Mobile Lösung für die Logistik

Schnell aus den (Lager-) Boxen

Smartphones und Tablets beschleunigen die Logistik, Waren werden schneller umgeschlagen. Kostengünstige, mobile Lösungen sind im Trend.

Heute werden keine langjährigen Verträge mehr geschlossen, die eine Amortisation von teurer Infrastruktur versprechen“, beschreibt Jörn Ballhaus die Situation von kleineren und mittleren Unternehmen in der Logistik. Der Marketingleiter von Salt Mobile Systems, einem Anbieter von Logistiklösungen in der Cloud, kennt die Schwierigkeiten eines immer flexibler werdenden Marktes.

„An der Lieferkette sind immer mehr Akteure beteiligt“, sagt Ballhaus. „Deshalb müssen die Voraussetzungen zur Teilnahme am Informationskreislauf so niedrig wie möglich sein.” Typisch für die Branche sind schnell errichtete „Zwischenlager“, die nur eine Zeitlang für bestimmte Projekte genutzt werden, oder heterogene Lager, die mal diese und mal jene Produkte für den Versand bereithalten.

Solche Anforderungen haben zum Beispiel der Onlinehandel oder die Kontraktlogistik, bei denen die Unternehmen oft nur noch Subunternehmer von größeren Logistikkonzernen sind. „Dieser Markt wächst“, sagt Erwin Scheiner (s. Interview S. 026). Der Salt-Vertriebsleiter vermutet, dass inzwischen rund 100.000 Unternehmen auf diese Weise arbeiten – vom Logistikmittelständler bis zum Minihändler auf eBay.

Mietsoftware aus der Cloud

Die großen Anbieter haben dafür keine passgenaue Lösung, da zunächst kräftig investiert werden muss und später recht hohe Betriebskosten anfallen. Die traditionellen Software­lösungen setzen auf hundertprozentige Ausleuchtung mit WLAN, Client/Server-Computing und großen, integrierten IT-Anwendungen. Die Lagerverwaltung ist da nur ein Stück vom Kuchen, zu dem auch ERP, MES, CRM & Co. gehören – für kleinere Unternehmen ein zu großer Brocken

Eine mögliche Lösung für den von Scheiner gesichteten Markt ist Mietsoftware aus der Cloud. Hierbei läuft die Software in einem Rechenzentrum und wird mit einer verschlüsselten Verbindung via Internet bedient. Und vor Ort am Lager muss keine besonders aufwendige Hardware eingesetzt werden. Bei Cargorent von Salt reichen beispielsweise ein mobilfunkfähiger Scanner, ein PC und ein Internetanschluss zum Betrieb eines Lagers.

Diese Flexibilität macht den großen Anbietern wie SAP zu schaffen. Mit Hilfe von Partnerunternehmen versucht der Softwareriese, auf die stetig wechselnden Bedürfnisse des Logistikmarktes stärker einzugehen. So entwickelt zum Beispiel Clavis Solutions (siehe Interview) mobile Lösungen, die auch auf großen Freilagern mit nur wenigen WLAN-Hotspots einsetzbar sind.

Der Projektentwickler schneidet dabei jede Lösung auf die Anforderungen des Auftraggebers zu und nutzt dafür die üblichen Methoden der Entwicklung rund um SAP. Einen entgegengesetzten Weg geht Mobisys: Der Mobisys Solution Builder (MSB) des Walldorfer Softwarehauses erweitert eine NetWeaver-basierte SAP-Installation um Systeme für Datenerfassung mit mobilen Clients.

Mobil mit allen Plattformen

Es handelt sich dabei um eine Standardlösung, die relativ leicht an beliebige Anforderungen im Bereich Lager und Logistik angepasst werden kann. Die entsprechenden Client-Apps für alle Plattformen von Windows, Windows Mobile über Android bis hin zu iOS und Blackberry sind bereits vorhanden. Sie müssen lediglich an die besonderen Anforderungen des Lagers angepasst werden.

Auch an der Logistikbranche zeigt sich wieder: Smartphones und Tablets aus dem Consumer-Markt sind in den Unternehmen angekommen. Die Hersteller sind heutzutage dazu verpflichtet, auf die Kundenwünsche nach Apps für moderne Mobilgeräte einzugehen. Und zumindest für das iPhone gibt es allerlei Zubehör (siehe Kasten), so dass einem Einsatz auch in Zusammenarbeit mit SAP nichts im Wege steht.

Die Anwender erwarten zunehmend die volle Mobilität beim Zugriff auf die Anwendungen. Im Bereich Lager und Logistik war dies im Grunde schon immer der Fall, da eine effiziente Kommissionierung nicht anders zu erreichen ist. Jörn Ballhaus sieht nun die Zukunft in einer Erweiterung dieser Basisfunktionen: „Es geht um Zugriff auf Bestände, Informationen zu jedem Prozessschritt und Collaboration. Darauf müssen Anbieter reagieren und Lösungen außerhalb der klassischen Client-Server-Architekturen anbieten.“ 


Bildquelle: iStockphoto.com/karrapa

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