Axel Oppermann, Analyst bei der Experton Group
Herr Oppermann, wie wird sich nach Ihrer Einschätzung der App-Markt durch das Erscheinen der neuen Windows-Versionen verändern?
Axel Oppermann: Windows 8 wird allein durch die Anzahl der zu erwartenden installierten Einheiten ein lukrativer Markt für Entwickler. Dank der weltweiten Verfügbarkeit ist der internationale Vertrieb vergleichsweise leicht möglich. Microsoft übernimmt dabei das Factoring, was aber die übliche Kostenrechnung mit Entwicklung, Werbung und so weiter nicht außer Kraft setzt.
Bei Windows Phone 8 sieht die Lage etwas anders aus. An sich sollte Microsoft mit seinem Smartphone-Windows den dritten Platz hinter Android und iOS einnehmen. Aber trotzdem werden reine WP-Apps für die breite Masse der Entwickler keine große Bedeutung haben.
Aber wegen des einheitlichen Betriebssystemkerns können Entwickler die gesamte Hardware mit einer App bedienen. Dies sorgt für Präsenz in der Windows-Welt und einen Anteil an einem möglichen Wachstum.
Im Mobilbereich sind Apps sehr wichtig. Kann Microsoft hier mithalten?
Oppermann: Für Microsoft ist es enorm wichtig, zur Markteinführung von Windows 8 und Windows Phone 8 eine Vielzahl von Apps anbieten zu können. Hierzu gibt es umfassende Betreuungsmaßnahmen. Außerdem hat Microsoft den Marktplatz sehr attraktiv gestaltet. Damit sollte sehr schnell eine hohe Akzeptanz erreicht werden – bei Entwicklern und Anwendern.
Ein Sonderfall sind die speziellen Business-Apps, etwa für CRM oder ERP. Es wird sicher mindestens drei bis fünf Jahre dauern, bis eine große Zahl an Businessanwendungen im Metro-Design erscheinen wird. Das neue System bietet allerdings viele Möglichkeiten für Unternehmen. Von Vorteil ist dabei ein ganzheitlicher Ansatz, beginnend bei der Planung über die Integration von Daten bis hin zur Präsentation/Bereitstellung gegenüber dem Anwender.
Eine große Chance für Businessanwendungen sind dabei sicher Apps, die mit der Kombination „Mobile + Social + Cloud“ arbeiten – ein wichtiger Trend in der Welt der Businessanwendungen.
Das scheinen gute Aussichten zu sein. Doch noch ist der Mobilmarkt nicht erobert. Wird Microsoft einen garantierten Hit landen?
Oppermann: Microsoft wird es nicht einfach haben. Im Vergleich mit der Einführung anderer Windows-Generationen sind die Karten neu gemischt und es gelten andere Spielregeln. Diesmal sitzen von Anfang an viele hochkarätige Spieler wie Apple, Google oder die Carrier am Tisch, und es ist erkennbar, wie schwer Microsoft sich hier tut – der Wettbewerb ist zu stark.
Das gewohnte Geschäftsgebaren wie Protektionismus oder die Abhängigkeit von Plattformen und Software greifen in diesem Markt nicht. Stattdessen gibt sich Microsoft betont offen. So sollen die Anbieter von Inhalten und Apps flexible Geschäftsmodelle erhalten, z.B. bezahlte Apps, Abonnements oder In-App-Käufe.
Außerdem gibt Microsoft deutliche Signale an die Wettbewerber. Während Apple von jedem Umsatz auf seiner Plattform einen Anteil kassiert, verzichtet Microsoft auf Provisionen aus In-App-Käufen. Es ist aber fraglich, wie lange Microsoft auf diese lukrativen Umsätze verzichten will.