05.09.2017 Digital Banking

Skepsis beim Online-Banking, Freude am Bargeld

Von: Ingo Steinhaus

Die Zahlen steigen nur langsam: Jeder zweite Deutsche macht Online-Banking und jeder Fünfte nutzt das Smartphone für Bankgeschäfte.

Kontaktloses Bezahlen mit Smartphone und NFC-Terminal

Kontaktloses Bezahlen mit Smartphone und NFC-Terminal

Bald soll Apple Pay nach Deutschland kommen, der von vielen Apple-Fans als Angstgegner der Banken ausgerufene Bezahldienst. Und tatsächlich, der Service des iPhone-Herstellers vereinfacht das mobile Bezahlen ganz erheblich. Der Nutzer muss einfach nur die Daten seiner Kredit- oder Debitkarte in die Wallet-App eingeben und kann anschließend an jedem NFC-Terminal an der Kasse kontaktlos bezahlen.

Das hört sich toll an, hat aber eine ganze Reihe von Voraussetzungen. Erstens müssen die ausgebenden Organisationen, also Banken und Kreditkartenanbieter hier in Deutschland dieses Verfahren unterstützen und zweitens müssen die Kassensysteme entsprechend ausgerüstet sein. Das ist im Moment nur bei einem Teil (dm, ALDI, REWE) der Kassen im Einzelhandel der Fall, der Weg vom Angstgegner zum Sieger aller Klassen ist also noch weit.

Doch es ist durchaus möglich, dass Apple Pay ein Erfolg wird. Immerhin macht Apple vor, wie man einen Bezahldienst komfortabel gestaltet. Außerdem verbreiten sich mobile Anwendungen bei Geldgeschäften, allerdings relativ langsam. Es gibt inzwischen eine Reihe von Banken in Deutschland, die bereits jetzt unkompliziertes, mobiles Banking erlauben. Dazu gehört unter anderem das Fintech-Startup N26 mit seinem Smartphone-Konto, dass ausschließlich über eine App genutzt wird. Auch die zahlreichen Direktbanken sind gute Kandidaten für eine Zusammenarbeit mit Apple.

Mobile Banking ist bei vielen noch nicht im Alltag angekommen

Allerdings ist nicht ganz klar, wie viele Deutsche überhaupt Online- und Mobile-Banking einsetzen. Es gibt hierzu unterschiedliche Ergebnisse. Nach einer vor wenigen Tagen erschienenen repräsentativen Umfrage des Digitalverbandes Bitkom setzt gut jeder zweite Nutzer inzwischen sein Tablet für das Online-Banking (52%) ein und vier von zehn das Smartphone (41%). Die Zahlen aus der regelmäßigen, repräsentativen Befragung des Digitalverbandes Bitkom sind seit dem letzten Jahr erstaunlich stark angestiegen. So gab es 2016 erst 41 Prozent Tablet- und 36 Prozent Smartphone-Nutzer bei Geldgeschäften. Fast jeder (90%) überprüft den Kontostand mobil, allerdings überweisen lediglich 30 Prozent der Nutzer auch mit den Apps.

Die Bitkom-Zahlen berücksichtigen allerdings nur die Besitzer von Mobilgeräten. Etwas andere Zahlen aus dem Frühjahr 2017 bringt eine Untersuchung der Unternehmensberatung EY. Sie stellt eine recht hohe Skepsis fest: Nur jeder zweite der Teilnehmer einer repräsentativen Umfrage nutzt überhaupt Onlinebanking. Etwa 23 Prozent sagen, dass sie Sicherheitsbedenken haben und 26 Prozent wollen mit dem Thema überhaupt nichts zu tun haben. Beim Smartphone ist die Zurückhaltung sogar noch größer, denn nur etwa 20 Prozent wickeln ihre Bankgeschäfte mit Mobilgeräten ab. Beliebte Anwendungen sind dabei Überweisungen: 74 Prozent der Nutzer von Online-Banking bezahlen ihre Rechnungen auf diese Weise.

Die ausschließlich mobile Kontoführung Ist also trotz bequemer Fintech-Apps noch nicht auf breiter Front im deutschen Alltag angekommen. Auch das mobile Bezahlen steckt noch in den Kinderschuhen, allerdings im Wesentlichen mangels hoher Verbreitung der entsprechenden Terminals. Doch neben innovativen Produkten ist zudem viel Überzeugungsarbeit der Anbieter nötig, wie die EY-Studie ebenfalls zeigte: Nur 30 Prozent der Befragten würden zumindest testweise mit dem Smartphone an einer Supermarktkasse bezahlen, 70 Prozent dagegen würden dies ausschließen. Die Anbieter müssen also erst einmal möglichst große Kundengruppen von der Sicherheit und dem Komfort ihre Bezahldienste überzeugen.

Bargeld ist immer noch bei der Mehrheit beliebt

Da hat Apple Pay noch einiges vor sich, zumal es auch zwei sehr starke Konkurrenten gibt: Bargeld und PayPal. Der Internet-Bezahldienst PayPal ist mittlerweile bei Online-Einkäufen akzeptiert - die recht flotte und bequeme Zahlung hat viele Leute überzeugt. Er ist nach der EY-Studie mittlerweile die bevorzugte Zahlmethode für Einkäufe im Internet, die von 43 Prozent aller Befragten eingesetzt wird. 40 Prozent zahlen per Rechnung und 23 Prozent mit einer Kreditkarte.

Von PayPal gibt es natürlich eine App, die auch zum Bezahlen in Geschäften und Restaurants eingesetzt werden kann. Auch hier gibt es noch keine große Verbreitung, doch PayPal erweitert seine Verträge mit dem Handel permanent. So wurde kürzlich eine Kooperation zwischen Shell und PayPal getroffen, wo an ausgewählten Tankstellen in Berlin und Hamburg nun auch mit der PayPal-App der Kraftstoff bezahlt werden kann. Gut möglich, das der Zahlungsdienstleister aufgrund seiner Erfahrungen mit dem als kompliziert geltenden deutschen Markt die Nase vorn hat.

Denn schwierig für Anbieter von Mobile Payment ist Deutschland wegen des zweiten Konkurrenten, dem Bargeld. Es ist immer noch der Deutschen liebstes Kind, denn nach der aktuellen Postbank-Digitalstudie wollen 84 Prozent der Befragten nicht auf Bargeld verzichten. Sogar die viel zitierten „Digital Natives“ sind mehrheitlich für das Bargeld: Nur 27 Prozent der unter 35jährigen wollen es abschaffen.

Bildquelle: Thinkstock

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