Qualitätssteigerung rechtfertigt in vielen Fällen den Einsatz mobiler Geräte für die Verfolgung von Waren und Produkten.
Dies gilt einerseits für den Versandvorgang an sich, wenn sich die Waren auf der Straße, der Schiene oder sonstwie auf dem Weg zum Adressaten befinden – Stichwort Tracking & Tracing. Es gilt aber ebenso für den Bereich der Intralogistik und schließt in der Folge auch die bessere Informationsversorgung der Unternehmensverantwortlichen mittels Smartphone- und Tablet-Apps ein.
„Der Vorteil mobiler Endgeräte ist, dass sie ein akzeptiertes und sogar beliebtes Frontend für die Anwender sind“, konstatiert Jakob Wößner, der bei der Unternehmensberatung Mieschke Hoffmann und Partner für die strategische Themenentwicklung zuständig ist. Daher ließen sich auch in der Logistik entsprechende Prozesse nahe an den Anwendern entwickeln, wodurch deren Standardisierung leichter zu erreichen sei. Wößner beschreibt damit in kurzen Worten, was viele Unternehmensverantwortliche sich seit langem von IT generell versprechen: Hohe Nutzerakzeptanz, die automatisch zu beschleunigten Abläufen führt.
Dass mobile Endgeräte in der (Intra-)Logistik und der gesamten Lieferkette zu einem schnelleren Materialfluss, weniger Lagervolumen und damit zu geringeren Kosten führen, ist eigentlich seit längerem kein Geheimnis mehr. Doch was sich in der Theorie gut anhört, stellt sich in der Praxis häufig anders dar. „In den letzten Jahren wurde die Einführung von ERP-Systemen auch im Mittelstand stark vorangetrieben. Dabei“, so Uwe Keddi, Mobile-Computing-Experte bei Rodata, „wurde sehr viel Wert auf die Produktion, Controlling, Rechnungswesen, Personalwirtschaft und Vertrieb gelegt“, wohingegen die Prozesse zur Materialwirtschaft eher stiefmütterlich behandelt worden seien. „Viele ERP-Systeme kennen nur Beschaffung, Ein- und Auslagerung“, fährt Keddi fort. Dabei verlören die Unternehmen den detaillierten Blick in die Lagerhaltung. Die Folge: Produktionsausfälle, Engpässe, Doppelbestellungen und Überfüllungen (siehe Interview S. 48).
Aus Keddis Aussagen wird nicht ganz klar, ob dieses Versäumnis nun bei den ERP-Herstellern zu suchen ist, oder ob nicht vielleicht die Anwender selbst den Bereich Logistik vernachlässigt haben. Andreas May, Geschäftsführer bei i:qu, einem Partnerunternehmen des ERP-Anbieters Oxaion, glaubt, dass viele Unternehmen erst in den letzten Jahren damit begonnen hätten, das brachliegende Potential, das IT-gestützte Logistik biete, zu erkennen und zu erschließen. Seiner Meinung nach sind es schon die einfachen Prozesse, die den Materialfluss deutlich erhöhen. Das dynamische Auffinden der Ware in den Regalen etwa oder das automatische Nachfüllen von Kommissionierbereichen sind nur zwei Beispiele. „Aber auch beim Wareneingang lässt sich die Ware durch eine automatische Ziellagerfindung schneller und genauer weitertransportieren.“
Grundsätzlich sieht Emil Pfrang, Leiter der Software-Entwicklung bei der Acteos GmbH, zwei Faktoren, die für den Einsatz mobiler Endgeräte in der Logistik sprechen, nämlich Prozessbeschleunigung und Qualitätssteigerung. Gerade die Qualitätssteigerung und damit die Vermeidung von Fehlern und Fehlerrisiken rechtfertige in vielen Fällen den Einsatz mobiler Geräte für die Verfolgung von Waren. Denn häufig verursache eine Falschlieferung zahlreiche Probleme, deren Bereinigung die Investitionen in mobilen Lösungen bei weitem überstiegen. Was die Prozessbeschleunigung anbelangt, sieht Pfrang vor allem Unternehmen mit einem
hohen, schnell abzuarbeitenden Transportaufkommen prädestiniert für mobile Lösungen. Schließlich könne jede noch so kleine Verbesserung zu einer deutlichen Steigerung des Durchsatzes führen.
Dennoch werden sich die Budgetverantwortlichen fragen, wie hoch das Transport- oder Versandvolumen letztlich sein muss, um ernsthaft eine Investition in eine mobile Lösung in Erwägung zu ziehen? – Die Eintrittshürde ist laut Astrid Weber niedrig, weshalb man die Entscheidung auch nicht am Versandvolumen festmachen sollte. Für die Geschäftsführerin von Weber Data geht es in erster Linie um das vorhandene Informationsbedürfnis und den Wert schnell verfügbarer Daten. Die Kosten stuft sie als vergleichsweise gering ein: „Wir haben für unsere Speditionssoftware verschiedene Web.Apps entwickelt, die zwischen 399 und 999 Euro kosten.“ Mithilfe dieser Apps sollen sich mobile Endgeräte leicht in die Lieferkette integrieren lassen. Auch Hermann Malek, Geschäftsführer der Dr. Malek Software GmbH, sieht keine kritische Größe hinsichtlich des Versandvolumens. Denn die Hardware sei ohnehin zu niedrigen Kosten verfügbar. Ähnliches gelte für die mobilen Applikationen, die oft auf Mietbasis genutzt würden. Als Beispiel nennt er die Logistiksoftware M3 All-in-One, die inklusive Blackberry je nach Flottengröße zwischen 52 und 99 Cent pro Tag kostet – unabhängig von der Anzahl der Nutzer im Büro.
Mobile Business in der Logistik scheint also ein branchenübergreifendes Thema, das die etablierten Unternehmensprozesse ergänzt, unterstützt und im besten Fall zu mehr Transparenz und Geschwindigkeit führt. Damit diese Feststellung allerdings nicht völlig vage im Raum steht, nennt Andreas May folgende Zahlen: „Werden in einem Betrieb über 100 Sendungen pro Tag oder über 100 einzelne Materialentnahmen für die Produktion organisiert, so sollte man über die Einführung mobiler Systeme nachdenken. Neben einem schnelleren Materialfluss wird gerade die Bestandssicherheit deutlich erhöht, so dass oftmals ein ROI zwischen 12 und 18 Monaten möglich ist.“
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