03.03.2017 Longreads für das Wochenende

Nicht so tolle Startups aus der Bay Area

Von: Ingo Steinhaus

Startups geben sich gerne ein möglichst flauschiges Image, das dann häufig den Realitätstest nicht besteht.

Uber gilt ohnehin nicht als besonders sympathische Firma, doch jetzt sind vermutlich auch die letzten positiven Image-Reste ausgelöscht. Zuerst meldete sich eine ehemalige Uber-Mitarbeiterin und berichtete von einigen extrem unangenehmen Erlebnissen mit Führungskräften in diesem Unternehmen. Normalerweise sollte ein Belästiger sofort fliegen, doch die Uber-HR hat entschieden, ihn zu decken und das Problem auszusitzen. Das kam in der Öffentlichkeit nicht so gut an.

Dann hat Uber-CEO Travis Kalanick seinen eigenen Service benutzt, was unerwartet endete: Der erboste Fahrer hat ihm kräftig den Kopf gewaschen. Jeder halbwegs geschickte Chef hätte jetzt ganz, ganz vorsichtig nachgefragt, was los ist und wie er helfen könne und überhaupt. Nicht so Nullsympath Kalanick, er bollerte einfach drauflos. Und das Ganze ist natürlich auf YouTube zu sehen.

Dieses Unternehmen hat ganz offensichtlich ein Problem, das sich durch alle Hierarchiestufen zieht. Kein Wunder, denn der CEO erzeugt die Unternehmenskultur. Was er vorgibt, wird gelebt. Einen Lerneffekt gibt es bei Uber bisher aber nicht: Das Unternehmen hat ein Rudel Anwälte losgehetzt, um Staub aufzuwirbeln und zu sehen, was hängen bleibt.

Wieder ein Beispiel dafür, dass die Startup-Seligkeit mit lauschigen Sitzsackecken, Bällebädern und veganen Snacks für zwischendurch eher ein Ding des Marketings ist. Das hat sich bereits vor einem Jahr gezeigt, als die Yelp-Mitarbeiterin Talia Jane in einem offenen Brief an ihren CEO die in der Bay Area nicht ausreichenden Löhne beklagte. Die Konsequenz: Sie flog raus.

Ein Jahr später ist sie wenigstens nicht mehr arbeitslos, aber so richtig auf die Beine gekommen ist sie noch nicht. Das liegt sicher auch daran, dass die berühmten "Entry Level Jobs" (vulgo Hiwi/Prakti-Aufgaben) nicht nur ausgesprochen schlecht bezahlt, sondern auch gering angesehen sind - eine Sackgasse also. Es ist relativ schwer, sich aus diesem Tal der Tränen wieder hochzuarbeiten.

Etwas besser ist das Dan Lyons gelungen. Der ehemalige Newsweek-Journalist und jetzige Autor für die Comedy-Serie "Silicon Valley" hat zwischen diesen beiden Jobs im Marketing für das Startup HubSpot gearbeitet. Er hat seine Erfahrungen als schriftstellerischen Rohdiamanten interpretiert und daraus neben Sitcom-Gags ein lustig-bissiges Buch gemacht, dass es sogar auf Deutsch gibt. 

Bildquelle:  Tinkstock

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