07.03.2017 Mordermittlung in den USA

Mordfall? Amazon gibt Alexa-Daten doch heraus

Daten von Amazons Sprachassistentin Alexa werden in einer Mordermittlung in den USA ausgewertet. Amazon gab seinen Widerstand gegen den entsprechenden Antrag der Ermittler auf, nachdem der Verdächtigte selbst der Herausgabe der Informationen zustimmte.

Der Echo-Lautsprecher von Amazon hat sieben Mikrofone, die darauf warten, dass das Schlüsselwort «Alexa» fällt. Foto: Franziska Gabbert

Der Echo-Lautsprecher von Amazon hat sieben Mikrofone, die darauf warten, dass das Schlüsselwort «Alexa» fällt. Foto: Franziska Gabbert

Es geht um Mordermittlungen in den USA, bei denen die Daten des smarten Lautsprechers Alexa möglicherweise weiterhelfen könnten: In dem Fall war ein Bekannter des Alexa-Besitzers im Herbst 2015 nach einer durchzechten Nacht tot in dessen Whirlpool gefunden worden. Die Ermittler vermuten einen vertuschten Mord, der Angeklagte weist die Anschuldigungen zurück.

Die Polizei erhofft sich von den Daten aus Amazons Netz-Lautsprecher Echo unter anderem Informationen darüber, ob jemand in der Nacht im Haus wach gewesen und die Assistentin Alexa aktiviert haben könnte. Der Beschuldigte hatte erklärt, dass er geschlafen und seinen Bekannten erst am Morgen tot vorgefunden habe.

Die Ermittler schöpften jedoch Verdacht, weil sie mutmaßliche Kampfspuren fanden und der vernetzte Wasserzähler den Verbrauch von mehr als 500 Litern Wasser zwischen 1.00 Uhr und 3.00 Uhr morgens meldete. Die Polizei vermutete, dass damit möglicherweise Blut weggespült worden sei. Der Gerichtsmediziner kam schließlich zu dem Schluss, dass der Tote erwürgt worden sei.

Smarter Wasserzähler belastet Verdächtigen

Der an sich nicht ungewöhnliche Kriminalfall sorgte für Aufsehen gesorgt, weil es die erste bekanntgewordene Anfrage nach Daten eines smarten Assistenten aus einem vernetzten Lautsprecher war. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass es mit der Verbreitung vernetzter Technik häufiger dazu kommen wird.

Der Echo-Lautsprecher hat sieben Mikrofone, die darauf warten, dass das Schlüsselwort «Alexa» fällt, erst dann aktiviert sich das Gerät und schickt die Sprachbefehle zur Verarbeitung in die Cloud weiter. Dabei werden neben der Frage an Alexa auch kurze Tonfragmente davor und danach aufgezeichnet. Manchmal werden die Geräte auch versehentlich aktiviert, wenn die Software meint, das Wort «Alexa» gehört zu haben. Über das Amazon-System lassen sich auch vernetzte Geräte in einem Smart Home per Stimme steuern.

dpa/rs

Links:

Gerichtspapier zum Einlenken von Amazon

Durchsuchungsbefehl mit Informationen zum Fall

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