Carrier IQ

Niemand vertraut den Telkos

Ist Carrier IQ jetzt doch nicht so schlimm? Die eigentliche Lehre aus dem (vermeintlichen?) Skandal: Die Anwender trauen TK-Unternehmen alles zu.

Carrier IQ sieht doch nicht so viel

Schnüffelsoftware auf Smartphones - so lautete der Vorwurf an den Hersteller Carrier IQ, der Diagnoseprogramme für Smartphones vermarktet. Der Android-Entwickler Trevor Eckhart hatte seinen eigenen HTC-Androiden etwas genauer unter die Lupe genommen und dabei ein tief im Betriebssystem verborgenes Modul entdeckt. Es zeichnet seiner Ansicht nach Tasteneingaben und Inhalte von Websites auf.

Carrier IQ zeichnet keine Eingaben auf

Diese Entdeckung führte nach einiger Zeit zu einer ziemlich großen Welle an Aufmerksamkeit, unter anderem wegen juristischer Gegenmaßnahmen von Carrier IQ. Gerade dies sorgte für eine stetig zunehmende Aufmerksamkeit, die in den ersten Dezembertagen zu einem recht typisch verlaufenden "Shitstorm" führte: Zuerst verbreiteten Nutzer von Google+ und Twitter die Meldung, dann Fachblogs und -presse und schließlich landete sie im Fokus der Mainstreammedien.

Inzwischen ist die Welle wieder ein wenig verebbt und die Meldungen zu Carrier IQ klingen etwas weniger paranoid. Der Sicherheitsexperte Dan Rosenberg hat die umstrittene Software Carrier IQ gründlich analysiert. Im Gegensatz zu Eckhart will er herausgefunden haben, dass die Software von Carrier IQ nicht in der Lage ist, Tastatureingaben aufzuzeichnen oder SMS und E-Mails zu übermitteln.

Doch das heißt nicht, dass die Software gar nichts aufzeichnet: Sie registriert laut Rosenberg die genutzten Wähltasten bei einer Telefonverbindung, GPS-Daten und die URLs besuchter Webseiten (HTTP und HTTPS). Die Inhalte dieser Seiten landen aber nicht in den Logdateien von Carrier IQ. Das Programm erfasst aber unter anderem Verbindungsabbrüche, Ortswechsel sowie Senden und Empfangen von SMS.

Die Aufmerksamkeitswelle hat den Hersteller unter großen Druck gesetzt - so groß, dass Vorstandsmitglied Andrew Coward im Techblog The Verge mit bemerkenswerter Offenheit bisher unbekannte Details preisgibt. Demnach sammelt Carrier IQ auch in eigenen Rechenzentren Daten und zwar im Auftrag der Netzbetreiber.

Carrier IQ erfasst Basisdaten

Die erfassten Daten werden durchschnittlich 30 Tage lang aufbewahrt. Zu den Auftraggebern gehörten Mobilfunkanbieter und Gerätehersteller. Zweck der erhobenen Informationen: Verbesserung der Mobilfunkverbindungen und der Geräte. Namen verriet Coward nicht, es dürften aber alle relevanten Hersteller sein - auf Geräten von HTC, Samsung und Apple wurde das Tool bereits gefunden.

Bleibt die Frage: Warum diese riesige Empörungswelle? Mashable meint: Weil das Tool mißverständlich ausgelegt ist. Das Interessante daran ist, dass der (vermeintliche?) Skandal in den USA erstaunlich schnell von der Politik aufgegriffen wurde und zu einer ersten Sammelklage vor Gericht führte.

Auch wenn das Speichern der Daten von abermillionen Kunden ziemlich schräg klingt, ist es technisch prinzipiell möglich. Angesichts der zahlreichen Datenschutzskandale (Sony, Apple und andere) der letzten Zeit ist es naheliegend, bis zum Beweis des Gegenteils vom Schlimmsten auszugehen.

Deshalb gab es zunächst keine Kritik an den von Trevor Eckhart vorgestellten Fakten - wohl auch, weil er von der angesehenen Electronic Frontier Foundation unterstützt wird. Die EFF genießt Vertrauen in der Techie-Szene, die Telcos offensichtlich nicht. Sehr viele Menschen auf der ganzen Welt hielten das geschilderte Szenario für plausibel. Die TK-Riesen sollten dringend mal an ihrem Image arbeiten.

Bildquelle: Rike / pixelio.de

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