Der Technics SL-1200G/GAE soll 4000 Dollar kosten
Cooles 70ies-Design: Die neue Kodak Super-8-Cam
Vermutlich sind die 1970er Jahre das letzte Jahrzehnt, in dem die allermeisten Menschen durchgängig analog gelebt haben - bis auf ein paar Dutzend Freaks im Silicon Valley, die Homecomputer wie den ersten Apple zusammengelötet haben. Im folgenden Jahrzehnt ging es dann los, zuerst mit der PC-Revolution in den Büros und schließlich Mitte der 1990er Jahre mit dem Internet für alle.
In der Rückschau erscheinen die 1970er Jahre als Fluchtpunkt, als Rettung für alle von der Globalisierung und der Digitalisierung Gequälten und Geknechteten. Vor allem die feinen Pastelltöne und die leichte Patina auf den Bildern aus dieser Zeit stützen bereits seit zwanzig Jahren eine Retrowelle nach der anderen.
Die jüngste nostalgische Wiederkehr der Siebziger war der Boho-Trend in der Mode und es hat nicht allzu lange gedauert, bis auch einige Technologieunternehmen den Zug der Zeit erkannten: Analoge Produkte lassen sich angesichts der voll digitalisierten Massenware aus Plastik ziemlich gut vermarkten.
Vor allen Dingen zwei Markennamen sind hier zu nennen: Kodak und Technics. Beides sind große Namen aus den 1970er Jahren. Die einen haben einmal den gesamten Fotomarkt beherrscht und die anderen sind legendär für ihre robusten DJ-Plattenspieler mit Direktantrieb. Beide sind aber auch bedeutungslos in der Digital-Ära.
Die Geschichte von Kodak ist bekannt: Obwohl Erfinder der Digitalkamera, hat das Unternehmen das Produkt nicht auf den Markt gebracht und ist von der Digitalisierung hinweggefegt worden. Und auch ein zweites Kodak-Produkt ist von modernen Technologien überrollt worden.
Gemeint ist das Super-8-Filmformat. Dessen große Zeit war Mitte der 1980er Jahre vorbei, weil Privatleute auf Videokameras umstiegen. Immerhin hat Kodak die Produktion von Filmen und Kameras nie ganz eingestellt, sich jedoch auf den Nischenmarkt der Arthouse-Movies beschränkt.
Die Geschichte des immer noch beliebten Technics SL-1200/1210 MK2 ist allerdings tragisch. Der Plattenspieler wurde 1978 vorgestellt und gehört damit zu den am längsten produzierten Konsumgütern überhaupt. Er hat sowohl die CD als auch die MP3 überlebt. Und 2010 hat Panasonic die Produktion eingestellt - eine historische Nanosekunde vor dem gigantischen Vinyl-Boom der letzten Jahre.
Da haben wir also zwei ehemalige Produkte wie geschaffen für den Retrotrend. Das hat Kodak und Panasonic, den Inhaber der Markenrechte von Technics, auf die Idee gebracht, es doch einmal mit einer Neuedition der Klassiker zu versuchen. Und so stellten die beiden Unternehmen auf der CES ein paar schicke (und teure) Retroprodukte vor. Etwas Ähnliches gibt es übrigens von Sony, die auch wieder einen neuen Plattenspieler auf den Markt brachten.
Die neue Super-8-Kamera von Kodak sieht nicht nur aus wie die alten 70er-Jahre-Kameras, sie hat auch vergleichbare Leistungsdaten. Es gibt ein 6 mm Objektiv mit Blende 1,2 und wahlweise ein 6/48-mm-Zoom. Die Kassetten enthalten 15 Meter analoges Filmmaterial, das in unterschiedlichen Geschwindigkeiten belichtet werden kann - ganz wie früher.
Allerdings kommt die Kamera nicht ohne digitale Ergänzung aus. Der Ton wird direkt im Gerät digital aufgenommen. Heutige Kunden würden das Gefrickel mit externen Aufnahmegeräten sicher nicht akzeptieren. Es soll zwar retro zugehen, aber trotzdem komfortabel.
Schließlich richtet sich das Produkt nicht an Filmkünstler, sondern an finanziell gut ausgestattete Privatleute, die sich für Preise von 400-750 Dollar den Flair und die Pastelltöne der siebziger Jahre ins Haus holen wollen. Ähnlich teuer wird die Sache wohl bei Technics. Gerüchteweise werden die neuen SL-1200er für gute 4000 Dollar über den Tisch gehen.
Der SL-1200G ist eine überarbeitete Version mit einem neuen Motor ohne Eisenkern, der noch geringere Drehzahlschwankungen wie das Original hat. Der Plattenteller ist schwerer geworden und auch das Gehäuse ist jetzt stärker vor Vibrationen abgeschirmt.
Toll, dass diese klassischen Produkte wiederaufgelegt werden und dass sie stimmig weiterentwickelt sind. Aber schade, dass nur finanzkräftige Nostalgiker sie kaufen können. Doch das wird den Gebrauchtmarkt befeuern, ohne den es keinen Retrotrend geben würde.
Denn ein echter Instagram-Hipster ist jemand, der seine Fotos mit der Holga vom Flohmarkt knipst und dann einscannt. In Zukunft erkennt man den Vine-Aficionado daran, dass er mit einer originalen Super-8-Kamera aus der Kindheit seiner Eltern dreht und frisches Vinyl klingt nur auf einem gebrauchten 1210er mit total zerkratztem Acryldeckel so richtig cool.
Bildquelle: Technics, Kodak