20.04.2017 Nicht nur Werkzeuge

Rugged Devices mit sensibler Technik versehen

Von: Lea Sommerhäuser

Da Rugged Devices in der Regel nicht die eigenen Geräte sind, sondern die des Arbeitsgebers, fassen die Nutzer sie nicht gerade mit Samthandschuhen an, stellt Marco Rach, Manager Marketing Germany & Austria bei Panasonic Computer Product Solutions, immer wieder fest. Oftmals werden sie eher als Werkzeuge angesehen und nicht als sensible Technik.

Marco Rach, Panasonic

„Consumer-Geräte versagen bereits bei Temperaturen um den Gefrierpunkt gerne mal den Dienst“, weiß Marco Rach von Panasonic.

Herr Rach, Smartphones, Tablets und Notebooks – all diese Geräte gibt es auch im Rugged-Format. Doch wie gefragt sind Rugged Devices anno 2017 tatsächlich?
Marco Rach:
Hier sollte man sich zunächst die Unterschiede zwischen Consumer-Geräten und den explizit für professionelle Einsätze konzipierten Robustgeräten vor Augen führen. Anforderungen im Business-Umfeld umfassen beispielsweise austauschbare Akkus, spezielle Anschlüsse, Geräte- sowie Datensicherheit und natürlich eine hohe Zuverlässigkeit respektive Geräteverfügbarkeit, die im Zuge der Digitalisierung in der Industrie immer bedeutender wird. In verschiedenen Unternehmensbereichen sind Angestellte ohne funktionierende IT kaum noch einsatzfähig.

Es gibt allerdings noch etliche kurzfristig denkende Unternehmen, die für den strapazierenden Business-Alltag auf vermeintlich günstigere Consumer-Geräte setzen, bei Defekten auf Reparaturen verzichten und die Hardware vorzeitig gegen Neugeräte austauschen. Eine von uns in Auftrag gegebene Studie zum Thema „Nachhaltigkeit in der IT“ zeigt allerdings, dass die Gesamtbetriebskosten von Consumer-Geräten aufgrund von Ausfallzeiten, Reparaturen und kürzerer Haltbarkeit über den Einsatzzeitraum deutlich höher liegen als die von Rugged-Devices. Unternehmen können mit einer nachhaltigen Strategie bei ihren mobilen Endgeräten bis zu 30 Prozent sparen. Dieser nachhaltige Ansatz wird bei der Beschaffung immer häufiger berücksichtigt und es findet ein Umdenken in Richtung Zuverlässigkeit sowie Nachhaltigkeit und damit auch in Richtung zuverlässiger Geräte statt.

Wer ist hier die Zielgruppe bzw. wo kommen die Rugged-Geräte jeweils zum Einsatz?
Rach:
Es gibt zahlreiche unterschiedliche Branchen, die von robusten Geräten profitieren. Grundsätzlich sind Rugged-Geräte überall dort prädestiniert, wo Geräteausfälle dramatische Folgen mit sich bringen und die Geräte einerseits in IT-widrigen Umgebungen oder andererseits im 24/7-Dauereinsatz – egal ob drinnen oder draußen – einer erhöhten Beanspruchung ausgesetzt sind. In der Logistik oder bei Rettungsdiensten etwa zählt jede Sekunde, so dass zuverlässige IT für den unterbrechungsfreien Dienst unumgänglich ist. Im Outdoor-Einsatz – etwa bei der Fahrzeugentwicklung, bei Pannenhelfern und Instandhaltern in der Versorgung – werden Geräte oft durch Regen, Schnee sowie Hitze oder Kälte stark strapaziert.

Consumer-Geräte versagen bereits bei Temperaturen um den Gefrierpunkt gerne mal den Dienst. Nicht so Rugged-Geräte, sie spielen da ihre Stärken aus und bleiben zuverlässig. Daher setzt beispielsweise auch der DSV Deutscher Skiverband auf unsere Geräte, um Trainern und Athleten zuverlässiges Equipment für Training und Wettkämpfe unter widrigen klimatischen Bedingungen zu stellen.

Man differenziert zwischen Semi-, Fully- und Ultra-Rugged-Geräten. Worin bestehen die jeweiligen Unterschiede?
Rach:
Wir unterscheiden zwischen „Full Ruggedized“, „Semi Ruggedized“ und „Business Ruggedized“. Die widerstandsfähigste Produktgruppe sind „Full Ruggedized“-Modelle. Sie sind staub-, wasser- und erschütterungsfest (IP68 bzw. IP65 und MIL-Std. 810G), fallsicher bis zu einer Höhe von 180 cm und ideal für den strapazierenden Dauerbetrieb bei Wind und Wetter.

„Semi Ruggedized“-Geräte bieten die perfekte Balance zwischen Stoßfestigkeit und eleganter Erscheinung für weniger extreme Einsätze. Datenspeicher, Display und andere empfindliche Komponenten sind durch ein magnesiumverstärktes Gehäuse sowie modelabhängig teilweise mit Schutzklappen an den Ports geschützt.

Unsere „Business Ruggedized“-Modelle sind konzipiert für Nutzer, die im Büroumfeld und vorwiegend unterwegs arbeiten. Bei diesen Geräten schützen wir insbesondere die Komponenten, die bei konventionellen Notebooks am häufigsten zu Bruch gehen (Display, Datenspeicher und Tastatur), und sorgen dafür, dass sie besonderen Druckbelastungen wie etwa im Reisegepäck widerstehen.

In welchen Punkten übertrumpfen Rugged-Modelle die „normalen“ Consumer-Devices?
Rach:
Rugged-Devices sind deutlich langlebiger und bestechen durch sehr geringe Ausfallquoten. Nicht nur die Nutzer können sich auf die Geräte verlassen, auch für Unternehmen sinken die Ausfallzeiten defekter Geräte und die dadurch bedingten Ausfallkosten. In der heutigen Zeit der Digitalisierung sind Angestellte in verschiedenen Unternehmensbereichen ohne IT kaum mehr einsatzfähig. Daneben bieten unsere Geräte im Gegensatz zu Consumer-Geräten eine Schnittstellenvielfalt und eine modulare Bauart, die eine kundenspezifische Konfigurierbarkeit ermöglicht.

Auch bei der Wartungsfreundlichkeit und – sollte doch einmal etwas zu Bruch gehen – Reparaturfähigkeit können Consumer-Electronics-Geräte schlicht und ergreifend nicht mithalten: zum Akkuwechsel müssen sie zum Hersteller-Service geschickt werden, bei einem Komponentenschaden werden die vermeintlich günstigeren Geräte teilweise sogar komplett verschrottet und durch Neugeräte ersetzt, da sie gar nicht für Reparaturen und Service im Unternehmenseinsatz ausgelegt sind. Dies entspricht nicht den Nachhaltigkeits- und Umweltfreundlichkeitsprinzipien, zu denen sich heutzutage viele Unternehmen  selbst verpflichten.

Kurz: Rugged-Geräte bieten durch die genannten Eigenschaften eine deutlich höhere Geräteverfügbarkeit und machen die Nutzer im Einsatz damit produktiver, das Unternehmen profitiert neben einer erhöhten Mitarbeitermotivation von geringeren Betriebskosten über den Gesamtnutzungszeitraum und einer erhöhten Kundenzufriedenheit durch besseren Service.

„Uncooles“ Design, hohes Gewicht, hohe Kosten bei den Rugged-Devices: Sind das nur Mythen, die die Nutzer davon abhalten, auf Rugged-Devices zu setzen?
Rach:
Ganz im Gegenteil: Oftmals sind es leider nicht die späteren Nutzer, die die Kaufentscheidung treffen, sondern die IT-Abteilung und die Einkaufsabteilung. Beiden fehlt oft die Nähe zu bzw. die Informationen über die Nutzungsbedingungen und so werden häufig bei der Kaufentscheidung lediglich die im Vergleich zu herkömmlichen Geräten teureren Anschaffungs-, nicht aber die Gesamtkosten für den gesamten Nutzungszeitraum, berücksichtigt.

Wenn allerdings robuste Geräte angeschafft wurden, hören wir immer wieder von Nutzern, die stolz auf die robusten, langlebigen Geräte sind. Sie empfinden es als Wertschätzung, dass ihr Unternehmen einen nachhaltigen Ansatz bei der Beschaffung berücksichtigt und ihnen zuverlässige, langlebige Hardware zur Verfügung stellt. Viele lieben sogar das martialische Design und die Optik. Wobei unsere Geräte in ihrer inzwischen fast 30-jährigen Geschichte dieses Erscheinungsbild nahezu abgelegt haben. Sie sind leichter und handlicher geworden, bleiben allerdings aufgrund ihres Designschwerpunktes auf Robustheit und Langlebigkeit etwas schwerer als Consumer-Geräte.

Wie behandeln die Anwender ihre Rugged-Modelle? Gehen sie damit anders um als mit Consumer-Devices?
Rach:
Da es in der Regel nicht die eigenen Geräte sind, sondern die des Arbeitsgebers, behandeln die Nutzer sie nicht gerade mit Samthandschuhen. Bei einigen unserer Kunden, insbesondere in der Logistik, sind die Geräte mit Hot-Swap-Akku-Technologie im 24/7-Dauereinsatz, so dass sie im Schichtdienst sogar durch verschiedene Nutzerhände gehen und damit noch weniger pfleglich behandelt werden. Oftmals werden sie eher als Werkzeuge angesehen und nicht als sensible Technik.

Welche Tests müssen Rugged-Devices grundsätzlich bestehen, ehe sie in Produktion gehen?
Rach:
Unsere Geräte werden bis zu ihrer Belastungsgrenze getestet, um sicherzustellen, dass sie unter den widrigsten Bedingungen einsetzbar sind. Dazu werden u.a. verschiedene Sturz- und Stoßfestigkeitsprüfungen, eine Prüfung der Flüssigkeitsbeständigkeit, eine Prüfung auf Erschütterungsfestigkeit, eine Staubwiderstandsprüfung, eine Prüfung auf Luftfeuchtigkeitsbeständigkeit und eine Temperaturtoleranzprüfung durchgeführt. Zudem testen wir auf Druckfestigkeit, elektromagnetische Störung (EMI) und elektromagnetische Verträglichkeit (EMV).

Im Vergleich zu anderen Anbietern für Rugged-Hardware testen wir unsere Geräte allerdings nicht nur in unseren eigenen Forschungseinrichtungen gemäß der gängigen Standards (IP und MIL-Standard), sondern haben den Robustheits- und Qualitätsanspruch, dass unsere Geräte diese anspruchsvollen Tests auch bestehen und das Bestehen zudem von unabhängigen Instituten zertifiziert wird.

Worauf sollten Anwender letztlich beim Kauf von Rugged-Devices achten (auch hinsichtlich Betriebssystem, Mobile Device Management...)?
Rach:
Einkäufer und Anwender sollten neben der Robustheit insbesondere auf Verarbeitung, Qualität sowie Wartungs- bzw. Reparaturfreundlichkeit der Geräte achten. Darüber hinaus sind die Service-Leistungen rund um die Geräte entscheidend. Wir geben beispielsweise eine 5-Jahre-Ersatzteilgarantie auf unsere Produkte. Zudem ist die Kompatibilität bisheriger und auch zukünftiger Produkte mit entsprechendem Zubehör – Stichwort „Schnittstellen“ – entscheidend. Docking-Stations oder die benötigten Anschlüsse zu Peripherie-Geräten spielen für viele Kunden eine wichtige Rolle und müssen nicht zwangsläufig bei einem Hardware-Aktualisierung ausgetauscht werden, sondern können teilweise über mehrere Gerätegenerationen hinaus eingesetzt werden.

Für Unternehmen spielt neben hochqualitativer Hardware, Service und Nachhaltigkeit auch die Themen „Mobile Device Management“ und „Security“ eine zentrale Rolle bei der Anschaffung. In Kooperation mit unseren spezialisierten Software-Partnern können wir dafür branchen- und sogar kundenspezifische Gesamtlösungen anbieten.

Bildquelle: Panasonic

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