16.12.2016 Standardisiertes Kartenmaterial

Navidaten für das autonome Fahrzeug

Von: Kathrin Zieblo

Ob teilautonom oder vollautomatisiert: Selbstfahrende Fahrzeuge benötigen hochgenaue digitale Straßenkarten, deren Informationsgehalt über dem der üblichen Navigationsdaten liegen muss. Mit Dr. Volker Sasse, Vorstandsvorsitzender des NDS e.V., sprach MOBILE BUSINESS über die Bedeutung dieser Daten.

  • Dr. Volker Sasse, NDS e. V.

    „Die Kartendaten sind mit einer relativ geringen Genauigkeitsanforderung von einigen Metern wichtig für die Navigations- und Entertainmentdienste", berichtet Dr. Volker Sasse, NDS e. V.

Herr Sasse, die Anforderungen an Navigations- und Straßendaten steigen mit Blick auf selbstfahrende Fahrzeuge. Welche Rolle spielt NDS e.V. (Navigation Data Standard) in diesem Zusammenhang?
Dr. Volker Sasse:
Der NDS e.V. mit seinen international 30 Mitgliedern wurde zur Standardisierung von Karten für Infotainment-Systeme im Fahrzeug gegründet. Die Mitglieder setzen im Rahmen des autonomen Fahrens fort, was sie bei der Navigation begonnen haben. So wurden  Formate entwickelt, die den Herausforderungen, wie Genauigkeit und stetige Aktualisierung, gerecht werden. Diese Formate werden als freie Download-Version zur Verfügung gestellt. Zudem hat der Verein 2015 das „Open Auto Drive Forum“ initiiert, in dem Erweiterungen und Synchronisierungen zwischen Organisationen diskutiert und gefördert werden.

Ziel ist also ein weltweiter Standard für automobiltaugliche Navigationslösungen. Warum ist das entscheidend?
Sasse:
Im Rahmen der Globalisierung werden Systeme zur Navigation und zum autonomen Fahren weltweit vertrieben. Hierbei gibt es verschiedene Partnerschaften. Um effektiv arbeiten zu können, um Kosten und Zeit zu sparen und um gegebenenfalls Partnerschaften wechseln zu können, benötigt man Standards.

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Worauf kommt es bei den Kartendaten für autonome Mobilität im Besonderen an?
Sasse:
Auch wenn digitale Karten nicht die primäre Informationsquelle darstellen – dies sind eher die Sensoren im Fahrzeug –  so wachsen doch die Anforderungen an diese Karten stetig. Die Kartendaten sind mit einer relativ geringen Genauigkeitsanforderung von einigen Metern wichtig für die Navigations- und Entertainmentdienste. Desweiteren spielt die Aktualisierung der Daten für diese Dienste eine wichtige Rolle. Die Karten müssen eine Genauigkeit im Dezimeterbereich erfüllen und die Aktualität geometrischer Veränderungen der Karte muss soweit wie möglich erhöht werden.

Immer häufiger ist von selbstlernenden Karten die Rede. Was steckt dahinter?
Sasse:
Ein Fahrzeug ist mit diversen Sensoren ausgestattet und damit in der Lage, seine Sensordaten mit den Kartendaten zu vergleichen sowie Abweichungen festzustellen. Somit wird ein einzelnes Fahrzeug temporär lernen, seine Karte zu korrigieren. Nun bilden diverse Fahrzeuge mit dieser Fähigkeit ein System mit aktuellen Informationen. Wenn eine große Menge von Fahrzeugen einem Cloud-Server korrigierende Information liefert, dann kann dieses System lernen und zusätzlich gelernte Kartenänderungen wieder allen Fahrzeugen zur Verfügung stellen.

Bislang machten sowohl das Google-Auto als auch der autopilot-gesteuerte Tesla mit Unfällen von sich reden. An welchen Stellen müssen Automobilhersteller, Software-Entwickler und auch die Politik in Zukunft besser zusammenarbeiten?
Sasse:
Automobilhersteller sollten zusammenarbeiten, um die Applikationen des autonomen Fahrens zu optimieren und die Menge der von Fahrzeugen gesammelten Informationen auf ein effektives Niveau zu bringen. Im Bereich der Software gibt es die spezielle Herausforderung der Sicherheit. Hier scheint es noch Kooperationsbedarf zu geben. Zudem muss die Politik  die Gesetzesgrundlagen schaffen, um die Verantwortlichkeiten der beim autonomen Fahren beteiligten Parteien zu definieren.

Ab wann wird das autonome Fahrzeug massenmarkttauglich sein?
Sasse:
Die Prognosen schwanken je nach zugrundegelegten Parametern. Technisch scheint das autonome Fahren leichter zu lösen zu sein als politisch. Auch die Infrastruktur spielt eine Rolle. Der Bedarf ist je nach Land sehr unterschiedlich und auch die finanziellen Möglichkeiten üben  Einfluss auf eine konkretere Umsetzung aus. Spannend dürfte es in Japan werden: Dort hat man sich vorgenommen, im Rahmen der Olympischen Spiele im Jahr 2020 auf sämtlichen Autobahnen autonom fahrende Autos zuzulassen.


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