Durch den Kauf von Nest Labs verkauft Google jetzt auch Produkte für die Heimautomatisierung
Herzlichen Glückwunsch, Google hat es mal wieder allen gezeigt: Wie erzeugt man den lautestmöglichen Buzz mit den größtmöglichen WTF-Fragezeichen in den Gesichtern der IT-Auguren? Man kauft für ein paar Fantastilliarden das Smart Home-Unternehmen Nest Labs, dessen Produkte ein Thermostat und ein Rauchmelder sind.
Nest Labs ist ein Startup aus Palo Alto, das sich seit 2010 auf Produkte für das Smart Home spezialisiert hat. Zu den Gründern gehört auch Ex-Appel-Mitarbeiter Tony Fadell, der für Konzeption und Design des iPods verantwortlich war. Das sieht man den beiden Produkten an und es sicher eine tolle Sache, wenn Thermostate und Rauchmelder nicht so aussehen, als habe genau kein Designer an der Konzeption mitgewirkt.
Smartphone für Smart Home
Bisher war Nest eher an Apple angelehnt. Eine iOS-App erlaubt es dem Besitzer des Temperaturreglers beispielsweise, die Raumtemperatur auch von unterwegs zu checken. Diese Anbindung an das Smartphone entspricht einem Megatrend: Auf der CES (Consumer Electronics Show) in Las Vegas gab es sogar Kochtöpfe mit App-Fernsteuerung.
Es war amüsant zu lesen, wie sich die Kommentatoren einen Reim darauf zu machen versuchten. Eine kleine Blütenlese gefällig? Hier: „Google will in unsere Schlafzimmer“, „Die greifen damit Daten für Werbung ab“, „Es geht in erster Linie um die Entwickler“, „Google ist irre“ und „Google sucht einen Körper für die Künstliche Intelligenz“. Da haben nicht immer nur die Köpfe geraucht.
Natürlich geht es um das Internet of Things und natürlich hat das auch mit den insgesamt acht Robotik-Unternehmen zu tun, die Google in der letzten Zeit gekauft hat. Ist Google also Skynet? Denn es wirkt tatsächlich ein wenig unheimlich, was Google seit einigen Jahren so treibt. Erstens das automobile Auto, zweitens Google Glass, drittens Robotik und viertens Smart Home.
Es wirkt so, als besetze Google vorab ein paar Produktinseln, die in einem noch zu bildenden Netzwerk der Maschinen liegen. Dieses Netz ist bislang noch Zukunftsmusik, doch seine Umrisse zeichnen sich bereits ab. Es wird neben den herkömmlichen Computern und Mobilgeräten viele Wearables vor allem für Fitness und Gesundheit enthalten, manche herkömmlichen Haushaltsgeräte, Maschinen für die Heimautomatisierung, Autos, Roboter aller Art und vieles andere mehr.
Werbung unter der Dusche
Wahrscheinlich wird das zukünftige Internet of Things zu mehr als der Hälfte aus Gerätetypen bestehen, die heute noch vollkommen unbekannt sind. Geht es dabei wirklich nur darum, uns auch unter der Dusche, im Keller oder zwischen den Laken individualisierte Werbung anzuzeigen? Hoffentlich nicht, auch wenn mancher Hardcore-Marketer bei der Vorstellung mit der Zunge schnalzen dürfte.
Tatsächlich verdient Google in erster Linie nur mit Werbung richtig viel Geld. Aber ist das auch ein zukunftssicheres Geschäftsmodell? Google scheint das mit seinen Engagements in anderen Bereichen selbst zu verneinen. Außerdem ist nicht jedes Google-Produkt ein Knaller und an manchen Diensten verliert der IT-Gigant nach einiger Zeit gerne mal das Interesse. Durch die Engagements in Robotik und vernetzten Alltagsgeräten kauft sich Google eine Ressource, die in sehr großen Unternehmen leicht zur Neige geht: Innovationen und Innovatoren.
Hinter seinem vordergründigen Bild als pfiffig-schräge Firma mit Rutschbahn im Parterre und Muckibude unterm Dach konnte Google recht gut verbergen, dass es ein gigantischer Weltkonzern ist - und nicht das grundsympathische Startup im Inkubator zwei Blocks weiter. Und nicht jeder verfällt in Schockstarre, wenn er dort arbeiten darf, sondern stellt fest: Konzernstrukturen sind immer Konzernstrukturen, auch im Bällebad des Fun.
Bildquelle: Nest Labs