Auf dem Markt
"Ich brauche dringend einen Mantel." Mit diesem Satz beginnt es. Die passende Anekdote dazu hat Gunter Dueck in einem seiner Vorträge geliefert: Beim Einkauf von Kleidung und anderen Dingen nimmt er gerne sein Notebook mit, um die Preise der Händler mit denen im Internet zu vergleichen.
Nun muss nur noch "Notebook" durch "Smartphone" ersetzt werden und das Ergebnis entspricht dem, was gut die Hälfte der Smartphone-Besitzer machen: Sie nutzen ihre Geräte von unterwegs zur mobilen Recherche, ein Viertel sogar direkt im stationären Handel. Zu diesen Ergebnissen kam eine
Studie von Tradedoubler, die auf der dmexco vorgestellt wurde.
Für die Händler in den Geschäften sind die vom Mobilgerät überinformierten Käufer die Hölle, denn vielfach finden die Kunden ein günstigeres Angebot. Die bekannten Preisvergleichsdienste erfüllen ihre Aufgaben auch mobil. Der Kauf findet hier fast zwangsläufig mobil oder im Geschäft statt.
Und tatsächlich: Laut der Studie ist Preisvergleich mit 42 Prozent zentrales Element des mobilen Rechercheverhaltens in Geschäften. Immerhin 71% der Anwender informieren sich via Smartphone, davon kauft aber nur ein Viertel auch tatsächlich mit dem Mobilgerät ein. Gut die Hälfte kauft später am PC, aber nur wenig mehr als ein Drittel im Ladengeschäft.
Diese Zahlen zeigen: Wer online Infos sucht, kauft mit hoher Wahrscheinlichkeit auch online. Allerdings kann der stationäre Handel immer noch einen Achtungserfolg erzielen. Hier dürfte die früher gängige Einstellung "Unsere Preise sind Festpreise" durch eine größere Flexibilität mit verhandelbaren Preisspannen ersetzt worden sein.
Das heißt aber auch: Beim "Mobile Shopping" ist noch Luft nach oben. Das Händereiben der Marketer ist förmlich zu hören, denn die Mobilrecherche hat Potenzial für die Konversion. Sie kann die Käufer aus dem Geschäft heraus locken und auf einen - komfortabel und einfach mit dem Daumen zu bedienenden - mobilen Shop umleiten.
"Für den M-Commerce werden Umsatzzuwächse von 40 Prozent pro Jahr in den nächsten fünf Jahren erwartet", meint Clemens Gerth, Head of Mobile bei Tradedoubler. Doch der Handel ist nicht besonders gut darauf vorbereitet: Nur etwa acht Prozent der Händler in Europa (!) haben eine komfortable mobile Webseite oder App.
Die schlechte Aufbereitung von Shops und Websites für die Bedürfnisse mobiler Browser sorgt bei den Anwendern für schlechte Stimmung: Rund ein Drittel hat sich schon einmal über schlecht zu nutzende Seiten im Mobilweb geärgert.
"Die Ergebnisse zeigen, dass Händler eine Strategie brauchen wie sie die Kanäle Online und Mobile miteinander verzahnen", ergänzt Dr. Falk von Westarp, Market Unit Leader Zentraleuropa bei Tradedoubler. "Hierfür bedarf es eines nahtlosen Prozesses für alle Kanäle und eines Zusammenspiels von Online- und Offline-Aktivitäten."
Bildquelle: Susanne Beeck /
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