Mobile Payment: Interview mit Uwe Härtel, Gemalto

Sicherheit beim mobilen Bezahlen ist unerlässlich

Welchen zusätzlichen Mehrwert Anbieter neben dem reinen mobilen Bezahlen anbieten müssen, um Akzeptanz beim Verbraucher zu erzielen, erklärt Uwe Härtel, Regional Sales Director bei Gemalto

Uwe Härtel, Gemalto

Uwe Härtel, Regional Sales Director bei Gemalto

Herr Härtel, der Mobile-Payment-Markt in Deutschland ist derzeit noch stark fragmentiert, so dass der Kunde bei jeder Zahlung überlegen muss, welche App oder Technologie die Richtige ist. Welche Auswirkungen hat das auf die Akzeptanz und Nutzung beim Verbraucher?
Uwe Härtel:
Sicherlich entstehen derzeit viele verschiedene Lösungen, aber es gibt auch viele unterschiedliche Konsumenten. Die Vielzahl an Lösungen von verschiedensten Anbietern muss kein Hindernis für die Akzeptanz einer Technologie sein, sondern bewirkt eher, dass Lösungen entstehen, die besser auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten sind. Jeder kann so letztlich die Lösung nutzen, die am besten zu ihm passt – vorausgesetzt der Anbieter stellt die notwendigen Informationen bereit. Der Konsument kann zweifelsohne selbst entscheiden wann und wo er eine Anwendung einsetzt, wenn er ausreichend über die Einsatzmöglichkeiten informiert ist.
 
Das Smartphone wird hauptsächlich zum Preisvergleich, zur Abfrage von Produktinformationen oder als Einkaufsliste genutzt, als Zahlungsmittel kommt es derzeit nicht in Betracht. Warum ist es überhaupt notwendig an der Kasse mit einem Smartphone bezahlen zu können?
Härtel:
Es ist einfacher und schneller mit dem Mobiltelefon zu bezahlen, als mit Bargeld oder Bankkarten. Dennoch wird die Akzeptanz einer neuen mobilen Bezahllösung nicht steigen, wenn sie keinen zusätzlichen Mehrwert für den Kunden bietet. Das bedeutet, dass die Herausforderung darin liegt eine durchgängige und vollständige mobile Einkaufserfahrung anzubieten. Ermöglicht wird dies zum Beispiel durch die Mobile Wallet. Es reicht jedoch nicht aus nur die physische Geldbörse zu ersetzen. Die zusätzlich angebotenen Dienste werden den entscheidenden Unterschied ausmachen.

Was halten Sie den Argumenten: Angst vor Datenmissbrauch, sperrige Usability, Vielzahl an Lösungen, weiterer Zahlungsstrom der überprüft werden muss, entgegen?
Härtel:
Es ist auf jeden Fall legitim Zweifel zu haben, da mobile Bezahlvorgänge die Gewohnheiten der Konsumenten durch den Einsatz neuer Technologien tiefgreifend verändern. Unsere Aufgabe als Anbieter neuer Technologien ist auch, diese zu erklären und den Kunden die Möglichkeit zu bieten, sich darüber zu informieren, dass die Nutzung unbedenklich ist, so dass die Menschen keine Angst davor haben.
 
Der Mobile-Payment-Markt besteht aus einer Vielzahl an Lösungen – wird es in absehbarerer Zeit hier nicht zu einer Sättigung an Angeboten kommen? Warum schätzen Anbieter die Situation dennoch lukrativ ein?
Härtel:
Die Vielzahl der Lösungen ist kein Hindernis für die Akzeptanz der Technologie im Alltag und der Markt ist von der Sättigung noch weit entfernt. Die hohe Anzahl von Angeboten zeigt nur, dass der Markt noch immer ein großes Potential birgt, solange wir von verschiedenen Konsumentenprofilen sprechen müssen. Manche werden das Smartphone nur deshalb zum Bezahlen nutzen, weil sie Treuepunkte sammeln möchten, andere bevorzugen vielleicht eine Bezahl-App, weil sie es nicht mögen Bargeld mit sich herumzutragen und wieder andere möchten gerne eine Anwendung haben, mit dem sie ihre Einkäufe organisieren können. Es gibt diverse Lösungen, die auf verschiedene Erwartungen eingehen. Und da das Marktumfeld noch stark in Bewegung ist, erwarten wir für die Zukunft einen strukturierteren Markt.

Wie muss Mobile Payment aussehen damit der Anwender begeistert ist und dieses auch nutzt?
Härtel:
Wie bereits erwähnt, muss Mobile Payment einen echten Mehrwert und zusätzliche Dienste neben dem Bezahlvorgang bieten. Die Idee dahinter ist, ein sicheres Einkaufserlebnis zu ermöglichen, das auf den Einzelnen zugeschnitten ist und auf seine Wünsche eingeht. Die Nutzungserfahrung und welche Vorteile Mobile Payment dem Konsument bringt ist es, was heutzutage entscheidend ist. Mobiles Marketing wird hier eine große Rolle spielen, um jede Erfahrung auf die Bedürfnisse der Benutzer anzupassen.
 
Welchem Übertragungsstandard (NFC, QR-Code, BLE) schreiben Sie die größte Erfolgswahrscheinlichkeit im Hinblick auch die Anwender zu?
Härtel:
Mobile Payment ist eine Revolution in Bezug auf die Art, wie wir bezahlen. Sie verlangt den Menschen die Änderung ihrer Bezahlgewohnheiten ab. Erfolgreiche Lösungen und nicht die Technologie selbst, müssen zwei Hauptkriterien erfüllen:

  • Bezahlen sicherer, einfacher und angenehmer zu machen.
  • Mobile Payment muss sich lohnen.

Am Ende wird es voraussichtlich mehrere Gewinner in diesem neuen Markt geben, da alle Technologien miteinander kombiniert werden können. Verschiedene Lösungen und Technologien werden nebeneinander mit unterschiedlichen Sicherheitsniveaus existieren. Es gibt genug Platz auf dem Markt für verschiedene Lösungen und wir setzten unsere Fachkenntnisse in Sachen Sicherheit für unsere Kunden ein.
Hinzukommt, dass NFC bereits weltweit eingesetzt wird, sei es für Zahlungs-, Transport- oder Zugangslösungen. Auch wenn alle anderen Technologien für Mobile Payment gut funktioneren, können sie nicht mit dem Sicherheitsniveau einer NFC Lösung konkurrieren.

Welche Rolle spielt die Beacon-Technologie und ein möglicher Einstieg in das Payment-Geschäft? Ist diese als Konkurrent für NFC zu betrachten?
Härtel:
Auch hier müssen wir im Hinterkopf behalten, dass verschiedene Technologien auf dem Markt sind und noch weitere entwickelt werden. Wenn verschiedene Technologien eingesetzt werden, bereichert dies den Markt mehr, als dass es ihn sättigt. Es ist eher interessant zu sehen, welchen Mehrwert der Kunde von den einzelnen Ansätzen bekommen kann und wie diese zusammenarbeiten können, als welche Technologien miteinander konkurrieren. Wir müssen uns mehr auf die konkreten Anwendungfälle konzentrieren, als auf den Kampf der Technologien.

Können Sie bestätigen, dass viel zu oft noch die Technik der jeweiligen Lösung im Vordergrund steht, die aber kein Selbstzweck sondern Mittel zum Zweck sein sollte?
Härtel:
Sicherheit und einfache Anwendbarkeit sind unerlässlich. Nicht alle Lösungen können dasselbe Sicherheitsniveau bieten und gleichzeitig genauso einfach und bequem sein. Das ist der Grund weshalb die Technologie oft im Fokus des neuen mobilen Erlebnisses steht.

Wie bewerten Sie die Tatsache, dass unter den Angeboten (z.B. Yapital, Cashcloud, PayPal und den verschiedenen Wallets der Mobilfunkanbieter) Banken keine Rolle spielen?
Härtel:
Banken und Mobilfunkanbieter konkurrieren mit den Over-The-Top Anbietern wie Paypal. Somit haben sie ein gemeinsames Interesse daran zu kooperieren, um Sicherheit zu gewährleisten und den Zugang zu zusätzlichen Diensten zu ermöglichen. Ein Beispiel hierfür ist die Partnersschaft von AMEX mit ISIS in den USA, wodurch beide neue Kunden gewinnen.

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