Informationstechnologie in der Schule

Nicht der billige Jakob der Bildung

Auf der Didacta in Stuttgart gab es neben klassischen Lehrmitteln viel IT und noch mehr Apps, präsentiert von den Großen der Branche und zahlreichen Mittelständlern.

Die Didacta ist die Leitmesse für Bildung

E-Learning, digitales Lernen, mobiles Lernen, das digitale Klassenzimmer - alles Stichworte für einen großen Trend. Vor allem in der betrieblichen Weiterbildung ist er inzwischen zu einem riesigen Markt geworden. Vorreiter ist die IT-Branche, mit zahlreichen Selbstlernkursen für Admins und IT-Servicemanager.

Doch auch für Schule und Studium gibt es viele Lösungen und eine Menge Unternehmen haben sich auf Schul-IT spezialisiert. Aber auch die bekannten, großen IT-Anbieter sind in diesem Bereich aktiv. So haben etwa 160 Schulen in Deutschland versuchsweise iPad-Klassen eingerichtet. Apple unterstützt so etwas gerne, hofft es doch auf mehr Verkäufe und (so mutmaßen Kritiker) auf das Heranwachsen von noch mehr Kunden.

Doch auch IT-Unternehmen aus dem Mittelstand sind in der Bildung aktiv. Eine Produktgattung ist die Komplettlösung inklusive WLAN, virtuellen Desktops und den entsprechenden Clouddiensten. So bieten Microsoft-Reseller mit Spezialgebiet Schule ein vollständiges Office 365 für Lehrer und Schüler. Abgerundet wird so eine Lösung dann mit Servern, Whiteboards, Notebooks und Tablets.

Apropos Microsoft: Das Unternehmen ist im Bereich Bildung auch selbst aktiv. Auf der Didacta stellte Microsoft zusammen mit dem Schulbuchverlag Cornelsen die Lehrerplattform Scook vor. Dort finden die Lehrkräfte digitale Ausgaben der Schulbücher des Verlags und können sie für die Unterrichtsvorbereitung einsetzen. Voraussetzung ist aber der Kauf des gedruckten Buchs.

Lehrerplattform Scook

Microsoft unterstützt Scook mit einer Schnittstelle zu den Online-Apps von Office 365. In Zukunft soll die Plattform auch für Schüler geöffnet werden. Die Lehrerverbände sehen solche Initiativen allerdings nicht nur positiv, denn dadurch entsteht eine gewisse Abhängigkeit von den Angeboten der IT-Riesen.

Doch es gibt auch jede Menge kleine Lösungen, die sogar von Schülern für ihre eigenen Zwecke genutzt werden können. So zum Beispiel die Vokabeltrainer der Mobilinga GmbH. Sie bringen das Leitner-Karteikartensystem auf das Smartphone. Damit verwandt sind generische Lernkartensysteme wie die XPLAIN-Lernkarten oder Cobocards, mit denen sich viele Lernthemen besser einprägen lassen.

Dies zeigt: Smartphone und Tablet werden zur alltäglichen Lernhilfe. Sie sind immer dabei, schnell angeschaltet und im Gegensatz zu einer echten Pappkartei nicht so umständlich in der Handhabung. Das Lernen von Fakten oder Vokabeln wird durch die Apps zwar nicht spannender, lässt sich aber komfortabler erledigen, auch zwischendurch in Bus oder Bahn.

Realität in den Schulen?

Und wie sieht die Realität in den Schulen aus? Es herrscht das allumfassende Handy-Verbot, denn die Schüler könnten ja spicken, lügen und betrügen. Oder gleich dem Unterricht die kalte Schulter zeigen und via Messenger ein paar Dates klarmachen.

Der Unterschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit lässt sich besonders gut auf der Didacta sehen: Es wimmelt von Whiteboards, Notebook-Klassen, Schüler-Tablets, Lernsoftware, Reverted Classrooms und so weiter und so fort.

Wer sich an wirklichen Schulen auskennt, sollte die unten verlinkte Pressemitteilung zum digitalen Klassenzimmer a la Sony unter keinen Umständen lesen: Ein Weinkrampf könnte die Folge sein. Klar, es handelt sich hier um Unternehmens-PR und der Knackpunkt ist, dass die Schulen viel Geld für viel Hardware ausgeben sollen.

Trotzdem zeigt sich an solchen Konzepten, dass viele Schulen hinterherhinken. Das hat zwei wichtige Gründe. Der eine verschwindet jetzt langsam im Dunst des Rentenalters: Technikfeindliche Pädagogen, die sich dem Computer und erst recht dem Internet verweigern.

Doch die jüngeren, in der Mehrzahl an den Umgang mit Computer, Internet und Mobilgerät gewöhnten Lehrkräfte werden sich noch geraume Zeit mit dem zweiten Grund für die digitale Rückständigkeit unseres Schulsystems herumschlagen: Kein Geld.

Kein Geld für Bildung

Die Bildungsausgaben sind in den letzten Jahren tendenziell gesunken und viele der mit großem Aplomb angekündigten Reformen wie G8, frühe Einschulung, selbstorganisiertes Lernen oder Inklusion erweisen sich bei näherer Betrachtung als verdeckte Sparmaßnahme.

Diese Tendenz hat auch die Unis erreicht. Die aktuelle Euphorie für Online-Vorlesungen (MOOCs) geht auch wieder in diese Richtung, denn wenn Studenten anhand von Videos lernen, müssen die Unis keine Dozenten einstellen.

Ein großer Teil des Misstrauens in den Lehrerkollegien kommt aus der frustrierenden Erfahrung heraus, dass moderne Informationstechnologie zur Unterstützung von Lernprozessen häufig bloß als billiger Jakob eingesetzt wird. Da wird „Digitales Lernen“ dann zum Synonym für „Schmalspurbildung“.

Bildquelle: Messe Stuttgart

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