17.03.2017 Autonome Fahrzeuge und Verkehrsdaten aus der Cloud

Navigation: Zukünftige Einsatzmöglichkeiten

Navigationssysteme sind nützliche Helfer für die Bewältigung des Straßenverkehrs. In immer mehr Neufahrzeugen befinden sich solche Systeme bereits bei der Auslieferung. Doch was erwartet die Nutzer im Jahre 2021 und darüber hinaus?

In Zukunft werden Verkehrsdaten nicht nur zur reinen Navigation verwendet.

Urbanisierung

Mit Urbanisierung ist die Ausbreitung städtischer Lebensformen gemeint. Immer mehr Menschen leben in Städten, und die Zahl der Bewohner wird insbesondere in den ohnehin schon großen Städten sprunghaft ansteigen. Bei zu erwartender erhöhter Komplexität und gleichzeitig zu erwartenden häufigen Änderungen des Straßenbilds und der Verkehrsführung wird zwingend eine präzise und auf aktueller Datenbasis stattfindende Navigation benötigt.

Hinzu kommt, dass der erwartete Anstieg von elektrisch betriebenen Fahrzeugen eine völlig neue Priorisierung der Fahrwege benötigt. Es wird neben der Festlegung der schnellsten Route auch wichtig werden, je nach Ladezustand und Reichweite das Erreichen von Ladestationen zu berücksichtigen.

Autonomes Fahren

Das autonome Fahren in den Ballungszentren wird in den kommenden Jahren zügig weiterentwickelt werden. Auch wenn die Menschheit vom vollständig automatisierten Fahren noch einige Jahre entfernt ist, so gilt dennoch, dass die wichtigste Grundlage für alle weiteren Schritte ein verlässliches und permanent aktualisiert vorgehaltenes Datenmaterial ist. Zukünftige Systeme werden nicht nur eine Routenplanung vorhalten, sondern auch die relevanten Informationen der im Verkehr befindlichen anderen Fahrzeuge berücksichtigen. Bis es soweit ist, benötigen die Systeme aber noch eine deutliche Steigerung der Präzision.

Ein Weg, diese Verbesserung zu erreichen, ist die Verwendung von Positionierungssystemen auf Basis von Monoview-Kameras. Diese Systeme analysieren das sich am Fahrzeug vorbeibewegende Bild und gleichen die Daten mit den dynamischen Navigationsdaten ab. Sie können Straßenverläufe und Gebäude erkennen und mit der Karte abgleichen. So wird die Positionsberechnung unter Berücksichtigung von Geschwindigkeit und Bewegung noch präziser erfolgen.

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Navigation in der Cloud

Die Zukunft der Navigation findet nicht mehr in den Autos statt, sondern außerhalb in Rechenzentren in der Cloud. Die Komplexität der zukünftigen Rechenaufgaben und der benötigten Datenaktualität und -menge lässt sich in absehbarer Zeit nicht in Bordsysteme integrieren. Hinzu kommt, dass mit fest verbauten Recheneinheiten im Fahrzeug bereits bei Auslieferung des Fahrzeugs keine aktuelle Hardware zum Einsatz kommt.

Zukünftig erhält daher das System im Auto die fertig gerechneten Informationen, die von leistungsfähigen Systemen, mit Zugriff auf die aktuellsten Daten, in der Cloud errechnet werden, und bildet lediglich die Routenführung ab. Das ermöglicht darüber hinaus, die Routenplanung mit anderen in der Cloud vorhandenen Informationen anzureichern. Heißt: Stau- und Verkehrsflussmeldungen können in Echtzeit ebenso verarbeitet und bei der Routenempfehlung berücksichtigt werden wie die Belegungssituation an verschiedenen Ladestationen für elektrische Fahrzeuge oder die jeweilige Parkplatzsituation zum Zeitpunkt der Ankunft. Zukünftige Systeme werden uns außerdem Entscheidungen abnehmen können. Bei zu hoher Verkehrsdichte und gefüllten Parkhäusern werden „Park & Ride“-Plätze angefahren und die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs angeboten.

Alternde Gesellschaft

Dank moderner Medizin und ständig verbesserter Versorgung werden Menschen jenseits des Alters 80+ zukünftig einen großen Teil der Gesellschaft ausmachen. Neben der zunehmend gewünschten Vereinfachung von Navigation erfordert dieser Umstand auch die Berücksichtigung der gesundheitlichen Parameter und das aktive Monitoring der Vitalfunktionen – z.B. um medizinische Hilfe zu verständigen, aber auch, um das Fahrzeug zu stoppen und aus der Gefahr zu bringen. Hierzu hat z.B. Neusoft Automotives vor einigen Jahren ein Lenkrad entwickelt, das mit Sensoren ausgestattet ist und die Vitalfunktionen der fahrenden Person berücksichtigt.

Vereinfachungen für den Nutzer und Hightech

Zukünftige Systeme werden die Windschutzscheibe noch stärker als bisher nutzen, um für die Fahrt relevante Informationen und Daten einzuspiegeln. Diese großflächigen Head-Up-Displays ermöglichen die Einspiegelung von Verkehrsinformationen und Wegführungen direkt in die Windschutzscheibe. In Verbindung mit Kameras in der Fahrzeugfront ermöglichen diese Displays den simultanen Abgleich der realen Ansicht mit den Navigationsdaten. Das geht soweit, dass die Position des Kopfes vom Fahrer berechnet werden kann, um die eingespiegelten Daten gemäß der Kopfposition zu korrigieren. Auf jede Bewegung des Kopfes und des Fahrzeuges erfolgt dann die angepasste Projektion.


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