Soll das Playbook zum Erfolg machen: Alle warten auf BlackBerry-OS 10
Der Markt für Smartphone-Betriebssysteme ist verteilt, lehrt ein Blick in die Statistik: Android für die Masse, iOS für kaufkräftige und disktinktionsbedürftig Schichten. Die Marktanteile der weiteren Plattformen sind gering. Im Moment greifen einige Herausforderer an, die sich ein Stück vom großen Mobilkuchen abschneiden möchten.
An erster Stelle ist dies Microsoft. Der Softwareriese hatte vor nicht allzulanger Zeit bei mobilen Geräten (meist keine Telefone, sondern Handhelds) eine recht starke Position. Aber im 21. Jahrhundert schmilzt nichts schneller dahin als ein Marktanteil, wenn eine innovative Technologie erscheint.
So schnell gibt Microsoft allerdings nicht auf. Nach Windows Phone 7, einer Art Experiment am zahlenden Kunden, hat das zukunftsträchtige System Windows Phone 8 in der kurzen Zeit seit seinem Erscheinen immerhin für einen Achtungserfolg gesorgt: Die farbenfrohen Lumia 920 von Nokia und andere WP8-Geräte haben einen gewissen Hipster-Appeal.
Der fehlt den BlackBerrys, woran auch die neue Version 10 des Betriebssystems sowie die entsprechende Hardware nicht besonders viel ändern wird. Als Nachzügler wird dieses System erst Anfang Februar auf den Markt verfügbar sein. Zahlreiche Analysten finden, das sei viel zu spät.
Tatsächlich verzichtet BlackBerry-Hersteller RIM auf das Weihnachtsgeschäft und setzt auf Business-Kunden, die auch im Rest des Jahres in Einkaufslaune sind. Der Marktanteil der Geräte sinkt rapide und RIM-CEO Thorsten Heins setzt alles auf eine Karte: Er will mit dem neuen System die Geschäftswelt erobern.
Es würde dem mobilen Markt zwar sehr gut tun, wenn die zunehmend satt und träge wirkenden Spitzenreiter frische Konkurrenz bekommen. Doch es ist nicht besonders wahrscheinlich, dass beide Systeme einen deutlichen Marktanteil erreichen können.
Microsoft hat dabei die besseren Karten. Die Kriegskasse in Seattle ist gut gefüllt und Microsoft wird aus Prestigegründen sicher auch eine längere Durststrecke überstehen (wollen). Bei RIM ist die Sache deutlich stärker auf Kante genäht. Das Unternehmen hat nur noch diese eine Chance und wird bei einem Scheitern des BB10 in erhebliche Schwierigkeiten kommen.
Doch es gibt noch weitere Herausforderer, die allerdings bestenfalls eine Außenseiter-Chance haben. Ein möglicher Kandidat für die Marktnische ist
Open WebOS, das erst kürzlich in einer endgültigen Version erschienen ist. Ein zweites Smartphone-Betriebssystem aus der Open-Source-Welt ist
Tizen, indem das Intel-System
MeeGo aufgegangen ist und das Samsung-OS
Bada demnächst integriert werden soll.
Diese Systeme sind bereits verfügbar. Noch vor dem Markteintritt stehen zwei weitere Smartphone-Betriebssysteme:
Sailfish und
Firefox OS. Das Sailfish OS des von Ex-Nokia-Mitarbeitern gegründeten Startups
Jolla ist von dem eher erfolglosen MeeGo-Nachfolgeprojekt
Mer abgeleitet. Das Firefox OS soll seine Benutzeroberfläche und alle Apps komplett mit HTML, CSS und JavaScript verwirklichen.
Im Moment sieht es so aus, als habe Tizen die besten Chancen im Markt. Durch die Unterstützung von Intel und Samsung könnte sich das System als schlankes und kostengünstiges Mobil-OS für das untere Preissegment etablieren. Hier ist noch eine Nische zu finden und sie ist in globaler Perspektive nicht einmal besonders klein: In den ärmeren Staaten dieser Welt gibt es viele Smartphone-Fans, die aber nicht das Geld für die Boliden mit iOS oder Android haben.
Schwieriger ist die Lage für die technisch modernen Außenseiter WebOS, Sailfish und Jolla. Ob sich diese Systeme überhaupt durchsetzen, ist offen, aber eher unwahrscheinlich. Zumindest ein bekannter Hardware-Hersteller müsste ein Referenzgerät auf den Markt bringen. So bleibt ihnen im Moment nur die Nische der Computerfreaks mit Ambitionen. Vor allem WebOS hat eine hartnäckige Fangemeinde, die relativ schnell Ports auf einige bekannte Android-Smartphones zu Wege brachte.
Die Qualität und Offenheit des Betriebssystems ist jedoch für den Großteil der Anwender kein Argument. Entscheidend dagegen sind Apps. Auch hier kann das Außenseitersystem Tizen punkten: Es unterstützt Android-Apps, womit es eine ziemlich reichhaltige Ausstattung an attraktiven Apps für alle Zwecke gibt. Auch das Blackberry-OS 10 soll mit einer Android-Unterstützung ausgerüstet sein. Die Frage ist allerdings, ob dies für einen Erfolg ausreichen wird.
Bildquelle: RIM