Google-Lösung im Praxiseinsatz

Ortung optimiert

Mithilfe eines Geoinformationsdienstes sollten bei der DDS Express Logistik GmbH Zustellungsprozesse verbessert und die Kommunikation zwischen Supervisoren und Fahrern erleichtert werden. Ob dies gelang und wie das Unternehmen mit personenbezogenen Daten umgeht, schildert Matthias Linke, kaufmännischer Leiter beim Hamburger Logistiker, im Interview.

  • Matthias Linke, DDS Express Logistik GmbH

    Matthias Linke, kaufmännischer Leiter beim Hamburger Logistiker DDS Express Logistik GmbH

  • Alle Standorte der einzelnen Mitarbeiter sind mittels des visuellen Kartensystems sichtbar.

Herr Linke, in welchem Rahmen nutzen Sie als Logistiker bereits Smartphone, Tablets, Apps und Co.?
Matthias Linke:
Mit dem Einsatz von Smartphones und dazugehörigen Navigations-, Ortungs-, Telematik- sowie Foto-Apps ergeben sich zahlreiche Vorteile für uns als Logistikunternehmen. Navigations-Apps machen es möglich, Baustellen oder Unfälle zu umfahren und somit rechtzeitig zu erkennen, ob und in welchem Umfang Störungen oder Verzögerungen vorliegen. Zudem können wir den Fahrern mittels Ortungs- und Telematik-App automatisch Aufträge übermitteln. Unseren Kunden schicken wir via Foto-Scan-App und E-Mail nach jeder Zustellung die entsprechenden Belege. Da die „alten” Navigationssysteme auch offline nutzbar sind, werden sie sicher nicht von heute auf morgen verschwinden. Aber: Die ersten Anbieter von Offline-Navigation findet man auch bereits im mobilen Sektor.

Seit wann nutzt Ihr Unternehmen spezielle Mobility-Lösungen? Was war der Grund für die Entscheidung?
Linke:
Die aktuellen Standorte von Fahrern haben wir früher ermittelt, indem wir mit ihnen telefoniert haben. Dies verursachte nicht nur hohe Kosten, sondern war auch nicht ganz ungefährlich, da die Fahrer leicht abgelenkt wurden. Ende 2010 entschieden wir uns für den Einsatz des Navigationsdienstes von Tomtom, weil die Kunden speziell bei kritischen Transporten eine Überwachungsmöglichkeit benötigten. Wurde eine Sendung ge- oder entladen, so erhielt der Kunde automatisch eine E-Mail inklusive Uhrzeit und Namen des Fahrers.

Welche juristischen Hürden mussten vor der Einführung überwunden werden?
Linke:
Bei der Entscheidung für Mobility-Lösungen hatte und hat es für uns stets oberste Priorität, dass die Ortung nur während der Arbeitszeit und zwar allein im Rahmen der Transporttätigkeit erfolgt.

Mittlerweile wechselten Sie von der bisher eingesetzten Tomtom-Lösung auf die neue Lösung mit Google Maps Coordinate – warum dieser Schritt?
Linke:
Nach circa zwei Jahren funktionierten die Navigationsgeräte von Tomtom nicht mehr einwandfrei und es hätten neue erworben werden müssen. Google Maps Coordinate liefert uns kontinuierlich und ohne Zusatzkosten aktuelles Kartenmaterial. Ein weiterer wichtiger Faktor für den Wechsel war, dass die Qualität der Ortung mittels GPS, Mobilfunknetzen und WLAN eine bessere war.
 
Inwieweit ließen sich so Logistikprozesse verbessern?
Linke:
Wir konnten die Qualität der Ortung verbessern und die Dokumentation der einzelnen Transportetappen optimieren. Auch die After-Sale-Prozesse gehen effektiver vonstatten.
 
Was sind Ihre bisherigen Erfahrungswerte mit der neuen Lösung? Sparen Sie Kosten ein?
Linke:
Verglichen mit dem Konkurrenzprodukt fielen für den Geoinformationsdienst von Google nur ein Drittel der Anschaffungskosten an. Die monatliche finanzielle Belastung reduzierte sich um 50 Prozent.

Dazu überzeugte uns vor allem die schnelle Implementierung des Produktes in unsere interne IT. Wir benötigten nicht einmal zwei Monate dafür. Da bei der neuen Lösung die Geräte von Subunternehmern gestellt werden, entfallen für uns Instandhaltung, Wartung und Updates. Zuvor mussten wir hierfür täglich 1,5 Stunden investieren. Dadurch, dass der Großteil unserer Mitarbeiter bereits durch private Nutzung mit dem Geoinformationsdienst Google Maps vertraut war, mussten sie nicht extra für die Anwendung des Produktes geschult werden.
Mithilfe eines Geoinformationsdienstes sollten bei der DDS Express Logistik GmbH Zustellungsprozesse verbessert und die Kommunikation zwischen Supervisoren und Fahrern erleichtert werden. Ob dies gelang und wie das Unternehmen mit personenbezogenen Daten umgeht, schildert Matthias Linke, kaufmännischer Leiter beim Hamburger Logistiker, im Interview.
 
Mit der neuen Google-Lösung ist die Ortung Ihrer Fahrer über das Webinterface möglich. Was sagte der Betriebsrat bzw. der jeweilige Subunternehmer dazu?
Linke:
Da die Ortung durch den Fahrer abgeschaltet werden kann und wir keine permanente Ortung der Fahrzeuge einsetzen, konnten wir anfängliche Bedenken schnell aus dem Weg räumen. Auch wurde die Umstellung von den Fahrern sehr positiv angenommen, da sie nun direkt durch die Disponenten unterstützt werden und das alles bei gleichzeitiger Wahrung ihrer Privatsphäre.
 
In Zeiten von Ausspähprogrammen scheut sich auch Google Stellung zu nehmen. Warum vertrauen Sie dem Konzern – immerhin geben Sie viele Daten preis...
Linke:
Wie schon zu Tomtom-Zeiten sind die einzigen Daten, die wir preisgeben, zusammenhanglose Adressdaten und eine Abholreferenz sowie in einigen Fällen die Palettenanzahl. Informationen wie Kundennamen oder Inhalt der Sendung erfahren die Fahrer nur durch den Erhalt der Begleitdokumente vor Ort.

Standortdaten werden in US-Rechenzentren gespeichert – laut Gesetz darf der Staat unter gewissen Voraussetzungen darauf zugreifen. Setzen Sie sich damit auseinander?
Linke:
Da laut Medienberichten sogar verschlüsselte E-Mails gelesen werden, sollte der Staat bereits bei der Geschäftsanbahnung Bescheid wissen, was transportiert wird und nicht erst durch Unternehmen wie Google. Außerdem sind meines Wissens nach Firmen wie Google und Microsoft um Verhandlungen mit der Regierung zu mehr Transparenz bemüht.

Bildquelle: DDS Express Logistik GmbH

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