Datenschutz bei Mobile Health

Prämien-App "Fitmit AOK"

Mit der Prämien-App "Fitmit AOK" will die AOK Nordost zu sportlichen und gesundheitsförderlichen Aktivitäten anspornen. Dafür wurde laut Christian Klose, Chief Digital Officer der Krankenversicherung, gemeinsam mit der Universität Passau ein eigenes Konzept für Sicherheit und Datenschutz entwickelt.

Christian Klose, AOK Nordost

Christian Klose, Chief Digital Officer der AOK Nordost

Herr Klose, immer mehr Menschen nutzen Smartphones, Wearables und das mobile Internet. Vor diesem Hintergrund bieten Krankenkassen digitale Prämienprogramme an. Welches spezielle Angebot haben Sie in diesem Umfeld mit "Fitmit AOK" aufgesetzt?
Christian Klose:
„Fitmit AOK“ ist das erste vollständig digital nutzbare Prämienprogramm einer deutschen Krankenkasse. Die Teilnehmer können Prämienpunkte sammeln und diese dann in attraktive Geld- und Sachprämien umtauschen. Punkte werden gesammelt durch sportliche Aktivitäten, Mitgliedschaften in Fitnesscentern und Sportvereinen, durch die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen und durch soziales Engagement (Blutspende, Organspendeausweis).

Die App steht seit Anfang dieses Jahres in den App-Stores von Google und Apple zum Download bereit. Daneben kann das Programm auch über das Webportal genutzt werden. Auch Nicht-AOK-Versicherte können das Prämienprogramm ausprobieren und Punkte sammeln. Prämien und andere Vorteile wie Rabatte bei gesundheitsbezogenen Kooperationspartnern können allerdings nur unsere Versicherte nutzen. Das Programm richtet sich besonders an technikaffine Versicherte und ergänzt unsere anderen Angebote wie klassische Gesundheitskurse in den Bereichen Sport, Ernährung, Entspannung und Suchtprävention.

Welche Anreize können sich die Versicherten von der Teilnahme an Ihrem Prämienprogramm versprechen?
Klose:
Durch gesundheitsrelevante Aktivitäten können Männer Punkte im Gegenwert von maximal 325 Euro pro Jahr sammeln. Bei Frauen sind es sogar bis zu 375 Euro, aufgrund zusätzlicher Vorsorgeangebote für Schwangere. Die Prämien reichen von Geldbeträgen über Sportartikel bis hin zu Gutscheinen für professionelle Zahnreinigungen.

Darüber hinaus profitieren die Teilnehmer auch von Vorteilsrabatten bei diversen Partnerunternehmen. Dazu können die Teilnehmer durch ihre Aktivitäten verschiedene Fitness-Level erreichen. Je höher das Level, umso größer sind die Vorteilsrabatte.

Welche Nachteile gibt es für die Teilnehmer des Prämienprogramms – Stichwort: komplette Überwachung?
Klose:
Für die Versicherten gibt es keine Nachteile, im Gegenteil: Die Teilnahme an diesem Prämienprogramm ist freiwillig. Gemäß dem Grundsatz der Datensparsamkeit werden bei Fitmit AOK nur solche Daten erhoben und verarbeitet, die unbedingt notwendig sind, um den dahinter stehenden Zweck der Gesundheitsvorsorge zu erfüllen. Zum Betreiben des Prämienprogramms erfassen wir nur Datum und Typ der Aktivität sowie die erzielten Prämienpunkte. Fitnessdaten oder sensible Gesundheitsdaten werden nicht erhoben. Deshalb sind aus dem Programm auch keine Rückschlüsse auf den individuellen Gesundheitszustand des Versicherten möglich.  

Inwieweit werden Gesundheits- oder Fitness-Apps von Drittanbietern wie z.B. Runtastic in das Bonusprogramm einbezogen?
Klose:
Teilnehmer, die schon Fitness-Apps von Drittanbietern wie Runtastic nutzen, können diese problemlos in das Prämienprogramm integrieren, wenn sie mit den zentralen Gesundheits-Apps von Android (Google Fit) und iOS (Apple) verknüpft werden können. Die Fitmit-AOK-App bezieht über Google Fit und Apple Health Informationen und wandelt diese in Prämienpunkte um, wenn die sportlichen Mindestanforderungen erfüllt sind. Mindestanforderungen sind 30 Minuten mindestens einen Puls von 110 Schlägen pro Minute, 150 Kilokalorien in 30 Minuten verbrauchen oder 10.000 Schritte pro Tag zurücklegen. Bei Erfüllung eines der drei Kriterien werden Datum, die Art der Aktivität und die dafür gutgeschriebenen Punkte an die AOK Nordost weitergeleitet. Nicht weitergeleitet werden die Details zu den sportlichen Aktivitäten, etwa die gelaufene Strecke, Geschwindigkeit, Höhenmeter etc.

Wie gestalten sich die Nachweisprozesse, wenn mit der App ein aktiver und gesunder Lebensstil der Nutzer belohnt werden soll?
Klose:
Bei einem vollständig digital nutzbaren Prämienprogramm sind natürlich auch digitale Nachweise der prämierten Aktivitäten möglich. Nachweise können erfolgen über die Fitness-Apps Google Fit und Apple Health, über den Upload von Handyfotos oder Scans (z.B. von Bestätigungen von Vorsorgeuntersuchungen oder Blutspenden, Mitgliederausweise etc.) sowie über QR-Codes und bluetooth-basierte Beacons (bei teilnehmenden Sportpartnern wie Fitness-Studios, Kletterhallen etc.). Außerdem ist auch die manuelle Eingabe von sportlichen Aktivitäten möglich, begrenzt auf viermal pro Monat.

Wie garantieren Sie die Sicherheit der mobil erhobenen Versichertendaten?
Klose:
Die Datenerhebung und -verarbeitung in der App erfolgen im Einklang mit dem Bundesdatenschutzgesetz und dem brandenburgischen Datenschutzgesetz (Hauptsitz AOK Nordost in Potsdam). Als Sozialversicherung schützen wir seit Jahrzehnten sensible Versichertendaten. Natürlich nehmen wir auch den Schutz digitaler personenbezogener Daten sehr ernst. Für das Programm wurde ein eigenes Datenschutzkonzept entwickelt, gemeinsam mit Prof. Dr. Heckmann, Inhaber des Lehrstuhls Öffentliches Recht, Sicherheitsrecht und Internetrecht an der Universität Passau. Dieses Konzept wurde zudem mit der Datenschutzbeauftragten des Landes Brandenburg abgestimmt. Darin wird ausführlich und für die Nutzer transparent und verständlich dargestellt, welche Daten warum erhoben und verarbeitet werden. Die Teilnehmer entscheiden sich freiwillig für die Teilnahme an diesem Modellprojekt.

Gemäß dem im Konzept festgelegten Grundsatz der Datensparsamkeit werden bei dem Programm nur solche Daten erhoben und verarbeitet, die unbedingt notwendig sind, um den dahinter stehenden Zweck der Gesundheitsvorsorge zu erfüllen. Wir erfassen nur Datum und Typ der Aktivität sowie die erzielten Prämienpunkte. Fitnessdaten oder sensible Gesundheitsdaten werden nicht erhoben.

Wo genau werden die Versichertendaten abgespeichert und wer kann darauf Zugriff nehmen?
Klose:
Die Daten werden ausschließlich in Rechenzentren in der Bundesrepublik Deutschland gespeichert. Eine Übermittlung der Informationen auf Server in Drittstaaten, etwa im Rahmen eines Cloud-Computing-Dienstes, wird ausdrücklich ausgeschlossen. Damit wird ein hohes Datenschutzniveau garantiert. Zugriff haben – wie in den bisherigen klassischen Prämienprogrammen auch (z.B. Nachweise über Stempel in Bonusheften) – nur die Mitarbeiter der AOK Nordost, die direkt mit der Betreuung des Prämienprogramms betraut sind. Jegliche Kommunikation zwischen der App und den AOK-Servern erfolgt über eine SSL-Verschlüsselung, wie sie auch beim Online-Banking verwendet wird.

Wie können die App-Nutzer selbst nachvollziehen, welche Ihrer Daten wo gespeichert und verwendet werden?
Klose:
Alle datenschutzrelevanten Informationen sind verständlich und transparent in der gemeinsam mit Prof. Heckmann entwickelten Datenschutzerklärung nachzuvollziehen. Diese Erklärung ist sowohl über die App als auch über das Webportal für jeden einsehbar.

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