Apple-Gerüchte

Schrauben für das Sommerloch

Vor ein paar Tagen hieß es: Apple erfindet neue iPhone-Schrauben. Ein bloßes Gerücht ohne jede Basis, das als “Testballon” für die Verbreitung eines Fakes in die Welt gesetzt wurde.

Das Sommerloch wird jetzt verschraubt.

Traditionell ist der Sommer eine eher nachrichtenschwache Zeit. Doch es gibt ja noch Apple, den ungekrönten Kaiser des Gerüchtemarketings. Wegen der inzwischen auf ein knappes Jahr zusammengeschmolzenen iPhone/iPad-Generationsfolge kann praktisch zu jeder Zeit wild spekuliert werden.

Und so füllt sich das Sommerloch langsam mit unkenhaftem Gemunkel über das nächste, übernächste und über-übernächste heiße Ding von Apple. Gestützt wird das Ganze durch alle möglichen Fotos, die Bauteile oder Gehäusemuster des neuen Fetischs zeigen sollen. So ging vor ein paar Tagen das Gerücht um, dass Apple ein völlig neues Format für Gehäuseschrauben mit einem asymmetrischen Kopf einführen will.

Um es kurz zu machen: Sowohl die Nachricht als auch die Abbildung der Schraube waren Opens external link in new windowerfunden. Der Fake klang allerdings recht glaubwürdig. So ist Apple dafür berüchtigt, dass Öffnen seiner Geräte durch möglichst ungewöhnliche Schraubenformate zu erschweren. So wurde dieses Gerücht relativ schnell weiterverbreitet.

In die Welt gesetzt wurde es von der schwedischen Videoproduktionsfirma Day4. Deren Geschäftsführer Lukasz Lindell schreibt, er und seine Mitarbeiter haben die Schraube mit einem 3D-Programm schnell zusammengebastelt und dabei eine möglichst unpraktische Form gewählt. Es ging ihnen darum zu testen, ob und wie schnell sich ein derartiges Gerücht verbreitet.

Doch zuerst musste es gestreut werden. Dafür nutzten die Leute von Day4 ein Posting bei Opens external link in new windowReddit. Recht schnell wurde der Fake von den ersten US-Medien aufgegriffen, allerdings mit deutlich skeptischer Tendenz. Immerhin vergeht keine Woche ohne irgendein Gerücht zu Apple-Produkten, das mit dubiosen Fotos bewiesen werden soll.

Trotz der Zweifel haben sehr viele IT-Blogs berichtet. Damit sind sie im Sommerloch in eine selbst gestellte Falle gestolpert: Da die Leser es gewohnt sind, mehrmals täglich mit dutzenden Neuigkeiten versorgt zu werden, müssen jetzt auch eher dünne Geschichtchen und unqualifizierte Äußerungen verbreitet werden.

Das Publikum nimmt geschickt platzierte und nicht übertrieben abstrus wirkende Sommerlochfüller immer gerne auf und verbreitet sie fleißig weiter. Denn so richtig Fahrt hat der Schrauben-Fake erst dann bekommen, als die Leser dieser Meldungen die Berichte weitergeleitet haben. Lukasz Lindell kommt zu dem Schluss, dass eine Meldung häufiger als Wahrheit wahrgenommen wird, wenn sie sehr weit von der Quelle entfernt gelesen wird.

Das ist eine relativ normale Entwicklung bei der Weiterverbreitung von Nachrichten via Facebook oder Twitter. Niemand postet einen Link und schreibt dann dabei "Falls das Foto echt ist, zeigt es ein möglicherweise neues Schraubsystem für das vielleicht bald erscheinende iPhone 5". Natürlich schreibt jeder: "Das iPhone hat neue Schrauben." Und wenn dann noch ein bisschen Emotion hinzu kommt heißt es: "Apple erschwert iPhone-Reparatur".

In den sozialen Netzwerken entstehen sehr häufig lange Weiterleitungsketten, da nur anfänglich die Originalnachricht genutzt wird. Nun passieren zwei Dinge: Mit zunehmendem Abstand von der Quelle wird die Wahrheit der Meldung nicht mehr hinterfragt und häufig verfremden sich die Anmerkungen zum Link auch nach dem Prinzip der stillen Post - der Inhalt wird mehr oder weniger stark verfälscht.

Der sprichwörtliche "normale Leser" geht in der Regel davon aus, dass eine Meldung stimmt. Es ist also die Aufgabe der Medien, ein wenig mehr Kritik und Selbstkritik zu üben. Muss wirklich jedes Gerücht flugs weiterverbreitet werden? Vielleicht ist es eine gute Idee, gelegentlich den Ratschlag Dieter Nuhrs zu beherzigen.

Bildquelle: Day4

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