03.03.2017 Mobile World Congress 2017

Smartphone-Langeweile: Retro als Lichtblick

Von: Robert Schindler

Auf dem MWC 2017 stahl der 3310-Knochen von Nokia den tollen neuen Flaggschiffen die Show. Das sollte der Branche zu denken geben.

Nach dem Besuch des Mobile World Congress 2016 war unsere Einschätzung: Die Evolution des Smartphones ist am Ende. Daran hat sich auch 2017 nichts geändert. Die Entwicklung ist nur noch deutlicher geworden.

Zwischen all den tollen neuen Flaggschiffen von LG, Huawei, Sony und Co. gelang es Nokia, mit der Neuauflage seines 17 Jahre alten legendären 3310-Knochens den anderen Herstellern die Show zu stehlen. So sehr dieser Coup Nokia, bzw. dem Nachfolger HMD Global, zu gönnen ist, so sehr muss doch die Branche damit hadern.

Retro-Hype zeigt das Fehlen echter Innovationen

Denn der Hype um das Retro-Handy zeigt überdeutlich das Fehlen echter Innovationen. Spannende Features sucht man vergebens. Wichtige Unterschiede sind eigentlich nur noch die Frage, wer das pure Android als OS bietet und ob sich ein großer Hersteller mit einem Kampfpreis aus der Deckung traut.

Aber beim Design? Bei der Haptik? "Sea of Sameness" nannten einige Analysten diesen Zustand der gefühlt totalen Unterschiedslosigkeit.

Spannend wäre folgendes Panel auf dem MWC: Alle Marketing-Chefs der großen Hersteller müssen in einem Blindtest ihr Modell unter zehn anderen erkennen. Glückstreffer, wer da richtig liegt.

Auch Samsung wird Ende März mit dem neuen Galaxy S8 nichts Überraschendes vorstellen und auch Apple spürte beim iPhone 5, 6, 7 die Schwierigkeiten, ein ausgereiftes Produkt wirklich weiterzuentwickeln, überdeutlich.

Vorbild Automobilbranche?

Einerseits mag die Forderung nach markanten Innovationen unfair und zu viel erwartet sein von durchorganisierten Produktentwicklungsabteilungen, die doch alle am Tropf asiatischer Zulieferer hängen. Andererseits gibt es Branchen mit ähnlichen Voraussetzungen, die es doch – zumindest immer mal wieder – schaffen, unterscheidbare Produkte zu designen: die Automobilbranche zum Beispiel.

Die Ausganglage ist ähnlich, auch hier diktiert vieles der Windkanal, auch hier ist man auf Zulieferer in Fernost angewiesen, auch hier sind die Margen eng. Dennoch gelingt es den meisten Premium-Herstellern immer, eine Markenidentität zu transportieren. Und ab und zu gelingen auch toll designte Automobile. Nicht wenige der in den letzen Jahren interessanten Modelle greifen übrigens im Retro-Look auf alte Kult-Vorgänger zurück: Fiat 500, VW Beetle, BMW Mini, Ford Mustang.

Vielleicht ist ja insofern das Nokia 3310 ein neuer (Retro-)Anfang für die Mobile-Branche.

Bildquelle: Nokia

©2017 Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH