Mobiles Bezahlen setzt sich nicht durch

Mobile Payment: Wird NFC Standard?

Mobile Payment wird in Deutschland noch nicht angenommen. Es fehlt ein einheitliches Verfahren bzw. ein übergreifender Anbieter für das mobile Bezahlen.

  • Fragmentierter Mobile-Payment-Markt kämpft um Nutzerakzeptanz.

  • „Ja, Mobile Payment allein braucht kein Mensch. Aber es geht um mehr...", erklärt Nils Winkler, Aufsichtsratsvorsitzender bei Yapital.

  • „Im Prinzip ist die Bezahlmethode mit dem Smartphone nicht wirklich anders als eine normale Kartenzahlung", gibt Christian von Hammel-Bonten, EVP Telecommunications bei der Wirecard AG zu bedenken.

Die Idee hinter „Mobile Payment“ ist denkbar einfach: Anstatt ein dickes Portemonnaie mit zahlreichen Bank-, Kredit- und Kundenkarten in der Tasche mit sich herumzutragen, soll es das Smartphone an der Kasse richten, welches – so das liebste Argument der Fürsprecher – sowieso immer am Start ist. Doch warum erfreut sich diese angebliche Erleichterung dann bislang kaum an Beliebtheit?

Der Mobile-Payment-Markt in Deutschland zeichnet sich derzeit vor allem durch eine Vielzahl von Anbietern und verschiedenen Lösungen – ca. 30 an der Zahl – aus. Diese Fragmentierung führt dazu, dass der Smartphone-Nutzer am Point-of-Sale (POS) zunächst überlegen muss, mit welcher Technologie – hauseigener bzw. Bezahl-App oder Scan-Methode – er seine Rechnung begleichen kann. „Die starke Fragmentierung des Mobile-Payment-Marktes wirkt sich sehr kontraproduktiv auf die Akzeptanz und vor allem die Nutzung von echtem Mobile Payment aus.

Zu viele Lösungen für das Bezahlen mit dem Handy

Für den Durchbruch fehlt zurzeit ein großer Anbieter, der es durch einen klaren Nutzen und die Befriedigung des Sicherheitsbedürfnisses schafft, die Akzeptanz, Anmeldebereitschaft sowie das Vertrauen der Endkunden zu gewinnen“, bestätig Mirko Hüllemann, Geschäftsführer der Heidelberger Payment GmbH. Uwe Härtel, Regional Sales Director bei Gemalto hingegen sieht in der Angebotfülle auch eine Chance: „Die Vielzahl an Lösungen von verschiedensten Anbietern muss kein Hindernis für die Akzeptanz einer Technologie sein, sondern bewirkt eher, dass Lösungen entstehen, die besser auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten sind“.

Der Kunde hat an der Kasse, sofern er zu jener kleinen Gruppe der Bevölkerung gehört, der dem mobilen Bezahlen offen gegenüber eingestellt ist, die Qual der Wahl der richtigen Lösung. Die Frage nach dem Warum macht sich breit: Warum sich Gedanken über die „richtige“ Methode machen, wenn es auch einfach mit Bargeld oder Kreditkarte ginge? „Ja, Mobile Payment allein braucht kein Mensch“, so Nils Winkler, Aufsichtsratsvorsitzender bei Yapital. Diese Aussage zieht allerdings ein „Aber“ nach sich: „Es geht um das einfache, schnelle und sichere Bezahlen über alle Kanäle mit vielen Zusatzfunktionen: Transaktionen in Echtzeit einsehen, keine zeitraubende Eingabe von Bankdaten bei der Bezahlung von Rechnungen, in Echtzeit Geld an Freunde senden und vieles mehr. So entsteht Mehrwert,“ erklärt Winkler weiter. Die wirklich relevanten Vorteile, die dem Nutzer versprochen werden, sind überschaubar und haben mit dem reinen Bezahlvorgang nicht viel zu tun. „Weitere Benefits sind die Interaktion mit sozialen Netzwerken, personalisierte Dienste wie Coupons, Location-based Services, Angebote im Rahmen von Kundenbindungsprogrammen, Ratenzahlung und weitere Finanzdienstleistungen“, erklärt Christian von Hammel-Bonten, EVP Telecommuncations bei der Wirecard AG.

Völlig außer Acht gelassen wird zudem, dass „die Bezahlmethode mit dem Smartphone nicht wirklich anders als eine normale Kartenzahlung ist. Denn viele der heute verfügbaren mobilen Bezahllösungen verknüpfen eine Bezahlkarte mit ihrem Angebot. Zur Bezahlung verwendet der User aber nicht seine Karte, sondern sein Handy, in dem eine digitale Karten hinterlegt ist. Die Karte steht zur Bezahlung also weiterhin im Vordergrund. Sie hat nur einen anderen Formfaktor, beispielsweise als virtuelle oder mobile Karte, als NFC-Sticker oder als physische Dual-Interface-Karte mit integriertem NFC-Chip“, beschreibt Christian von Hammel-Bonten. Und trotzdem plädieren fast wöchentliche neue Start-ups und Jungunternehmer darauf, den Payment-Markt mit ihrer Lösung revolutionieren zu wollen – einzig der Erfolg bleibt bislang aus.

Ein einheitlicher Standard muss her

Die Funktechnologie NFC (Near-Field-Communication) habe, so heißt es, das Potential, dem mobilen Bezahlen im Einzelhandel zum Durchbruch zu verhelfen, indem Kunden an jedem Kassenterminal mit dem Smartphone bezahlen können. Dies ist allerdings nicht der Fall – Anbieter brüsten sich zwar mit tausenden vorhandener Akzeptanzstellen, zum größten Teil handelt es sich dabei allerdings um große Filialketten. Jene Großen haben ihre Terminals aktualisiert beziehungsweise komplett neue Geräte in Betrieb genommen. Kleine Einzelhändler scheuen solche Investitionen und kostenintensive Anschaffungen jedoch. Etwa 35.000 dieser Terminals gibt es in Deutschland, Anbieter erwarten indes in den nächsten Jahren eine Verzehnfachung.

NFC-fähige Terminals alleine reichen allerdings nicht aus, auch die Smartphones müssen die Technologie unterstützen. Dies ist inzwischen bei den meisten neuen Android-Modellen der Fall, und auch Windows Phone und Blackberry statten ihre Geräte entsprechend aus. Das iPhone jedoch nicht und es ist nach wie vor fraglich, ob es überhaupt jemals dazu kommen wird. Trotzdem „hat das Research-Institut IHS Technology prognostiziert, dass NFC bis zum Jahr 2018 in 64 Prozent aller Smartphones standardmäßig integriert sein wird. Im Jahr 2013 lag diese Quote bei mageren 18,2 Prozent“, weiß Christian Hammel-Bonten zu berichten. Hinzu kommt:  NFC-Unterstützung allein genügt nicht. Zusätzlich ist eine entsprechende SIM-Karte notwendig, auf der ein sogenanntes Secure-Element hinterlegt ist. Weiterhin bedarf es  einer entsprechende App nebst Registrierung. Zum Vergleich: Annähernd jede neue Kreditkarte wird heute mit NFC ausgestattet, die das kontaktlose Bezahlen möglich macht.

Im Gegensatz zu NFC erfreut sich eine andere Technologie immer größerer Aufmerksamkeit: Bluetooth Low Energy (BLE). Ein direkter Vergleich ist aufgrund der verschiedenen Einsatzzwecke und der Technologie zwar nicht möglich, trotzdem setzen bereits einige Anbieter von Bezahl-Apps auf diese Plattform, die herstellerunabhängig ist und daher auch von Apple-Geräten genutzt werden kann. Die Funktechnik, die auf einem Sender-Empfänger-Prinzip basiert, sendet per Beacons (Sender) ein kontinuierliches Signal, das von einem Smartphone erkannt wird. Bislang wird diese Methode aufgrund der Reichweite von bis zu 30 Metern als Indoor-Navigation oder Marketinginstrument eingesetzt. So hat z. B. ­Barcoo zusammen mit Mymuesli ein Pilotprojekt in München gestartet, bei dem eine Push-Nachricht dazu auffordert, das Geschäft aufzusuchen.

Auch mobile Bezahlverfahren sind theo­retisch möglich. So kündigte Yapital in Kooperation mit dem Spezialisten für Kassensysteme und elektronischen Zahlungsverkehr POSPartner bereits Anfang dieses Jahres die Integration der BLE-Technologie in die eigene App an. Dies ermöglicht künftig auch dort die Verbindung zwischen Smartphone und Kasse, wo kein ausreichendes Mobilfunknetz – etwa in manchen Einkaufszentren – vorhanden ist. „Mit BLE werden wir das Funklochproblem im Mobile Payment lösen“, ist sich Nils Winkler sicher.

Biometrisches Bezahlen

Während das mobile Bezahlen mit dem Smartphone um seine Etablierung kämpft und Anbieter um Akzeptanz buhlen, arbeiten bereits einige Hersteller an einer Alternative, die irgendwann einmal sogar ohne Smartphone auskommen könnte. Die Rede ist von biometrischen Authentifizierungsverfahren. Der Vorteil liegt im wahrsten Sinne des Wortes auf der Hand: Die einzigartigen Erkennungsmerkmale könnten zusätzliche Hardware ersetzen. Dazu eignen sich etwa das Auge (Iris-Scan), der Fingerabdruck, Gesichtserkennung oder sogar der Herzschlag. Apple und Samsung machen es mit ihren aktuellen Smartphone-Modellen und einem verbauten Fingerabdrucksensor vor. Während das iPhone 5S über dieses Authentifizierungsverfahren Zahlungen innerhalb von iTunes ermöglicht, ist Samsung schon einen Schritt weiter. In jedem Onlineshop, der Paypal als Bezahlmethode anbietet, genügt der Fingerabdruck als Kaufbestätigung.

Auch Mastercard findet scheinbar Gefallen an diesem Gedanken und hat sich im letzten Jahr der FIDO-Allianz (Fast Identity Online), die sich für einen Industriestandard zur Vereinfachung von Bezahlprozessen und das Ersetzen von Passwörtern durch biometrische Authentifizierung einsetzt, angeschlossen. Einiges spricht dafür, dass das biometrische Bezahlen tatsächlich Realität werden könnte. In Japan und Polen werden beispielsweise schon seit längerem Auszahlungen an Geldautomaten mithilfe eines Infrarot-Scanners legitimiert. Da ist der Weg bis an die Kasse nicht mehr weit.

Bildquelle: Thinkstock/ iStock

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