Transport, Logistik und Retail-Bereiche fragen robuste Geräte ebenfalls stark nach.

Man differenziert zwischen Semi-, Fully- und Ultra-Rugged-Geräten. Worin bestehen die jeweiligen Unterschiede?
Plouvier-Leupers:
Nicht in jeder Anwendung müssen Geräte extremste Bedingungen aushalten. Die unterschiedlichen Robustheitsgrade werden durch die Zertifizierungen nach Industrie- und MIL-Standards definiert.

Semirobuste Geräte sind MIL-STD-810G- und IP52-zertifiziert und eignen sich bestens für Anwender im Außendienst oder der öffentlichen Sicherheit, wo das Gerät auch Spritzwasser, Vibrationen und Stöße aushalten muss.

Fully-Rugged-Geräte erfüllen sehr hohe Ansprüche an die Robustheit und sind nach MIL-STD-810G- und IP65-Standard zertifiziert, was u.a. eine bestimmte Sturz- sowie Feuchtigkeitsresistenz bedeutet. Für explosionsgefährdete Bereiche wie Atex 2 gibt es speziell zertifizierte Fully-Rugged-Geräte.

Ultra-Rugged-Geräte werden vorwiegend vom Militär eingesetzt – die Anforderungen sind hier extrem hoch. Es werden beispielsweise spezielle Nachtsichttechnologien und ein Salznebelschutz verlangt, und sie sind auch entsprechend nach MIL-STD-461F zertifiziert.

Welcher Typus ist aktuell am meisten gefragt und warum?
Plouvier-Leupers:
Bei uns vor allem die Semi- und die Fully-Rugged-Geräte, hier wiederum vor allem Tablet-PCs. Unsere Geräte vereinen Robustheit und damit Nachhaltigkeit mit Eigenschaften in puncto Leistungsfähigkeit, Ausfallsicherheit und Anwendungskomfort. Wir haben in den mehr als 25 Jahren unseres Bestehens viele Technologien entwickelt wie etwa für sonnenlichtlesbare Displays, lange Akkulaufzeiten oder die Thin & Light Technology und können so die Ansprüche unserer Kunden erfüllen.

In welchen Punkten übertrumpfen Rugged-Modelle die „normalen“ Consumer-Devices?
Plouvier-Leupers:
Die meisten Unternehmen werden beim Kauf neuer Laptops oder Tablets verleitet, ihre Kaufentscheidung nur auf Grundlage des Kaufpreises zu treffen. Weil aber der Kaufpreis nicht immer die tatsächlichen Gerätekosten widerspiegelt, könnte dies ein teurer Fehler werden. Ein kommerzielles Gerät ist gar nicht oder nur geringfügig gegen Einflüsse geschützt. Beim Einsatz in anspruchsvollen Umgebungen sind robuste Geräte wesentlich langlebiger und aufgrund der niedrigeren Ausfallrate kostengünstiger. Zudem verfügen die Geräte über bessere Displayeigenschaften, Konnektivität, Performance und Funktionalität. Dennoch gibt es große Unterschiede, was unter „rugged“ angeboten wird – das geht von einem einfach verstärkten Gehäuse bis hin zu Geräten, die schon von innen heraus robust konzipiert wurden.

Was wird bei den robusten Modellen hingegen häufig von den Anwendern bemängelt?
Plouvier-Leupers:
Robuste Geräte sind schwerer und in der Anschaffung teurer als Consumer-Devices, ansonsten überzeugen sie mit ihren speziellen Eigenschaften.

„Uncooles“ Design, hohes Gewicht, hohe Kosten bei den Rugged Devices: Sind das nur Mythen, die die Nutzer davon abhalten, auf Rugged Devices zu setzen?
Plouvier-Leupers:
Im Prinzip ja, wobei sich die Anschaffungskosten durch die hohe Effizienz und Produktivität sehr schnell amortisieren und auch die Garantieleistungen besser sind. Wer öfter mal Ausfälle wegen Stürzen, Feuchtigkeit, Temperatur etc. hatte, aber auf den einwandfreien Betrieb angewiesen ist, wird auf robuste Geräte nicht mehr verzichten wollen.

Wie behandeln die Anwender ihre Rugged-Modelle? Gehen sie damit anders um als mit Consumer-Devices?
Plouvier-Leupers:
Einerseits passen die Anwender gut auf, weil es hochwertige Geräte sind, andererseits gehen sie schon auch etwas robuster mit den Geräten um und schließlich werden sie ja auch in widrigen Umgebungen eingesetzt. Wir registrieren nur sehr wenige Reparaturen aufgrund unsachgemäßen Umgangs.

Welche Tests müssen Rugged Devices grundsätzlich bestehen, ehe sie in Produktion gehen?
Plouvier-Leupers:
Geräte durchlaufen bei uns sehr harte Tests. Sie werden nach Industrie- und den MIL-Standards, nicht nur von uns, sondern auch unabhängig von speziellen Dienstleistern geprüft und dann erst zertifiziert. Zudem gibt es noch sehr harte Inhouse-Testverfahren.

Was geht bei solchen Geräten „am schnellsten“ kaputt?
Plouvier-Leupers:
Im sehr rauen Gebrauch kann schon mal was passieren, z.B. dass Displays nach Stürzen aus sehr großer Fallhöhe einen Sprung aufweisen. Die Geräte sind dann meist noch einsatzfähig, weil wir spezielle Magnesiumlegierungen für die Gehäuse verwenden und die Anschlüsse sowie das „Innenleben“ deshalb bestens geschützt sind. Wir haben eine der niedrigsten jährlichen Ausfallraten in der Computerbranche und kurze Reparaturzeiten.

Worauf sollten Anwender letztlich beim Kauf von Rugged Devices achten (auch hinsichtlich Betriebssystem, Mobile Device Management...)?
Plouvier-Leupers:
Da kommt es natürlich immer darauf an, was in der jeweiligen Anwendung gefragt ist. Wo unterbrechungsfreies Arbeiten wichtig ist, da braucht man lange Akkulaufzeiten, wer mit komplexen Darstellungen arbeitet, benötigt exzellente Grafik- und Displayeigenschaften.

Robustheitsgrad, hohe Funktionalität, Leistung und Bedienkomfort sind wichtige Aspekte und das Preis-Leistungsverhältnis sollte natürlich stimmen. Beste Garantieleistungen und Service-Politik garantieren hohe Zufriedenheit auch nach dem Kauf.

Wenn der Anbieter nicht nur Geräte, sondern maßgeschneiderte Mobile-Data-Lösungen bieten kann, ist das ebenfalls ein großer Vorteil. Bei uns wird das Solution Business groß geschrieben, es gibt eine umfassende Beratung und Komplettlösungen für individuelle Anforderungen. Das geht vom Zubehör wie Halterungen und Befestigungen bis hin zur Software.

Bildquelle: Getac

©2017 Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH