Diese Studenten der TU Ilmenau haben das Finale des internationalen Smartphone-Wettbewerbs von HTC gewonnen (v.l.n.r.: Markus Kniep, Christian Henke, Michael Lückgen)
Gute Ideen liegen manchmal auf der Hand. Jedes Smartphone hat GPS-Sensoren, mit denen es die aktuelle Position feststellen kann - auf 10 -15 Meter genau. Das GPS-Modul macht jedes Smartphone zu einem Navi, wenn es die richtige App einsetzt.
Doch damit sind noch lange nicht alle Fähigkeiten eines typischen Smartphones aufgezählt. Die Hersteller haben ihre Geräte mit viel Hightech aufgerüstet. Zum Beispiel mit einem Kompass und allerlei anderen Sensoren, mit denen es feststellen kann, ob es bewegt wurde und in welche Richtung. Diese Sensoren funktionieren sogar ziemlich präzise.
Das GPS dagegen hat manchmal Probleme und funktioniert nicht immer besonders zufriedenstellend - zum Beispiel in Räumen, aber auch in Großstädten mit Hochhäusern. Außerdem ist es ein wahrer Stromfresser. Ein guter Trick, den Akku in Rekordzeit zu leeren: Das Smartphone zugleich als Navi und als Medienplayer mit angeschlossenem Bluetooth-Headset nutzen. Und die Musik kommt via UMTS von Spotify.
Damit sind alle Tatsachen versammelt, jetzt muss nur noch jemand kommen und daraus eine Innovation machen. Jemand wie Christian Henke, Student der Medientechnologie der TU Ilmenau. Dem 24-Järigen war aufgefallen, dass Smartphones zwar über viele Sensoren verfügen, deren Potential aber bisher kaum genutzt wird.
"Zunächst war nur geplant, die GPS-Navigation durch die Sensoren zu unterstützen. Am Ende war es sogar möglich, dass sich ganz ohne GPS navigieren lässt", erinnert sich Christian Henke. Zusammen mit Markus Kniep und Michael Lückgen entwickelte er die Android-App SmartNavi, die erste GPS-unabhängige und schrittbasierte Navigations-App.
Durch Nutzung der internen Sensoren erkennt SmartNavi Schritte und deren Richtung. Die neue Methode setzt einmalig GPS ein, um eine Startposition zu ermitteln. Anschließend wird die Position nur noch über die Lagesensoren des Smartphones errechnet. Im Vergleich zur herkömmlichen GPS-Navigation lässt sich somit bis zu 70% Akkulaufzeit sparen.
Schon diese kurze Beschreibung zeigt: Die App richtet sich nicht an Autofahrer, sondern an Wanderer, Jogger, Walker oder andere Leute, die zu Fuß unterwegs sind und ein bestimmtes Ziel erreichen möchte. Zusammen wird eine Innovation daraus: Es gibt die passende Technik und einen bisher nicht befriedigten Bedarf. Das innovative Produkt schließt diese Lücke.
Davon hat sich auch die Jury des Wettbewerbs "The Tomorrow Talks" überzeugen lassen. Der internationale Ideenwettbewerb des taiwanesischen Herstellers HTC richtet sich an Studenten aus 16 europäischen Hochschulen. Sie sollten Videos einreichen, in denen sie ihre Vorstellung vom Smartphone der Zukunft präsentieren.
Insgesamt hatten mehr als 700 Studenten aus Deutschland, Österreich, Polen, der Schweiz und Spanien ihre Ideen in insgesamt 240 Videos vorgestellt. Dabei setzten sich die Studenten der Medientechnologie als einziges deutsches Team durch.
Bereits heute kann die SmartNavi App für Android-Smartphones kostenlos heruntergeladen werden. Sie ist als Prototyp für ein neues Feature für künftige HTC-Smartphones konzipiert, aber auch aktuelle HTC-Geräte können mit der Software nachgerüstet werden.
Mit ihrem Prototypen haben die Studenten schon heute bewiesen, dass Navigation auch über lange Strecken vollständig ohne GPS funktioniert. Die Idee als zukünftiges Feature zu entwickeln, ist für HTC besonders interessant, weil der Mobilfunkhersteller die eigenen Geräte weder anders bauen, noch neue Technologie nutzen muss.
Schon bald fliegt das Siegerteam für fünf Tage nach London, um sein Konzept in der HTC-Europa-Zentrale bis zum marktfähigen Produkt weiterzuentwickeln. Christian Henke sieht das als große Chance: "Natürlich empfinden wir den Sieg als Anerkennung für die Arbeit, die wir bisher in das Projekt gesteckt haben. Wir wissen es sehr zu schätzen, dass wir jetzt die Möglichkeit bekommen, mit Profis der Mobilfunkbranche zusammenzuarbeiten."
Bildquelle: Christoph Gorke / TU Ilmenau